Zwei Anleihen geplant
Allianz präsentiert Rekordverluste

Der Allfinanzkonzern Allianz hat im dritten Quartal 2002 den höchsten Quartalsverlust seiner Geschichte verbucht und erwägt, zur Stärkung des Eigenkapitals zwei Anleihen auszugeben. Für den Rest des Jahres rechnet der Konzern mit einer deutlichen Ergebnisverbesserung.

HB/rtr/dpa MÜNCHEN. Das Unternehmen teilte am Donnerstag in München mit, in einem sehr schwierigen Marktumfeld sei im dritten Quartal ein Fehlbetrag von 2,5 Milliarden Euro entstanden, nach 46 Millionen Euro im dritten Quartal des Vorjahres. Damit lag der Fehlbetrag deutlich über den Schätzungen der von Reuters befragten Analysten, die im Durchschnitt 1,66 Milliarden Euro Verlust erwartet hatten. Die Spanne der Schätzungen der Analysten für den Quartalsverlust reichte von 828 Millionen Euro bis zu 2,79 Milliarden Euro. Nach Angaben der Allianz trug die im vergangenen Jahr übernommene Dresdner Bank im Quartal mit 972 Millionen Euro zum Konzernverlust bei.

Angesichts der massiven Kursverluste an den Börsen wird die Allianz die Überschussbeteiligung bei ihren Lebensversicherungen senken. "Über die genaue Höhe werden wir bis Jahresende entscheiden", sagte Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle am Donnerstag in München. Derzeit liegt die Überschussbeteiligung bei 6,8 Prozent. Von der Senkung sind bis zu sieben Millionen Kunden betroffen, die insgesamt neun Millionen Verträge abgeschlossen haben.

Die Allianz wird durch eine Reihe von Faktoren belastet: Neben der Restrukturierung und den Ertragsproblemen der Tochter Dresdner Bank sind es vor allem die schwachen Kapitalmärkte, die dem größten institutionellen Investor in Europa zu schaffen machen. Außerdem hatte die Allianz mit Schäden durch die Hochwasser-Katastrophe im August und drohenden Asbest- und Umwelt-Haftpflichtschäden in den USA große Belastungen in der Versicherungssparte zu tragen.

"Der Tiefpunkt dürfte hinter uns liegen", teilte Vorstandschef Henning Schulte-Noelle mit. Für den weiteren Jahresverlauf erwarte die Gruppe eine deutliche Ergebnisverbesserung. Ob aber schon im vierten Quartal die Gewinnschwelle erreicht werde, hänge von der Entwicklung der Aktienmärkte ab.

Zwei Anleihen geplant

Zur Stärkung des Eigenkapitals erwäge die Allianz die Emission von zwei Anleihen, hieß es. Eine der beiden Anleihen soll nachrangig sein. Außerdem soll den Genussscheininhabern der Umtausch ihrer Titel in Allianz-Aktien angeboten werden. Acht Genussscheine könnten in zehn Aktien getauscht werden.

Für die ersten neun Monaten nannte die Münchener Finanzgruppe mit den drei Tätigkeitsfeldern Versicherung, Bankgeschäft und Vermögensverwaltung einen Verlust von 924 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,32 Milliarden Euro in der Vorjahresperiode. Die Beitragseinnahmen stiegen den Angaben zufolge um 11,9 Prozent auf 61,5 Milliarden Euro, die für das Versicherungsgeschäft aussagekräftige Schaden-Kostenquote (combined ratio) betrug einschließlich hoher Flut- und Asbestbelastungen 106,7 Prozent. im vergangenen Geschäftsjahr hatte diese Quote bei 108,8 Prozent gelegen, bis 2004 soll sie auf 100 Prozent sinken. Diese Quote zeigt das Verhältnis des Aufwands für Schäden und für die Verwaltung zu den Beitragseinnahmen an.

An der Börse startete die Allianz-Aktie mit leichten Kursabschlägen in den Handel, drehte danach aber ins Plus. Kurz nach Handelsbeginn wurde die Aktie für gut 98 Euro und damit um etwa ein Prozent höher als zum Vortagesschluss gehandelt.

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