Zwangs-Abfindung möglich
Aventis will Hoechst-Aktionäre verdrängen

Dem Wechsel im Vorstand soll bei Aventis auch ein Umbau der Organisation folgen. Die bisherige Holdingstruktur dürfte entfallen. Die freien Aktionäre der Hoechst AG will der Straßburger Pharmakonzern abfinden.

FRANKFURT/M. Beim Pharmakonzern Aventis steht nach dem Umbau im Vorstand auch eine Neuausrichtung der Organisation bevor. "Das sind die nächsten Dinge, die wir angehen", bestätigte der scheidende Vorstandsvorsitzende Jürgen Dormann im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dormann wird voraussichtlich am 14. Mai in den Aufsichtsrat wechseln und dort den Vorsitz übernehmen. Neuer Vorstandsvorsitzender bei Aventis soll dann Igor Landau werden.

Die Veränderungen zielen darauf, die operative Führung des Aventis- Pharmageschäfts stärker im Vorstand der Aventis S.A. zu verankern. Die bisherigen "Executive Committees" auf Konzernebene und bei der Tochter Aventis Pharma AG werden nach den Worten Dormanns damit auf den Prüfstand kommen.

Der organisatorische Umbau des Konzerns, der 1999 aus der Fusion von Hoechst und Rhone-Poulenc entstand, ergibt sich aus der Strategie der zurückliegenden Jahre. Mit der Trennung von fast allen Industrie-Beteiligungen wandelte sich Aventis zu einem nahezu reinrassigen Pharmahersteller. Der letzte Schritt auf diesem Weg wird in den nächsten Monaten mit dem bereits vereinbarten Verkauf der Agrosparte an den Bayer - Konzern vollzogen.

Die bisherige Holdingstruktur beim drittgrößten Arzneimittelhersteller in Europa ist damit obsolet geworden. Um den Konzernaufbau zu vereinfachen will Aventis nun unter anderem die Hoechst AG komplett eingliedern. An ihr halten außenstehende Aktionäre bisher noch etwa 2,4 % der Anteile. Aventis wird nach Aussage Dormanns voraussichtlich im Laufe des Jahres von der Möglichkeit eines zwangsweisen Ausschlusses der Minderheitsaktionäre gegen Barabfindung (so genanntes Squeeze-out) Gebrauch machen. Voraussetzung dafür sei, dass sich die Bewertung in einem vernünftigen Rahmen bewege.

Die Hoechst AG spielt in der Aventis-Organisation zwar keine Rolle mehr. Sie bildet juristisch gesehen aber eine Zwischen-Holding, die den Löwenanteil der Aventis-Pharma-Aktivitäten hält, darunter auch die Aventis Pharmaceuticals Inc. in den USA. Auf Basis des aktuellen Kurses wird Hoechst an der Börse mit mehr als 30 Mrd. Euro bewertet. Die Abfindung der freien Aktionäre dürfte auf dieser Basis gut 700 Mill. Euro kosten.

Der geplante Umbau der Organisation wird mit dem am Mittwoch neuformierten Vorstand bereits vorgezeichnet. Dem künftig siebenköpfigen Aventis- Vorstand werden neben dem neuen Vorsitzenden Igor Landau und seinem Stellvertreter Horst Waesche künftig auch Pharma-Chef Richard Markham als "Chief Operating Officer" und Pharma Forschungschef Frank Douglas angehören. Aus dem bisherigen Executive Committee von Aventis Pharma rücken außerdem Thierry Soursac (Commercial Operations) und Oldenburg (General Counsel) in den Aventis-Vorstand auf. Patrick Langlois bleibt Finanz-Vorstand.

Dormann betont, dass mit dem Umbau keinerlei Strategiewechsel verbunden sei. Ziel bleibe es, durch innovative Produkte und starkes Marketing den Wert des Konzerns weiter zu steigern. Mit einem Pharmaumsatz von 17,6 Mrd. Euro gehört Aventis zu den wachstumsstärksten Firmen der Branche. Management und Analysten rechnen auch für die nächsten Jahre mit zweistelligem Wachstum bei Umsatz und vor allem beim Ertrag.

Branchenkenner sehen daher für Pharmachef Markham mittelfristig eine noch stärkere Rolle bei Aventis. Die nächste Möglichkeit, dies auch im Vorstand abzubilden, dürfte sich zur Hauptversammlung 2004 bieten, wenn die Verträge der sieben Vorstandsmitglieder auslaufen. Dormann soll, ebenso wie sein Stellvertreter Jean-Rene Fourtou, für fünf Jahre in den Aufsichtsrat gewählt werden. Er will weiterhin "Hundert Prozent" seiner Kapazitäten Aventis widmen.

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