Archiv
Zwei Geheimtipps

Jede Woche finden Sie hier Rezensionen aus der Handelsblatt-Redaktion.

Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2004, 8,90 Euro



Sie benötigen noch ein Buch fürs Stille Örtchen? Hier ist es. Wahlweise auch zu lesen in Bus und Bahn oder im Wartezimmer - das Lesehäppchen für Zwischendurch, für immer dann, wenn keine Zeitschrift zur Hand ist: "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" will ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache sein - und ist es auch. Bastian Sick entlarvt "Blahsprech" in Politik, Werbung und der Alltagssprache. Mit viel Witz widmet sich der Autor dem brutalstmöglichen Superlativismus, Bratskartoffeln und Spiegelsei sowie der Übermacht der-ierungen. Und weil das nicht nur lustig, sondern auch traurig ist, runden Erklärkästen mit Rechtschreibregeln die Sache ab. So halten wir kein Lehrbuch in Händen, aber doch ein lehrreiches - und können uns sogar auf dem Klo noch bilden. Thomas Ludwig

Dezsö Kosztolányi: Ein Held seiner Zeit - Die Bekenntnisse des Kornél Esti. Rowohlt Verlag Berlin, 303 Seiten, 19,90 Euro



Manche Bücher sind kleine Wunder. Der 1933 erschienene Roman "Ein Held seiner Zeit - Die Bekenntnisse des Kornél Esti" ist so ein seltenes Ereignis. In Ungarn gehört der Autor Dezsö Kosztolányi (1885 - 1936) zu den Klassikern der Moderne, doch nur wenige seiner Romane sind bislang auf Deutsch erschienen. Mit Kornél Esti hatte Kosztolányi sein Alter Ego erfunden, einen Draufgänger, der ihn, den braven Bürger, trefflich ergänzt. Dem Künstler Esti stoßen die unglaublichsten und absurdesten Erlebnisse zu. All das, was einem angepassten Mitglied der Gesellschaft nie unterlaufen darf. In 17 Kapiteln erzählt der Autor von Kindheit, Jugend und der ersten Liebe seines Helden, von dessen Reisen und einem wunderlichen Aufenthalt in Deutschland, bei dem ein schlafender Präsident die Hauptrolle spielt. Menschliche Schwächen und Eitelkeiten werden dabei so liebenswert und ironisch ausgebreitet, dass man sich auf jede der erstaunlichen Heldentaten Kornél Estis freut. Christina Viragh hat die geschliffene Sprache Kosztolányis in ein wunderbares Deutsch übertragen. Nach Sándor Márai und Antal Szerb ist Dezsö Kosztolányi jetzt die dritte Wiederentdeckung eines ungarischen Klassikers in Deutschland. Was mögen dort noch für Schätze liegen? Kerstin Schneider

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%