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Zuwanderungsrat: Fachkräfte im Ausland anwerben

Der Sachverständigenrat für Zuwanderung empfiehlt trotz der hohen Arbeitslosigkeit für das nächste Jahr die Anwerbung von 25 000 Fachkräften aus dem Ausland. Dabei geht es vor allem um Pflegekräfte, Maschinenbau-Ingenieure sowie um Versicherungs- und Bankkaufleute.

dpa BERLIN. Der Sachverständigenrat für Zuwanderung empfiehlt trotz der hohen Arbeitslosigkeit für das nächste Jahr die Anwerbung von 25 000 Fachkräften aus dem Ausland. Dabei geht es vor allem um Pflegekräfte, Maschinenbau-Ingenieure sowie um Versicherungs- und Bankkaufleute.

Das sind alles Berufe, für die es auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu wenig hoch qualifizierte Bewerber gibt. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) zeigte sich am Dienstag bei der Übergabe des ersten Zuwanderungsberichts durch die Vorsitzende des Rates, die CDU-Politikerin Rita Süssmuth, skeptisch.

Angesichts von 4,35 Mill. Arbeitslosen sei eine solche Empfehlung nicht einfach umzusetzen. Schily versprach gleichwohl eine Prüfung. CDU und CSU nannten die Empfehlungen "weitgehend wertlos" und forderten eine Auflösung des Rates.

Der Zuwanderungsrat schlägt der Bundesregierung in seinem Bericht "ein Kontingent von 25 000 Aufenthaltstiteln" für Engpass- Arbeitskräfte vor. Dabei gehe es vor allem um "Personen mit überdurchschnittlicher Berufserfahrung", Akademiker und Dienstleistungs-Fachkräfte. Die Integration dieser Hochqualifizierten und ihrer Familien "in die deutsche Mehrheitsgesellschaft" dürfte kaum Probleme bereiten. Nur durch Öffnung könnten "die weltweit qualifiziertesten Migranten auch für den Standort Deutschland gewonnen werden", heißt es in dem Bericht.

Das im Sommer verabschiedete neue Zuwanderungsgesetz sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, bei erkanntem Mangel auf dem Arbeitsmarkt Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten sowie deren Familien den Zuzug nach Deutschland zu ermöglichen.

Süssmuth sagte, der Rat könne mit Zuwanderung nicht das deutsche Problem des Geburtenrückgangs lösen. Es sei aber "alarmierend", dass derzeit geburtenstarke Jahrgänge mit guter Ausbildung in Rente gingen und geburtenschwache Jahrgänge mit schlechter Ausbildung nachrückten. Deutschland müsse bei der Qualifizierung seine eigenen "Human- Potenziale" besser ausschöpfen, wie dies auch der jüngste Oecd- Bildungsreport belege. Dazu gehöre auch eine bessere Schulbildung der in Deutschland lebenden Ausländerkinder.

Mit der Greencard-Aktion hatte die Bundesregierung im Jahr 2000 rund 10 000 ausländische Informatiker befristet nach Deutschland geholt, um den Fachkräftemangel in diesem Bereich zu lindern. Schily erinnerte daran, dass der Bund zugleich ein Sofortprogramm an Hochschulen angestoßen habe, um den Bedarf künftig selbst zu decken.

Das erste Jahresgutachten des Zuwanderungsbeirates gibt zugleich eine Übersicht über den Stand der Integrationsbemühungen. Sie seien in den Kommunen oft recht unterschiedlich. So gebe es erfolgreiche Aktivitäten, in drei Jahren die Zahl der ausländischer Schulabbrecher um die Hälfte zu reduzieren, sagte Süssmuth. An anderen Orte gebe es dagegen Nachholbedarf. Grundsätzlich müsse künftig "weniger Politik für Migranten gemacht werden als vielmehr Politik mit Migranten".

Von den Zugewanderten wird zugleich mehr Offenheit gefordert. Der Rat würde es begrüßen, wenn die in Deutschland lebenden Muslime sich auf einen "legitimierten zentralen Ansprechpartner" für Politik und Öffentlichkeit verständigen könnten, wie dies in Frankreich geschehen sei, heißt es in den Empfehlungen.

Für die CDU/CSU-Fraktion kritisierten die Abgeordneten Hartmut Koschyk und Reinhard Grindel, der Süssmuth-Bericht sei "von dem Willen durchzogen, die Zuwanderung nach Deutschland massiv auszuweiten". Regierung und Opposition hätten sich aber darauf verständigt, "Zuwanderung endlich zu steuern und zu begrenzen".

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