Zuwächse beim Versandhandel
Einzelhändler setzten im Oktober weniger um

Der deutsche Einzelhandel hat im Oktober erneut weniger umgesetzt. Auch das Weihnachtsgeschäft wird die Branche nach Einschätzung von Analysten nur kurzfristig beleben. Der Umsatz sank im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat nach vorläufigen Daten real um 1,1 % nach minus 1,3 % im September, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit.

Reuters WIESBADEN. Der Einzelhandel leidet schon das ganze Jahr über unter der Sparsamkeit der Verbraucher und hat bisher nur im Juli einen Zuwachs zum Vorjahresmonat verbucht. Von September auf Oktober wurden bereinigt 0,7 % weniger Waren umgesetzt. Nach den Daten der Deutschen Bundesbank, die noch die Verkäufe von Kfz und an Tankstellen einschließen, stiegen die Umsätze zum Vormonat real um 0,1 %.

Das Weihnachtsgeschäft könnte neben Lohnerhöhungen zwar zu einem leichten Umsatzanstieg im Schlussquartal beitragen, doch schon zu Jahresbeginn erwarten Analysten wieder einen Rückgang. "Die zaghafte Erholung aus dem Sommer ist zum Stillstand gekommen. Anfang 2003 dürfte der Umsatz deutlich zurückgehen, weil die Beiträge zur Sozialversicherung steigen und damit das verfügbare Einkommen der Konsumenten weiter sinkt", sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. Jüngste Umfragen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hätten ergeben, dass sich die Einkommenserwartungen der Verbraucher wegen der Diskussion über Abgabenerhöhungen verdüstert hätten. Das Konsumklima ist nach Berechnungen der GfK im Dezember so schlecht wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Jürgen Michels von der Citigroup in London erklärt die Kaufzurückhaltung der Verbraucher zudem mit der hohen Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen erreichte in diesem Jahr mit knapp über vier Mill. den höchsten November-Stand seit 1997. Der private Konsum wird Michels zufolge auch in Zukunft keine stärkere Dynamik entwickeln.

Während im Lebensmittelhandel Supermärkte und Warenhäuser mehr verkauften als im Vorjahr, schrumpfte der Umsatz im Facheinzelhandel. Kräftig zulegen konnte der Versandhandel mit einem realen Zuwachs von 8,2 % zum Oktober 2001. Den stärksten Rückgang verzeichnete mit elf Prozent der Handel mit Hausrat, Bau- und Heimwerkerbedarf.

Die Lohnerhöhungen, die zur Jahresmitte wirksam geworden seien und bereits den privaten Konsum im dritten Quartal erhöht hätten, würden den Einzelhandelsumsatz im vierten Quartal wahrscheinlich zumindestens stützen, sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. "Viel ist aber nicht zu erwarten." Der Einzelhandelsumsatz trägt etwa ein Drittel zum Konsum bei, der wiederum gut die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung in Deutschland ausmacht.

Der Bundesverband deutscher Banken erwartet in diesem Jahr nur noch 0,3 % Wachstum und 2003 einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 %.

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