Zuversicht in Vancouver
Ahornsirup und Olympia zum Frühstück

Die Olympia-Fans in Kanadas Pazifikprovinz British Columbia werden am morgigen Mittwoch früh aufstehen. Um 6 Uhr schon beginnen die Partys, die die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) über den Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2010 begleiten. Gemeinsam bewerben sich Vancouver, die Metropole am Pazifik, und Whistler, der Wintersportort in den Bergen. Die Konkurrenten sind Salzburg in Österreich und Pjöngjang in Südkorea, die ebenfalls als Ausrichter der Winterspiele und der Paralympics fungieren wollen.

VANCOUVER. Zuversichtlich und als Favorit reist die kanadische Delegation zur IOC-Vollversammlung nach Prag. Premierminister Jean Chretien wird am heutigen kanadischen Nationalfeiertag in die tschechische Hauptstadt fliegen, um zu zeigen, dass ganz Kanada die Bewerbung unterstützt. "Es gibt keinen besseren Ort für die Spiele als British Columbia", sagt Chretien. Aber er warnt vor allzu aggressivem Auftreten in Prag: "Nicht protzig und übermäßig ehrgeizig, sondern kompetent und mit klarem Kopf."

Zu der Delegation, die die Bewerbung vor dem IOC präsentieren werden, gehören Eishockeystar Wayne Gretzky, die Eisschnellläuferin Catriona Le May-Doan und Ex-Abfahrtsläufer Steve Podborski. "Ich hoffe, Vancouver erhält den Zuschlag. Es wären großartige Spiele", erklärt Gretzky, der als Teammanager vor zwei Jahren Kanadas Eishockeyteam zu Gold in Salt Lake City führte und darauf setzt, dass 2010 Kanadas Männer und Frauen im General Motors Place, der Spielstätte der Vancouver Canucks, erneut nach der Goldmedaille greifen.

Als "Sea-to-the-Sky"-Spiele soll Olympia zelebriert werden. Das malerisch am Pazifik und am Fuße einer Bergkette gelegene multikulturelle Vancouver soll Eiswettbewerbe, Eishockeyturnier und Eröffnungs- und Schlussfeiern sehen. Im 120 Kilometer nördlich in den Coastal Mountains gelegenen Whistler sind die Ski-, Bob- und Schlittenwettbewerbe geplant. Das operative Budget für die Spiele "von heute bis zum Schlussfeuerwerk" beläuft sich auf 1,345 Milliarden kanadische Dollar. Für den Aus- oder Neubau von Sportstätten sind 620 Millionen Can-Dollar verplant, so dass die Gesamtkosten derzeit mit rund zwei Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) veranschlagt werden.

Die Investitionen in die Sportanlagen tragen Bund und Provinz, hinzu kommen 400 Millionen Dollar für den Ausbau des Kongresszentrums im Hafen von Vancouver. Als Schwachstelle der Bewerbung gilt die Verbindung zwischen Vancouver und Whistler. Hiervon ist mittlerweile allerdings kaum noch die Rede. Denn die Provinz baut die kurvenreiche Straße zu einem durchgehend drei- bis fünfspurigen Highway "Sea to Sky" aus, was die Fahrtdauer von bislang rund zwei Stunden deutlich verringern und die Sicherheit erhöhen soll.

Die operativen Kosten sollen mit TV-Einnahmen, Eintrittskarten, Vermarktung von Olympia-Emblemen und von in- und ausländischen Sponsoren gedeckt werden. Darunter sind die führende Telefongesellschaft British Columbias, Telus, sowie der Brauereikonzern Molson. Umweltschützer und sozial engagierte Gruppen, die den Einsatz der geplanten Mittel für Bildung, soziale Einrichtungen und Umwelt statt für Olympia gefordert hatten, konnten die Bevölkerung nicht überzeugen: Bei einem Referendum sprachen sich 64 Prozent der Teilnehmer für Olympia aus.

Die IOC-Evaluierungskommission hatte der Bewerbung von Vancouver/Whistler im Mai durchweg gute Noten ausgestellt. Es gebe eine "klare Vision für die Organisation der Olympischen und Paralympischen Winterspiele" und die Nutzung der Sportstätten nach dem Großereignis. Das Konzept weise gute Möglichkeiten für die Athleten aus, die in zwei olympischen Dörfern wohnen und in "begrenzter Anreisezeit" exzellente Sportstätten erreichen könnten.

Ermutigt von dem Bericht versprach John Furlong, Präsident des Bewerbungskomitees Vancouvers: "Wir werden uns weiter als starker Bewerber präsentieren." Für ihn steht fest: "Wir brauchen die Spiele, wir wollen gewinnen, deshalb reisen wir mit sehr großen Hoffnungen und hohen Erwartungen zur Vollversammlung nach Prag."

Charmaine Crooks, eine von drei kanadischen IOC-Mitgliedern, klingt nicht weniger hoffnungsfroh: "Wir haben die Menschen, die Leidenschaft und den Plan, um die Goldmedaille aus Prag mit nach Hause zu bringen." Man sei zuversichtlich, denn in der Handelsmetropole, zu deren wichtigsten Wirtschaftszweigen die Erdölverarbeitung, Nahrungsmittel-, Holz- und Papierindustrie gehören, sei in den vergangenen Monaten und Jahren alles Erdenkliche getan worden, um den Zuschlag zu erhalten.

Das glauben auch jene Kanadier, die morgen bei zahlreichen Olym- pia-Partys an der Pazifikküste mit Pfannkuchen und Ahornsirup, Kaffee und Muffins darauf setzen, dass es am Ende der IOC-Veranstaltung heißt: "The winner is Vancouver."

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