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Zwanziger will keine Kraftprobe Amateure - Profis

Theo Zwanziger will durch intensive interne Verhandlungen die drohende offene Kraftprobe zwischen Amateuren und Proficlubs beim DFB-Bundestag in Osnabrück noch abwenden.

dpa FRANKFURT/MAIN. Theo Zwanziger will durch intensive interne Verhandlungen die drohende offene Kraftprobe zwischen Amateuren und Proficlubs beim DFB-Bundestag in Osnabrück noch abwenden.

"Wir werden daran arbeiten, dass es zu guten Kompromissen kommt", kündigte der designierte neue geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an. Das Wichtigste sei dabei der neue Grundlagenvertrag zwischen dem DFB und der Liga, der laut Zwanziger noch in den nächsten Tagen ausgearbeitet werden soll. Zunächst war in der DFB-Zentrale in Frankfurt (Main) ein vorentscheidendes Spitzengespräch zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und der Verbandsspitze angesetzt.

Zwanziger zeigte sich zuversichtlich, dass in den strittigen Fragen zur Regionalliga, zum DFB-Pokal und vor allem zur Geldverteilung zwischen Liga und DFB bis zur offiziellen Eröffnung des Bundestages am 22. Oktober "kluge Lösungen" präsentiert werden können. "Ich bin wirklich hoffnungsvoll, dass wir dem Präsidium einen Vorschlag zum Grundlagenvertrag unterbreiten können, der von der Liga genauso unterstützt wird wie von den Amateuren", erklärte der 59-Jährige in einem dpa-Gespräch.

Den Forderungen der Proficlubs nach zusätzlichen finanziellen Zahlungen möchte Zwanziger nachkommen, indem er künftig eine 50-prozentige Teilung des DFB-Gewinns aus Welt- und Europameisterschaften anbietet. Dieser Überschuss betrug bei der WM 2002 und der EM 2004 jeweils rund zwei bis drei Mill. Euro, doch für die WM 2006 in Deutschland gibt es drastische Preisgelderhöhungen durch den Weltverband Fifa und geringe Reisekosten für den DFB.

Bisher profitierte die Liga an der TV-Vermarktung der Nationalmannschaft pauschal mit 25 Prozent, was jährlich rund 8,5 Mill. Euro entspricht. Zusätzlich will der Verband neben den Nationalspielern auch die U 21-Akteure mit einem insgesamt "guten siebenstelligen Betrag" versichern. Auf der anderen Seite überweist die Bundesliga drei Prozent der TV-Einnahmen (rund 12,7 Mill. Euro) an den DFB, so dass Zwanziger bei den Geldströmen derzeit von einem "Null-Geschäft" sprach. Die Liga aber will mehr.

"Wenn wir einen Kompromiss wollen, müssen wir auch die Interessen des Profifußballs sehen", betonte Zwanziger, der gemeinsam mit dem bisherigen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder in Osnabrück als "Doppelspitze" des größten Sportfach-Verbandes der Welt installiert werden soll. Die dafür notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit gilt als sicher.

Konflikte zwischen Amateurlager und Profis sind jedoch in einigen der 142 Anträgen besonders deutlich: Die Amateure wollen, dass die zweiten Mannschaften der Profivereine künftig vom DFB-Pokal ausgeschlossen werden. Außerdem fordern sie eine Limitierung dieser zweiten Mannschaften für die dritte Liga (nicht mehr als zwölf) und eine Begrenzung von Jungprofis in den Bundesliga-Nachwuchsteams. "Diese Nahtstelle ist offen, sie muss zugenäht werden", betonte Zwanziger.

Auf die Zustimmung der Profis ist Zwanziger beim Bestreben um eine Ausländerbegrenzung angewiesen. Künftig sollen in der 1. Liga nur noch vier und in der 2. Liga nur noch drei statt bisher jeweils fünf Ausländer aus Nicht-EU-Staaten auf dem Spielberichtsbogen stehen. Dies könnte das Profilager mit Sperrminorität verhindern, wovon der DFB-Schatzmeister aber nicht ausgeht.

Nur in einem Punkt ist laut Zwanziger eine Kampfabstimmung in Osnabrück kaum mehr zu verhindern. Um seine Nachfolge als Schatzmeister bewerben sich Heinrich Schmidhuber, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, und Wilfried Straub, Geschäftsführer der DFL. "Es geht nicht um Personen, sondern um Verbandsinteressen. Bei allem Bemühen um Ausgleich, das ich Herrn Straub überhaupt nicht abspreche, muss man sehen, wo kommt man her und was hat man vorher gemacht", meinte Zwanziger. Während Straub als DFL-Geschäftsführer besondere Bindung zum Profilager hat, ist Schmidhuber ein Mann der Basis.

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