Zwangssparen für den Ruhestand
Altersvorsorge: Die Folgen eines Urteils

Das Bundesverfassungsgericht hat neue Spielregeln für die Besteuerung der Altersvorsorge gesetzt. Was Anleger beachten müssen.

Gesetzliche Renten müssen höher besteuert werden. Kaum hatte dieses Urteil der Verfassungsrichter Anfang des Monats das Licht der Öffentlichkeit erblickt, da gab Finanzminister Hans Eichel der Reform einen Namen: nachgelagerte Besteuerung. Das bedeutet Steuerentlastung für die Vorsorgebeiträge in der Erwerbsphase und mehr Steuern im Ruhestand. Ein System, das es bisher nur bei der neuen Riesterrente gibt.

"Die Geschichte wird für den Fiskus außergewöhnlich teuer", meint Professor Franz W. Wagner vom Lehrstuhl für betriebswirtschaftliche Steuerlehre in Tübingen. "Das ist das größte Reformvolumen aller Zeiten, denn die Rente ist die wichtigste Sparform."

Schon heute wird nur ein Teil der gesetzlichen Rentenversicherungsbeiträge aus versteuertem Einkommen geleistet. Die Arbeitgeberbeiträge und der Staatszuschuss zur Rentenversicherung sind steuerfrei. Rentenversicherungsbeiträge kann der Arbeitnehmer bis zu bestimmten Höchstbeträgen als Sonderausgabe von der Steuer setzen.

Doch wie hoch die Steuerentlastung für die Jungen und die Mehrbelastung für die Alten ausfallen wird, darüber schweigt sich Bundesfinanzminister Eichel noch aus. Beruhigt sein können wohl nur die Rentner, die außer der Sozialversicherungsrente im Ruhestand rein gar nichts zu erwarten haben: "Die Masse der Renten soll weiterhin steuerlich nicht belastet werden", heißt es aus Berlin.

Sonstige Einkommen gewinnen neben der Rente an Bedeutung

"Man beachte, dass von Renten und nicht von Rentnern die Rede ist", kommentiert Dr. Reinhold Schnabel vom Deutschen Institut für Altersvorsorge. "In Zukunft werden sonstige Einkommen neben der Rente an Bedeutung gewinnen - zum Beispiel die Riester-Rente." Im Klartext: Es wird in Zukunft zahlreiche Rentner geben, die steuerlich zusätzlich belastet werden. Die müssen sich jetzt schon Gedanken machen, wie sie ihre Spar- und Anlagestrategie entsprechend anpassen können.

Bislang macht die gesetzliche Rentenversicherung bei Ein-Personen-Rentner-Haushalten fast 70 Prozent des Einkommens aus. Das ermittelte das Deutsche Institut für Altersvorsorge beim Vergleich mehrerer Studien: "Die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherer übersteigen die Vermögenseinkünfte der Seniorenhaushalte um mehr als das Sechsfache sowie die Leistungen der betrieblichen Altersvorsorge um mehr als das 13fache." Ein im Mai 2001 vorgestellter internationaler Vergleich kommt sogar zu der Aussage, dass Zwei-Personen-Haushalte in Deutschland nach Ruhestandsbeginn zu 85 Prozent durch die erste Säule der Altersversicherung - also die gesetzliche Rentenversicherung - versorgt werden.

Der hohe Anteil am Altersvorsorgevermögen ist allerdings nicht auf die Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung zurückzuführen. Die Sparleistung ist nicht freiwillig, und sie rentiert sich schlecht - das ist vor allem die Folge der Überalterung der Gesellschaft. "Die Einzahlungen in die Rentenversicherung haben für junge Leute heute keine Verzinsung. Sie bekommen im Ruhestand höchstens heraus, was sie eingezahlt haben", kritisiert Wagner.

Beim Zwangssparen für den Ruhestand wird es aber bleiben. Anders als bei der Gesetzlichen Krankenversicherung haben nicht einmal Angestellte, deren Gehalt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegt, die Möglichkeit zum Ausstieg. "Das Zwangssparen wird privilegiert", behauptet Wagner sogar bei der Analyse des Urteils. "Kontensparern geht es im Vergleich deutlich schlechter. Die aus voll versteuertem Einkommen angesammelten Erträge werden durch den Fiskus und die Inflation oft völlig vernichtet", rechnet er zum Vergleich vor.

Fazit für den Anleger: Weil im Alter die magere gesetzliche Rente versteuert werden muss, sollten die private und betriebliche Altersvorsorge entsprechend aufgestockt werden. Falsch wäre es hingegen, die künftigen Steuererleichterungen in der Ansparphase einfach zu verfrühstücken.

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