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Zwanziger droht im Streit mit Klinsmann mit Rücktritt

Aus der Diskussion um das WM-Quartier ist ein Grundsatz-Streit zwischen Bundestrainer Jürgen Klinsmann und der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) um Kompetenzen und Rechte geworden.

dpa RUST. Aus der Diskussion um das WM-Quartier ist ein Grundsatz-Streit zwischen Bundestrainer Jürgen Klinsmann und der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) um Kompetenzen und Rechte geworden.

So energisch Klinsmann seit zwei Wochen auf eine Entscheidungsfreiheit pocht, so konsequent weist ihn Theo Zwanziger in die Schranken. Der derzeitige Schatzmeister und künftige geschäftsführende Präsident des Verbandes spricht gar von möglichen persönlichen Konsequenzen. "Der Trainerstab kann sich nicht zum Präsidium des DFB machen. Das mache ich nicht mit, dann höre ich lieber auf", sagte Zwanziger in einem dpa-Gespräch.

Der DFB war allerdings sichtlich bemüht, die Wogen zu glätten. Die Aussage sei "so nicht gemacht" worden, hieß in einer Presseerklärung. Ohnehin habe es sich nur um ein "Hintergrund-Gespräch" gehandelt. Tatsächlich hatte der DFB-Spitzenfunktionär in dem rund 30-minütigen Gespräch die umstrittene Aussage so getroffen und keinerlei Einschränkungen über die Veröffentlichung von Inhalten gemacht.

Zwanziger betonte, er stehe voll hinter Klinsmann und dessen Bemühen, die DFB-Auswahl mit Reformen wieder international konkurrenzfähig zu machen. "Ich habe volles Verständnis dafür, wenn er etwas ändern will. Ich bin auch zu fast allem bereit, um die Vorbereitung für die Nationalmannschaft auf die WM zu optimieren. Und wenn eine neue Quartier-Lösung 300 000 Euro mehr kostet als die bisherige, bin ich auch dazu bereit", unterstrich der langjährige Funktionär: "Aber der Weg muss eingehalten werden: Jürgen Klinsmann muss mit einem neuen Konzept kommen, und wir entscheiden darüber."

Klinsmann hatte zuletzt wiederholt erklärt, dass er sich nicht an die vom DFB und Bayer Leverkusen getroffene Vereinbarung, während der WM 2006 in der Bayarena zu trainieren, gebunden fühlt. Mit diesem Anspruch auf das letzte Wort überschreite er eindeutig seine vertraglich geregelten Kompetenzen, entgegnete Zwanziger. Die sehen vor, dass der neue Chefcoach zwar die sportliche Verantwortung für die Nationalmannschaft hat, aber dem DFB-Präsidium unterstellt ist.

So müsse er sich gravierende Ausgaben von Zwanziger als Schatzmeister und einschneidende Maßnahmen von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder genehmigen lassen. "Ich war ja an der Ausarbeitung des Vertrages beteiligt. Da ist alles klar geregelt worden, auch die Grenzen", so Zwanziger. Eine solche Grenze sei erreicht, wenn "eine bestehende vertragliche Abmachung des DFB" außer Kraft gesetzt werden soll. "Der DFB ist ein uneigennütziger Verein mit einem demokratisch gewählten Präsidium. Der DFB steht auch für Wertschätzung, und einer dieser Werte ist Verlässlichkeit", betonte Zwanziger. Diese Grundsätze dürften nicht für ein zeitlich begrenztes "Projekt Klinsmann" aufgegeben werden: "Über diese Schwelle gehe ich nicht."

Wie die festgefahrene Lage zwischen beiden Parteien gelöst werden kann, ohne dass jemand sein Gesicht verliert, ist offen. Zwischen ihm und Mayer-Vorfelder gebe es "eine völlige Meinungsübereinstimmung", sagte Zwanziger. Der derzeit noch allein amtierende DFB-Chef, der sich das Amt nach dem Bundestag am 23. Oktober in Osnabrück mit Zwanziger als Doppelspitze teilen muss, hat im immer schärfer werdenden Konflikt bisher eine zurückhaltende und auf Konsens bedachte Haltung eingenommen und für einen runden Tisch plädiert.

Auch Zwanziger hält ein Treffen für überfällig. Denn der "erste Reibungspunkt", wie er den Quartier-Streit nennt, hat bedenkliche Bruchstellen im DFB-Apparat offen gelegt. Vier Wochen vor dem Bundestag und knapp 21 Monate vor der WM 2006 haben die wichtigsten Funktionsträger des deutschen Fußballs noch nicht mal eine gemeinsame Sprachregelung, geschweige denn eine gemeinsame Linie gefunden. Es müssten Regeln und Kompetenzen besprochen werden, meinte Zwanziger. Ein Termin dafür steht jedoch aus. Klinsmann ist in seine kalifornische Wahlheimat geflogen und kehrt erst Mitte nächster Woche zurück. Für ihn sind erst einmal genug Worte gewechselt worden: "Ich will in der Öffentlichkeit zu diesem Thema nichts mehr sagen."

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