Zuwachs im Vergleich zum Vormonat
Deutsche Industrieproduktion legt im August zu

Die Erzeugung im deutschen Produzierenden Gewerbe ist im August überraschend gestiegen. Volkswirte sprachen von einem kleinen Hoffnungsschimmer, der am trüben Gesamtbild der deutschen Wirtschaft aber nichts ändere.

rtr BERLIN. Die Produktion erhöhte sich zum Vormonat um saisonbereinigt 1,8 %, wie das Bundesfinanzministerium (BMF) am Mittwoch auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Im Juli war die Produktion noch um 0,6 % zurückgegangen. Die Volkswirte verwiesen darauf, dass die Produktionsdaten in den Sommermonaten oft schwankten. Die zuletzt rückläufigen Frühindikatoren zeichneten ein ungünstiges Bild für die weitere Konjunkturentwicklung in Deutschland.

Die Kurse europäischer Staatsanleihen gaben in Folge der überraschend starken Daten nur kurzzeitig etwas nach. Händler sagten, der Produktionsanstieg mache eine baldige Leitzinssenkung in der Euro-Zone unwahrscheinlicher, auf die viele Marktteilnehmer seit Wochen spekulieren. Die Kurse am Aktienmarkt legten nach der Veröffentlichung vorübergehend etwas zu.

Mit einem Plus von 1,8 % übertraf der Zuwachs im Produzierenden Gewerbe selbst die höchste Analystenprognose von plus 0,6 %. Die von Reuters befragten Volkswirte hatten im Schnitt ein Minus um 0,2 % prognostiziert. Das BMF teilte allerdings mit, bei den August-Daten sei mit einer geringfügigen Abwärtsrevision zu rechnen. Im Vergleich zum August 2001 ging die Produktion nach Reuters-Berechnung um 1,4 % zurück.

Für eine Überraschung hatte am Montag bereits der gestiegene Auftragseingang der deutschen Industrie gesorgt, der im August im Vergleich zum Juli nach vorläufigen Daten saisonbereinigt um 1,7 % zugelegt hatte. Die Produktion stieg den BMF-Angaben zufolge in Westdeutschland um 1,5 (Juli: minus 0,5) Prozent, in den neuen Bundesländern sogar um 5,0 (minus 3,3) Prozent. Im weniger schwankungsanfälligen Zwei-Monats-Vergleich Juli/August zu Mai/Juni stieg die Industrieproduktion in Deutschland um 1,2 %.

Der unerwartete Produktionsanstiegs ist Analysten zufolge allerdings noch kein Zeichen für eine stärkere Erholung der deutschen Wirtschaft in den kommenden Monaten. "An dem trüben Gesamtbild ändern die Zahlen nicht viel", sagte Julian von Landesberger von der HypoVereinsbank. Die realen Daten seien in den vergangenen Monaten öfter gemischt gewesen, obwohl die Frühindikatoren nach unten zeigten. "Es wird noch etwas dauern, bis sich die Verluste am Aktienmarkt und der Vertrauenseinbruch richtig in der Wirtschaft niedergeschlagen haben", sagte er. Dennoch könne man die Daten als "kleinen Hoffnungsschimmer bezeichnen.

Andreas Scheuerle von der DekaBank rechnet zumindest für das dritte Quartal mit einem Anstieg der Produktion: "Aber die Beschleunigung ist nicht nachhaltig und wird im vierten Quartal nachlassen." Jörg Krämer von Invesco Asset Management sagte, er wäre vorsichtig, die Daten als Zeichen einer Konjunkturerholung zu interpretieren, zumal Frühindikatoren wie der Ifo-Index ein schwaches Wachstum im dritten und vierten Quartal erwarten ließen. "Im September wird die Produktion viel geringer ausfallen."

Die Hersteller von Investitionsgütern steigerten den BMF-Angaben zufolge ihre Erzeugung im August um 3,6 %. Die Produzenten von Konsumgütern stellten 1,0 % mehr her. Das Bauhauptgewerbe verzeichnete einen Produktionsrückgang um 0,8 %.

Im Osten verzeichneten dabei die Gebrauchsgüterproduzenten ein Produktionsplus von 25,3 (minus 19,8) Prozent. Ein Sprecher des BMF sagte auf Anfrage, es sei noch nicht klar, auf welche Ursachen der starke Anstieg im Osten zurückzuführen sei. Von Landesberger sagte, über den hohen Anstieg in Ostdeutschland könne man nur spekulieren. Scheuerle sagte, die Flut habe offenbar nicht wie erwartet dämpfend auf die Produktion gewirkt.

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