Zwei Frauen und ein Mann starben zusammen mit dem Attentäter
Selbstmordanschlag in Israel

Bei dem Selbstmordanschlag eines vermutlich palästinensischen Terroristen sind am Sonntag in der israelischen Küstenstadt Netanja vier Menschen getötet und mehr als 60 zum Teil schwer verletzt worden. Der Attentäter zündete den mittelgroßen Sprengsatz, den er in einer Tasche bei sich trug, inmitten einer Gruppe von Menschen, die am Morgen an einem Fußgängerüberweg auf der Herzl-Straße im belebten Stadtzentrum warteten.

dpa NETANJA/JERUSALEM. Der Extremist riss zwei Frauen und einen 85-Jährigen mit sich in den Tod. Von der Wucht der Explosion wurde ein parkendes Fahrzeug in die Luft gerissen und mehrere umliegende Geschäfte verwüstet. Nach Polizeiangaben hatte der Attentäter zunächst versucht, in einen vollen Bus einzusteigen. Der Fahrer öffnete ihm jedoch nicht die Tür.

Dritter Anschlag in der Küstenstadt

Es handelte sich um den dritten Anschlag in der Stadt nördlich von Tel Aviv innerhalb der vergangenen zwei Jahre. Erst am Donnerstag hatte ein palästinensischer Extremist in einem Gruppentaxi in Nordisrael eine Bombe gezündet und dabei einen israelischen Fahrgast getötet.

Der scheidende israelische Ministerpräsident Ehud Barak sagte, der "innere Wille" seines Volkes werde trotz der Anschläge die Oberhand behalten. Der designierte Regierungschef Ariel Scharon meinte, Israel befinde sich in einer schwierigen Zeit und der Anschlag veranschauliche "die Notwendigkeit einer Regierung der nationalen Einheit".

Anschlag sei Teil des rechtmäßigen Widerstandes

Zunächst bekannte sich keine Gruppierung zu dem neuen Anschlag. Ein Sprecher der radikal-islamischen Hamas-Bewegung, Abdel Asis Rantisi, bezeichnete ihn jedoch vor Journalisten in Gaza als "Teil des rechtmäßigen palästinensischen Widerstandes gegen die israelische Besatzung" und als "Selbstverteidigung". Der militärische Arm von Hamas, Izzedin Al Kassam, hatte in einem Flugblatt angekündigt, zehn Selbstmord-Attentäter stünden bereit, Scharon bei dessen Amtsantritt mit Anschlägen zu begrüßen.

Ein Gericht in Netanja verbot die Veröffentlichung von Einzelheiten über die polizeiliche Untersuchung des Anschlags. Nach Rundfunkangaben wurden neun Palästinenser unter dem Verdacht festgenommen, bei seiner Vorbereitung geholfen zu haben. Nach der Explosion kam es zu Racheaktionen aufgebrachter Bürger gegen arabische Arbeiter. Dabei wurde in Netanja ein Palästinenser lebensgefährlich am Kopf verletzt.

Kritik des israelischen Verteidigungsministers

Der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Efraim Sneh warf der palästinensischen Autonomiebehörde vor, für den Anschlag verantwortlich zu sein, weil sie Terroristen auf freien Fuß gesetzt habe. Sneh sagte, er befürchte in der nahen Zukunft noch viele weitere Anschläge. Der ranghohe Berater des Palästinenser-Präsidenten Jassir Arafat, Nabil Abu Rudeineh, wies diese Vorwürfe zurück. Israel sei vielmehr selbst für die Spannungen und die Eskalation der Gewalt in den Palästinensergebieten verantwortlich. Der scheidende Sicherheitsminister Schlomo Ben-Ami warnte, die Situation in den palästinensischen Autonomiegebieten sei "sehr nah an der Anarchie und einem völligen Kontrollverlust".

Israelische Medien berichteten unterdessen am Sonntag, Scharon habe die 50-jährige Abgeordnete Limor Livnat von seiner Likud-Partei zur Nachfolgerin Ben-Amis erkoren. Dies wäre das erste Mal, dass eine Frau dieses Amt übernimmt.

Widerstand gegen Scharons Regierungsbildung

Scharons Bemühungen um eine rasche Regierungsbildung, die er bis Mittwoch abschließen will, sind allerdings auf unerwartet großen Widerstand gestoßen. Nahezu alle rechtsgerichteten und ultraorthodoxen Parteien, die Scharon in seine "Regierung der nationalen Einheit" aufnehmen will, drohten am Wochenende, sie würden unter den gegebenen Bedingungen den Beitritt zu einer großen Koalition mit dem Likud und der israelischen Arbeitspartei verweigern. Vor allem Scharons Verhandlungen mit der ultraorthodoxen Schas-Partei treten auf der Stelle.

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