Zwei ehemalige Investmentbanker versorgen ihre Ex-Kollegen mit Koffein
Vom Handelsplatz zum Kaffeesatz

FRANKFURT. Bulle und Bär hat Thomas Wittenborg immer noch im Blick. Vom Fenster seiner Kaffeebar am Börsenplatz in Frankfurt schaut der ehemalige Investmentbanker geradewegs auf die Leittiere der Aktienmärkte. Und hin und wieder gießt der Mitgründer der Frazer Coffee GmbH früheren Kollegen aus den Handelsabteilungen der umliegenden Banken einen Espresso Macchiato ein.

Auslöser für den Branchenwechsel war eine schlechte Tasse Kaffee, bei der der Däne Wittenborg und sein amerikanischer Partner Peter Joos 1999 über ihre Zukunft nachdachten. Ihr Arbeitgeber, der in Eschborn ansässige Investmentfonds Unicorn Asset Management, hatte gerade pleite gemacht.

"In ganz Eschborn war keine gute Tasse Kaffee zu bekommen. Das brachte uns auf die Idee, selbst eine Kette von Kaffeebars in Frankfurt aufzumachen", so Wittenborg. "Die Deutschen trinken eine Menge Kaffee. Ein Konzept, das hohe Qualitätsstandards berücksichtigt, würde funktionieren."

Orientiert haben sich die Ex-Banker an Konzepten, die sie in London und den USA beobachtet hatten. Als besonders erfolgreich erwies es sich dort, "ein Luxusprodukt zu einem niedrigen Preis anzubieten, also hochqualitativen Kaffee entweder im Laden oder zum Mitnehmen zu verkaufen." Kenntnisse über die Qualität von Kaffee und Tee beschafften sie sich bei kleinen, unabhängigen Vertreibern.

Um ihre Idee umzusetzen, mussten die beiden Initiatoren zunächst in die eigene Tasche greifen. Im vergangenen Herbst hätten sich dann etwa 40 Investoren, darunter Freunde, Kunden und Kontakte aus ihrer Zeit als Investmentbanker, beteiligt. Die Investitionen für die erste Filiale und den Aufbau der Marke beziffert Wittenborg mit rund einer Million Euro. In die beiden weiteren Filialen hat Frazer noch einmal mehr als 500 000 Euro gesteckt.

Bestellungen über Bloomberg ersparen Wartezeiten

Anfänglich konzentrierten sich die Jungunternehmer weitgehend auf Banker und Wertpapierhändler, die ständig in Zeitnot und immer für einen Kaffee zu haben seien. Die drei Standorte mitten im Bankenviertel seien daher eine natürliche Wahl gewesen.

"Wir wollen Leute ansprechen, die regelmäßig an unseren Bars vorbeikommen und immer wieder reinschauen, wenn sie unsere Produkte mögen", erklärt Wittenborg. Mittlerweile wollen sich die beiden Gründer aber nicht mehr nur auf die Bankengemeinschaft beschränken und planen gerade eine Kaffeebar in Uni-Nähe.

Um sich von der Konkurrenz wie World Coffee oder Tchibo abzuheben, setzen Joos und Wittenborg auf schnellen Service und auf Qualität. Wer keine Zeit hat, sich in die Warteschlange einzureihen, die sich zu Spitzenzeiten schon einmal bildet, kann über das Bloomberg-Handelssystem vorbestellen und dann die Order abholen.

"Für diese Art von Kaffeegenuss ist noch viel, viel Platz in Deutschland", sagt ein Sprecher des Deutschen Kaffee-Verbandes trotz der rasanten Zunahme von Kaffeebars. Auf 250 bis 300 schätzt der Branchenkenner ihre Zahl in Deutschland. "Für etwa 1 000 solcher Läden ist Platz."

Amerikanische Coffe-Bars liegen im Trend

Vor drei Jahren habe es zwar italienische Espresso-Bars im Stil von Segafredo und Lavazza gegeben, die aber noch keinen richtigen Boom ausgelöst hätten. Erst mit der Einführung von amerikanischen Coffee-Bars sei ein Trend in Deutschland entstanden, der auch die Jugend wieder für Kaffee interessiere.

"Wir wollen groß werden", kündigt Frazer-Gründer Wittenborg entsprechend selbstbewusst an. Man strebe in fünf oder sechs größeren deutschen Städten jeweils etwa zehn Niederlassungen an. Auch die Ausweitung der Geschäfte auf Holland, Belgien, Frankreich, Skandinavien, Osteuropa und Russland sei nicht ausgeschlossen.

Während man in Deutschland das Konzept im Alleingang verwirklichen will, können sich Wittenborg und Joos für Länder wie Russland durchaus ein Franchise-System vorstellen. Es sei nicht schwierig, für die Expansionspläne Geldgeber zu finden. Im Gegenteil: "Neue private Investoren haben schon gefragt, ob wir nicht mehr Kapital aufnehmen wollen."

Den Break Even im Visier

Schon bis Jahresende wollen Wittenborg und Joos die zwölfte Filiale eröffnet haben und 60 bis 80 Mitarbeiter beschäftigen. Momentan arbeiten 25 Angestellte für Frazer. Denn zu Spitzenzeiten müssten vier bis sechs Mitarbeiter da sein, um das für Gewinne notwendige Volumen von 300 bis 400 Kunden täglich zügig bedienen zu können.

Nach 500 000 Mark im vergangenen Jahr peilen Wittenberg und Joos für dieses Jahr einen Umsatz von vier bis fünf Millionen Mark an und hoffen, im Laufe des Jahres die Gewinnschwelle zu überschreiten.

"Das größte Problem ist, dass in der realen Welt alles viel, viel länger zu dauern scheint als in der Bankenwelt", meint Wittenborg zu den Schwierigkeiten, mit denen die Gründer anfangs zu kämpfen hatten. "Und hart ist natürlich auch, dass wir das dicke Gehalt, das die Banken gezahlt haben, nicht mehr kriegen."

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