Zwei Fondsmanager im Gespräch
Substanz entscheidet

Sogenannte Wachstumswerte - also Aktien mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten von Umsatz und Gewinn - schneiden an den Börsen weltweit seit sieben Jahren deutlich schlechter ab als Substanzwerte. Ist nun die Zeit reif für eine Trendwende? Zwei Fondsmanager die idealtypisch für Vertreter der jeweiligen Strategien stehen im Gespräch.

Jens Moestrup Rasmussen ist Head of Equities der Investmentfondsgesellschaft Sparinvest und Fondsmanager des Global Value Fonds.

Seit sieben Jahren erzielen Anleger mit der Value-Strategie und Value-Aktien höhere Erträge als mit Wachstumswerten. Ist die Zeit reif für einen Trendwechsel?

Kurzfristig kann es durchaus sein, dass Growth-Aktien besser als Value-Aktien abschneiden. Langfristig, das zeigen Untersuchungen, hat die Value-Strategie die Nase vorne. Auch im Zeitraum zwischen 1975 und 2005 haben Substanzwerte höhere Renditen erwirtschaftet als Wachstumsaktien. Die Erfahrung zeigt ebenfalls, dass die Zeiträume kurz sind, in denen Growth-Werte Value-Werte übertrumpfen.

Gibt es bestimmte Branchen, die derzeit die Merkmale von Wachstumsaktien, aber zugleich akzeptable Bewertungen aufweisen?

Für uns ist jede Aktie - egal aus welcher Branche - grundsätzlich interessant, sofern der innere Wert eines Unternehmens mindestens 40 Prozent über dessen Marktwert liegt. Zu den größten Positionen in unserem Portfolio zählen derzeit Volkswagen, MAN und Sainsbury.

Ist die Kategorisierung in Substanzwerte und Wachstumswerte überhaupt noch zeitgemäß?

Unserer Meinung nach ist eine Kategorisierung von Growth und Value in bestimmte Branchen wenig sinnvoll. Das einzige was für einen Value-Investor wirklich zählt, ist der Preisabschlag. Solche Unternehmen finden wir in jedem Sektor - egal ob IT, Konsumgüter oder Gesundheit.

Anko Beldsnijder ist Fondsmanager des MainFirst avant-garde Stock Fund und gilt als "Growth-Spezialist".

Seit sieben Jahren erzielen Anleger mit der Value-Strategie und Value-Aktien höhere Erträge als mit Wachstumswerten. Ist die Zeit reif für einen Trendwechsel?

Ja, denn historisch schlug die Stunde wachstumsstarker Aktien, wenn sich das Gewinnwachstum der Unternehmen leicht abflachte. Das wird 2007 der Fall sein. Dann werden wieder Attribute wie attraktives Gewinnwachstum, Marktführerschaft und Shareholder-Value-Orientierung gefragt sein. Wir nennen diese Aktien "Quality Growth"-Aktien. Und für diese Werte beobachten wir einen Käuferstreik, der mit der Situation der Old-Economy-Aktien im Jahr 1999 zu vergleichen ist.

Gibt es bestimmte Branchen, die derzeit die Merkmale von Wachstumsaktien, aber zugleich akzeptable Bewertungen aufweisen?

Derzeit finden wir attraktive Werte in der Branche der Finanzdienstleister und inbesondere der Lebensversicherer, etwa Axa, Baloise, Allianz oder Zurich Financial.

Ist die Kategorisierung in Substanzwerte und Wachstumswerte überhaupt noch zeitgemäß?

Ja, denn die Frage ist nicht, ob sich die extreme Unterbewertung von Quality- Growth-Aktien auflöst, sondern wann, denn derzeit beobachten wir eine klare Anomalie: Aktien mit attraktivem Gewinnwachstum werden an der Börse mit einem Abschlag - wir beziffern ihn auf 40 Prozent - Aktien niedriger Qualität mit einem massiven Aufschlag gehandelt. Entweder klettert der Kurs der Qualitätswerte. Oder sie bleiben in einem schwachen Markt stabil - zu Lasten von Aktien niedriger Qualität.

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