Zwei großen Pensionskassen wollen Aktienleihe stoppen
Hedge-Funds sehen Angriff auf ihre Branche gelassen

Zwei der weltweit größten Pensionsfonds wollen dem Kursverfall nicht länger zusehen. ABP und PGGM aus den Niederlanden verleihen bis auf weiteres keine Aktien mehr an Hedge-Funds, die diese verkaufen, um sie später zu einem niedrigeren Kurs zurückzuerwerben. Die Niederländer hoffen auf Zuspruch. Doch die Fondsbranche und die ins Visier genommenen Hedge-Funds bleiben Handelsblatt-Recherchen zufolge gelassen. Sie wollen weder ihre Strategie ändern, noch sorgen sie sich, künftig nicht mehr genug Aktien leer verkaufen zu können.

BRÜSSEL/FRANKFURT/DÜSSELDORF. "Uns ist es recht, wenn andere Gesellschaften keine Aktien mehr verleihen. Wir verleihen dann eben zu einem höheren Satz, und der Ertrag kommt unseren Fonds zugute", meint Eicke Reneerkens von Union Investment. Der für Aktienleihen verantwortliche Senior-Trader meint, dass die Entscheidung der niederländischen Pensionsfonds deren Anleger schädige, weil sie dadurch künftig weniger verdienten. "Bei unseren Fonds erzielen wir durch Aktienleihe teilweise so viel, dass große Teile der Managementgebühr finanziert werden. Das hilft den Fonds in der Wertentwicklung", meint Reneerkens.

Die Fondsmanager sehen keinen Widerspruch darin, Aktien ihrer Kunden an Hedge-Funds zu verleihen, die diese in Erwartung fallender Kurse verkaufen. "Hedge-Fonds haben nicht die Marktmacht, die ihnen oft zugeschrieben wird", meint Reneerkens. Studien belegen, dass Leerverkäufe durchschnittlich gut 1 % des Umsatzvolumens an der Börse ausmachen. Eine Untersuchung der britischen Finanzaufsicht FSA zeigt, dass an der Londoner Börse knapp 2 % des Umsatzes durch Leerverkäufe entstehen.

Bei der DWS sind Leerverkäufe nach Aussage von Carsten Böhme "nicht das Thema und nur ein Randgeschäft". Weniger als 1 % des Gesamtvolumens würden verliehen. "Die Niederländer wollen mit ihrem Vorgehen ein Zeichen setzen, um die nervösen Märkte zu beruhigen", meint DWS-Sprecher Böhme.

"Spekulieren nicht fördern"

ABP und PGGM berücksichtigen seit dem Wochenende keine Hedge-Funds mehr und verleihen den geschlossenen Fonds deshalb keine Aktien. Die Kursreaktionen seien oft extrem und nicht durch Fakten gerechtfertigt, heißt es bei ABP. "Spekulieren ist nicht falsch, aber dies wollen wir nicht fördern", sagte ein PGGM-Sprecher.

Die kritisierte Branche hält es zwar kurzfristig für verständlich, wenn Pensionskassen sich für eine Einschränkung der Wertpapierleihe entschieden. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, kaum ein Vermögensverwalter könne es momentan gegenüber seinen Kunden rechtfertigen, warum er für eine Leerverkauf-Leihgebühr von 0,5 % einen Kurssturz der Aktie von 3 % pro Tag riskiere. Doch insgesamt bleiben die Hedge-Funds gelassen. "Wir werten das Vorhaben der Kapitalsammelstellen, nicht mehr im bisherigen Ausmaß Aktien verleihen zu wollen, als neutral", meint Sy Schlüter, geschäftsführender Partner der Frankfurter Hedge Funds-Gesellschaft CAI. Wer sich diese Einnahmequelle verschließe, müsse sich über die Konsequenzen für das eigene Anlage-Ergebnis im Klaren sein, sagt Schlüter. Zudem sei der Wertpapierleihemarkt gerade in den 30 Dax-Werten so liquide, dass der Ausstieg einzelner Kapitalsammelstellen keinen großen Einfluss auf den gesamten Leihemarkt haben werde.

Sollte es tatsächlich zu Einschränkungen im Leihgeschäft kommen, würde der Mechanismus des gesamten Finanzmarktes in Frage gestellt und dem Aktienmarkt eine wesentliche Stabilisator-Funktion fehlen, warnt Wolfgang Stolz von UBS Warburg, einem der führenden Hedge-Fund-Akteure auf dem internationalen Kapitalmarkt. Auch er erwartet nach der konzertierten Aktion der Niederländer keinen größeren Einfluss auf das Geschäft der Hedge-Funds.

Stolz verteidigt die Branche vor der Anschuldigung, Hedge-Funds seien für die Baisse an den Börsen verantwortlich: "Hedge-Funds haben in der vergangenen Woche definitiv dazu beigetragen, den desolaten Markt zu stabilisieren." Viele große Funds hätten in jüngster Zeit nicht nur ihre Short-Positionen eingedeckt - die Spekulation auf sinkende Kurse also beendet -, sondern sogar Long-Positionen aufgebaut, also auf steigende Aktienkurse gesetzt. Bestätigt wird er durch Schlüter: "Wir sehen die Börse in einem positiven Licht und erwarten steigende Kurse."

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