Zuversicht für zweite Jahreshälfte
In Euro-Land steigt schon wieder die Skepsis

Die Stimmung der Verbraucher und der Unternehmer in der Euro-Zone hat sich im Juni wieder eingetrübt. Volkswirte waren von den schlechten Konjunktur-Daten überrascht, warnen aber davor, die Ergebnisse überzubewerten. Für das zweite Halbjahr rechnen sie nach wie vor mit neuer Dynamik im Währungsraum.

ost DÜSSELDORF. Die Zweifel an einem schnellen Aufschwung in der Euro-Zone haben gestern neue Nahrung erhalten. Neue Konjunktur-Indikatoren, die die EU-Kommission am Dienstag veröffentlichte, enttäuschten die Volkswirte auf der ganzen Linie. In der Währungszone hat sich die Laune sowohl bei Unternehmern als auch bei den Verbrauchern im Juni überraschend verschlechtert. Der Gesamtindex für die wirtschaftliche Stimmung in Euro-Land fiel gegenüber Mai um 0,3 Punkte auf 99,6 Zähler. Im Vormonat war er um 0,5 Punkte gestiegen.

"Eine ziemlich düstere Veröffentlichung", kommentiert Robert Prior-Wandesforde, Volkswirt bei HSBC. "Die Daten verstärken das Bild, dass die Konjunktur-Erholung in der Euro-Zone bislang noch keine Fahrt aufgenommen hat."

Die Unsicherheit in Bezug auf das Wirtschaftswachstum sei durch die neuen Zahlen gewachsen, meint auch Ed Teather von UBS Warburg. "Wir sind aufmerksam, was Anzeichen für eine Wachstumspause im zweiten Quartal betrifft." Für die zweite Jahreshälfte gibt er sich indes zuversichtlich: Dann dürfte sich das Wachstum beschleunigen und die Stimmung in der Industrie aufhellen.

Konjunkturdaten machen Leitzins-Erhöhungen unwahrscheinlicher

Dafür spricht auch der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator, der zuletzt signalisierte: Im zweiten Quartal dürfte das Wachstum noch schwach gewesen sein, ab Juli wird es sich aber wahrscheinlich merklich beschleunigen.

Die neuen Daten haben auch ihr Gutes: Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank in naher Zukunft dürften unwahrscheinlicher werden, meinen Volkswirte. Dafür spricht zudem, dass sich aus der Umfrage kaum Inflationsdruck ablesen lässt: Im Juni rechneten weniger Unternehmen als im Vormonat damit, höhere Verkaufspreise bei ihren Kunden durchsetzen zu können. Auch bei den Verbrauchern erwarten jetzt weniger Befragte steigende Preise in den kommenden zwölf Monaten.

Die größte Überraschung für die Volkswirte am Dienstag: Die Stimmung in den Industrie-Unternehmen der Euro-Zone hat sich im Juni wieder verschlechtert. Der Index fiel um einen Punkt auf-10 Zähler. Ökonomen hatten im Schnitt dagegen einen Anstieg in gleicher Größenordnung erwartet, nachdem der Reuters-Einkaufsmanager-Index für Juni gestiegen war.

Lagerbestände nahmen zu

Der EU-Stimmungsindikator für die EU liegt jetzt wieder deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt von-7 Punkten. Die Lagerbestände fertiger Produkte kletterten leicht, zudem bekamen die Firmen etwas weniger neue Aufträge. In Deutschland sind die Industrie-Unternehmen noch deutlich pessimistischer als in der Euro-Zone: Der Index fiel von-18 auf-19 Punkte.

Zudem ist auch ein Ende der Eiszeit bei den Investitionen noch nicht in Sicht. Die befragten Industrie-Unternehmen rechnen damit, das die Investitionen in der Euro-Zone 2002 im Jahresvergleich um 2 % fallen. Anders ist das Bild in Deutschland: Hier zu Lande erwarten die Unternehmen ein leichtes Plus von real 1 %.

Die Volkswirte der Commerzbank erklären sich die schlechtere Laune vor allem mit den "gewachsenen Zweifeln am Aufschwung in den Vereinigten Staaten und in Europa. Allerdings relativieren die Commerzbank-Ökonomen die schlechteren Stimmungsdaten: "Die Tendenzwende in der Industrie wird durch die Umfrageergebnisse nicht in Frage gestellt." Der Aufschwung im zweiten Quartal könne jedoch etwas verhaltener ausfallen als bislang gedacht.

Verbrauchervertrauen ebenfalls gesunken

Auch Neville Hill von Credit Swiss First Boston (CSFB) warnt davor, die Zahlen überzubewerten: "Die Ergebnisse sprechen nicht dagegen, dass die Produktion wächst." Nicht nur in der Industrie, auch im der Einzelhandel, der Bau-Branche und dem Dienstleistungssektor hat sich die Laune der Firmen im Juni verschlechtert.

Und auch die Konsumenten in der Euro-Zone sind wieder pessimistischer: Der Index des Verbrauchervertrauens büßte im Juni ebenfalls einen Punkt ein und fiel auf-9 Zähler. Während die Konsumenten ihre eigene finanzielle Situation in den kommenden zwölf Monaten unverändert einschätzen, sehen sie die allgemeine Wirtschaftslage etwas weniger zuversichtlich. Mit größeren Anschaffungen wollen sie sich derzeit daher noch stärker zurückhalten als im Mai.

Erstaunlich ist: In Deutschland hellte sich die Stimmung der Konsumenten im Juni zum ersten Mal seit sieben Monaten auf. Der Index des Verbrauchervertrauens stieg um 3 Punkte auf-8 Zähler, damit ist die Stimmung so gut wie seit Oktober 2001 nicht mehr.

Anders war die Entwicklung in Frankreich: Dort trübte sich die Stimmung der Verbraucher im Juni überraschend leicht um einen Punkt ein. Mit - 12 Punkten sind die Konsumenten im zweitgrößten Land der Euro-Zone inzwischen sogar deutlich pessimistischer als in Deutschland - erstaunlich, weil die französischen Konsumenten in der Vergangenheit deutlich kauffreudiger waren als die deutschen.

Die schlechtere Stimmung der Verbraucher in der Euro-Zone erklären Volkswirte vor allem mit der nach wie vor flauen Situation am Arbeitsmarkt. Im Mai waren in der Euro-Zone saisonbereinigt 11,6 Millionen Menschen ohne Job, die Quote stagnierte damit bei 8,3 %, meldete das europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosenquote dagegen nur bei 8,0 %.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%