Zwei deutsche Strecken werben für Zuschlag
Transrapid schwebt weiter in den Köpfen

Noch sind zwei Bewerber im Rennen. Die Stadt Müchen und das Ruhrgebiet. Bis zum Juni 2002 soll nun in einer Machbarkeitsstudien geprüft werden, in welcher Region die Magnetschwebebahn gebaut werden darf.

ap MÜNCHEN. Mehr als zwei Mrd. DM haben die Steuerzahler bis zum letzten Jahr für die Entwicklung des Transrapids aufgebracht. Doch dann platzte im Februar der lang gehegte Traum von Politikern und Unternehmern, Hamburg und Berlin mit der Magnetschwebebahn zu verbinden. Vom "Milliardengrab" war die Rede. Nach kurzer Zeit jedoch traten andere Bewerber auf den Plan: Insgesamt fünf Strecken in Deutschland wurden geprüft, und am Ende blieben zwei mögliche Strecken übrig: eine von der Münchner Innenstadt zum Flughafen im Erdinger Moos und die Ruhrstrecke - "Metrorapid" - zwischen Düsseldorf und Dortmund.

Bis Juni 2002 soll nun in Machbarkeitsstudien geprüft werden, welche der beiden Strecken in Frage kommen, und wie teuer diese sind. Die Landesregierungen von Bayern und Nordrhein-Westfalen rühren schon seit Wochen kräftig die Werbetrommel für das Prestigeprojekt, und auch die Transrapid-Gesellschaft in Berlin fühlt sich im Aufwind. "Am liebsten sind uns natürlich beide Strecken", meint Sprecher Peter Wiegelmann. Schließlich gehe es auch darum, das bereits über 20 Jahre alte System nach etlichen Tests und Milliarden-Investitionen weiter zu verkaufen, möglichst auch im Ausland.

Bisher schwebt der Transrapid nur auf der Teststrecke im Emsland. Doch China möchte möglichst bald eine Schnellbahn von Shanghai zum Flughafen bauen und auch in den USA werden sechs Strecken geprüft. In Deutschland jedoch wird es, wenn überhaupt, wohl lange dauern, bis erstmals Fahrgäste mit dem Transrapid fahren werden. Nach der Machbarkeitsstudie ist erst einmal ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren nötig, das mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. Klagen von Anwohnern und Umweltschützern sind dabei kaum auszuschließen.

Der Vorsitzende der bayerischen Grünen, Jerzy Montag, spricht daher auch von einem "Projekt für Träumer und Fantasten", das weder praxistauglich noch wirtschaftlich sei. Ähnlich wie das Bayerische Finanzministerium fordert er eine Express-S-Bahn, die die Fahrzeit vom Hauptbahnhof zum Münchner Flughafen von rund 40 Minuten auf mehr als die Hälfte verringert. Diese koste nur einen zweistelligen Millionenbetrag und könne bis zur Fertigstellung des zweiten Flughafenterminals im Jahre 2003 betriebsbereit sein.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und Wirtschaftsminister Otto Wiesheu jedoch setzen sich Seite an Seite mit dem Vorsitzenden der bayerischen SPD für das Transrapid-Projekt ein. Schließlich bedeute es eine Stärkung des Hightech-Standortes Bayern sowie zahlreiche Arbeitsplätze, wie SPD-Oppositionsführer Franz Maget besonders betont. Nordrhein-Westfalens Landesvater Wolfgang Clement hat ebenfalls Gefallen gefunden an dem schnellen Gleiter, der zunächst zwischen den Rhein-Ruhr-Metropolen Düsseldorf und Dortmund verkehren soll. Wunschtraum ist gar ein Ring, der die Metropolen des Landes miteinander verbinden soll.



Clement will Transrapid bis zur Fußball-WM

Sein bayerischer Parteifreund Maget zeigt sich zuversichtlich, dass beide Strecken kommen werden. Schließlich sei dies auch das Bestreben der Bundesregierung: "Sie gehen nicht in Konkurrenz zueinander." Für München sprechen vor allem die geringeren Kosten. Das Investitionsvolumen betrage dort mit 2,9 Mrd. DM weniger als die Hälfte dessen, was der Metrorapid im Ruhrgebiet koste. Außerdem könne der Magnetgleiter in München mit durchschnittlich 220 Kilometern pro Stunde wesentlich schneller fahren als im Nordwesten. Die Fahrt zum Flughafen wäre dann in zehn Minuten möglich - mit höchstens einem zusätzlichen Halt am Messegelände in Riem.

Auf der knapp 80 Kilometer langen Strecke zwischen Dortmund und Düsseldorf sind mehr Zwischenstopps geplant - in Bochum, Essen, Duisburg und Ratingen. Die Baukosten schätzen die Experten auf rund 6,5 Mrd. DM. Im Endausbau mit der Anbindung des Flughafens Köln und dem Ring über Wuppertal/Hagen bis Dortmund dürfte der Metrorapid insgesamt 20 Mrd. DM verschlingen.

Wie die Finanzierungslücke zwischen den vom Bund zur Verfügung gestellten Geldern und den voraussichtlichen Gesamtkosten geschlossen werden soll, ist noch unklar. Das werde sich aus im Prüfverfahren ergeben, erklärte ein Sprecher des Düsseldorfer Wirtschaftsministeriums. Ministerpräsident Clement wünscht sich den Metrorapid bis zur Fußball-Weltmeisterschaft im Jahre 2006, die zum Teil in den Stadien an Rhein und Ruhr ausgetragen werden soll. Experten halten dies jedoch für nahezu unmöglich.

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