Zwei Interessenten für UMTS-Netz
Mobilcom will Ansprüche an Schmid stellen

Die Büdelsdorfer Mobilcom AG zieht aus der privaten Insolvenz ihres Großaktionärs und ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schmid Konsequenzen: "Wir wollen unsere Forderung von mehr als 70 Mill. Euro beim Insolvenzverwalter anmelden", sagte Mobilcom-Chef Torsten Grenz dem Handelsblatt. Die Forderung stammt aus einem geplanten Aktienoptionsprogramm mit der Millennium GmbH, die Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram gehört.

lip/slo HAMBURG/DÜSSELDORF. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt im Zusammenhang mit dem Aktiengeschäft seit Januar gegen Schmid wegen des Verdachts der Untreue. Er soll ohne rechtliche Grundlage Geld der Büdelsdorfer Gesellschaft verwendet haben, um das Geschäft zu finanzieren.

Parallel dazu versucht der norddeutsche Mobilfunkanbieter weiterhin, sein UMTS-Mobilfunknetz zu verkaufen. Die Mobilfunkbetreiber E-Plus und O2 haben offenbar bereits seit längerem Interesse daran. Entsprechende Angebote lägen vor, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Büdelsdorfer Gesellschaft.

Die Parteien wollten das nicht kommentieren. Bei O2 hieß es lediglich: "Wir sind daran interessiert, so investitionsschonend wie möglich, ein UMTS-Netz aufzubauen." Die UMTS-Lizenznehmer in Deutschland müssen bis Ende dieses Jahres 25 % der Bevölkerung UMTS- Dienste anbieten können.

Branchenkreisen zufolge hat aber E-Plus ein Vorkaufsrecht auf die UMTS-Antennen von Mobilcom. Doch der Düsseldorfer Mobilfunker wolle ohnehin nur einen Teil des Mobilcom-Netzes übernehmen. Das gilt Kreisen zufolge auch für O2, so dass sich am Ende möglicherweise beide Interessenten das Mobilcom-Netz teilen könnten. Der Büdelsdorfer Mobilfunkanbieter verfügt über 900 fertiggestellte UMTS-Basisstationen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf will Mobilcom seine Schulden weiter reduzieren.

Ungeachtet der Angebote für das UMTS-Netz sucht Grenz weiterhin nach einem Käufer für die UMTS-Lizenz, für die Mobilcom mehr als 8 Mrd. Euro gezahlt hat. "Wir haben noch vier Wochen Zeit, nach einem Käufer zu suchen", sagte Grenz. Bisher hätten aber alle angeschriebenen Konzerne, zu denen die größten Telekommunikationsanbieter Europas und einige US-Anbieter gehörten, offenbar abgewunken, heißt es.

Sollte lediglich das UMTS-Netz veräußert werden, fällt die Lizenz an die Regulierungsbehörde zurück. Sie könnte dann erneut versteigert werden. Mobilcom macht sich offenbar Hoffnungen, die Einnahmen aus der Lizenz-Versteigerung zu bekommen. Denn nach Informationen des Handelsblatts prüft das Unternehmen, ob ihm in diesem Fall ein Teil des Geldes zusteht. Hierzu würden derzeit Gespräche mit der Telekom-Regulierungsbehörde geführt, verlautete aus den Kreisen. Grenz wollte das nicht kommentieren.

Mobilcoms Ausstieg aus dem UMTS-Geschäft ist ein Teil des Sanierungsplans, auf den sich das Unternehmen mit seinem Großaktionär France Télécom geeinigt hat. Der Mobilcom-Kurs stieg am Freitag um 8,23 % auf 3,25 Euro.

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