Zwei Gespräche mit Pakistans Machthaber
Powell telefoniert in Kaschmir-Krise mit Musharraf

Angesichts wachsender Spannungen im Konflikt zwischen Indien und Pakistan verstärken die USA ihre Vermittlungsbemühungen. US-Außenminister Colin Powell telefonierte während seiner Europareise mit Präsident George W. Bush am Donnerstag zwei Mal mit dem pakistanischen Machthaber Pervez Musharraf.

dpa WASHINGTON/NEW DELHI. Powell wollte nach Angaben von Außenamtssprecher Philip Reeker auch noch mit indischen Regierungsvertretern sprechen. Reeker machte keine Angaben über den Inhalt von Powells Gesprächen, wiederholte aber an beide Seiten seinen Appell zu Zurückhaltung.

Die USA hätten Verständnis für Indiens Empörung über die anhaltenden terroristischen Übergriffe, aber militärische Aktionen seien nicht die Antwort, erklärte Reeker. Eine Militäraktion in dieser Krise würde nur noch größere Probleme schaffen. Wichtig sei jetzt, dass das Eindringen radikaler Pakistaner nach Kaschmir ende. Nach US-Informationen sind von den 2000 im Januar während der letzten Krise in Pakistan inhaftierten Radikalen nur noch 800 in Haft. Indien wirft Pakistan vor, dass diese freigelassenen Radikalen inzwischen wieder in Kaschmir eingedrungen sind und dort Terroranschläge verüben.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan forderte wegen der alarmierenden Situation im geteilten Kaschmir Musharraf auf, Terrorakte entlang der indisch-pakistanischen Trennungslinie zu unterbinden. Musharraf müsse seine Versprechen erfüllen, die er in einer Rede am 12. Januar gegeben habe, erklärte am Donnerstag Annans Sprecher Fred Eckhard. Die USA mahnten zu Besonnenheit. Auch der russische Präsident Wladimir Putin und der britische Premier Tony Blair äußerten sich zutiefst besorgt über die gefährliche Eskalation der Spannungen zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan.

Delhi und Islamabad verstärkten weiter ihre militärische Präsenz in der Krisenregion. Auch am Donnerstag lieferten sich Indien und Pakistan heftige Schusswechsel entlang der Trennungslinie zwischen beiden Teilen Kaschmirs. Insgesamt stehen sich dort rund eine Million Soldaten gegenüber. Pakistan kündigte an, Streitkräfte, die bislang im Rahmen der von den USA geführten Anti-Terror-Koalition an der Grenze zu Afghanistan stationiert waren, würden an die Ostgrenze verlegt. Auch Soldaten aus Sierra Leone würden abgezogen, um sie an der Grenze zu Indien zu stationieren, teilte das Informationsministerium in Islamabad mit. Indien hatte am Mittwoch fünf Kriegsschiffe in die Nähe der pakistanischen Küste beordert.

Der indische Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee warf Pakistan erneut vor, mittels islamischer Rebellen im hauptsächlich von Moslems bewohnten indischen Bundesstaat Kaschmir und Jammu einen Stellvertreterkrieg geführt zu haben. Einen umfassenden Krieg wollte er nicht mehr ausschließen. Vajpayee bezichtigte Pakistan, nicht gegen den Terrorismus vorzugehen, sondern ihn zu unterstützen. "Versprechen, die gemacht wurden, sind nicht eingehalten worden." Gespräche mit Pakistan über die Kaschmir-Krise schloss Vajpayee deshalb aus.

Zuvor hatte der Ministerpräsident bei einem Treffen mit hochrangigen Militärs im kaschmirischen Srinagar eine Strategie verabschiedet, um das Einsickern islamischer Rebellen in den indischen Teil von Kaschmir zu verhindern. Zudem kündigte Vajpayee für Kaschmir und Jammu ein wirtschaftliches Hilfspaket mit einem Volumen von 61 Millionen Rupien (1,4 Millionen Euro) an.

Pakistan rechnet inländischen Medienberichten zufolge in seinem Teil Kaschmirs mit indischen Luftangriffen, die durch eine begrenzte Bodenoffensive unterstützt werden könnten. Militärs sagten, seit Beginn der Grenzgefechte vor sechs Tagen seien fünf Soldaten und 20 Zivilisten durch indischen Beschuss getötet worden. Musharraf warnte Indien, auch ein begrenzter indischer Angriff könne eskalieren. Pakistans Außenminister Abdul Satter forderte angesichts der "explosiven Situation" die Uno auf, Indien zu drängen, "den Verhandlungsweg zu wählen".

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