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Zwei Jahre auf Bewährung für Eltern des fast verhungerten Kindes

Die Eltern eines fast verhungerten Mädchens aus Bad Mergentheim (Baden-Württemberg) müssen nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Ellwangen verhängte eine zweijährige Bewährungsstrafe wegen schwerer Körperverletzung gegen den 59 Jahre alten Vater und die 55 Jahre alte Mutter.

dpa ELLWANGEN. Die Eltern eines fast verhungerten Mädchens aus Bad Mergentheim (Baden-Württemberg) müssen nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Ellwangen verhängte eine zweijährige Bewährungsstrafe wegen schwerer Körperverletzung gegen den 59 Jahre alten Vater und die 55 Jahre alte Mutter.

Der Vorsitzende Richter Hans-Jochen Neun sagte, die Eltern liebten ihre Tochter und hätten "es richtig machen wollen". Dabei hätten sie jedoch kläglich versagt. Staatsanwalt Ulrich Karst hatte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren für beide Eltern gefordert. Die körperlichen Schäden des Mädchens Erina seien wissentlich herbeigeführt worden.

Die heute gelähmte und fast blinde Erina war im vergangenen November ins Krankenhaus eingewiesen worden. Sie wog nur noch 21 Kilogramm. Ärzte kämpften tagelang um ihr Leben.

Die Eltern hatten im Prozess zunächst nicht ausgesagt. Am Freitagabend ließen sie ihre Anwälte eine Erklärung verlesen. "Wir hätten eher ärztliche Hilfe holen sollen. Hierfür fehlte uns jedoch die Kraft", hieß es darin. Sie hätten zudem Angst vor einem "nicht wieder gut zu machenden Vertrauensverlust" bei ihrer jüngsten Tochter gehabt, wenn sie gegen den Willen Erinas einen Arzt geholt hätten.

Der Richter bekannte, die Mittel des Strafrechts reichten in diesem Fall nicht aus. Das Gericht sei überzeugt davon, dass die Eltern durchaus erhebliche Persönlichkeitsstörungen aufweisen. Sie hätten Erina jedoch "nicht böswillig vernachlässigt".

Die beiden Schwestern Erinas hatten zuvor ihre Eltern vehement verteidigt. Sie sagten in der Verhandlung, die Eltern hätten sich sehr um Erina gesorgt. Doch sei ihre heute 16-jährige Schwester nicht zu überzeugen gewesen, zum Arzt zu gehen.

Der Tübinger Psychiater Peter Winckler beschrieb die fünfköpfige Familie als "hochgradig gestörtes System". Es gebe in dem Fall einen "großen Bereich des Unfassbaren". Er verglich die Familie mit einer "Sekte ohne Ideologie". Die Mitglieder der Familie seien nahezu "gleichgeschaltet gewesen".

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