Zwei Jahre nach dem Börsengang stellt die Multimedia-Agentur Insolvenzantrag
Kabel New Media ist pleite

Die Krise der Internetwirtschaft fordert ein weiteres prominentes Opfer: Die Multimedia-Agentur Kabel New Media hat am Montag einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Der Aktienkurs stürzte auf Rekordtief.

FRANKFURT/M. Die Hamburger Multimedia-Agentur Kabel New Media steht steht vor der Zerschlagung, wenn nicht ganz vor dem Aus. Das Oberlandesgericht Hamburg hat am Montag den Eingang eines entsprechenden Antrags auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens bestätigt. Bereits am Freitag hatte das am Neuen Markt notierte Unternehmen, dass derzeit noch rund 800 Mitarbeiter beschäftigt, einen vorläufigen Zahlungsstopp angekündigt. Begründet wurde dieser Schritt mit einem Scheitern von Gesprächen mit einem möglichen Geldgeber. Aufgrund zur Neige gehender Barreserven war der Internetdienstleister, der den Internetauftritt und die Umsetzung von E-Business-Projekte für Unternehmen plant und umsetzt, seit längerem auf der Suche nach einem Investor.

Allerdings gibt es Berichte nach denen unternehmensnahe Kreise bezweifeln, dass es überhaupt einen tatsächlichen Interessenten gegeben habe. Da der Kurs der Kabel-New-Media-Aktie bereits am Donnerstag eingebrochen war, hat das Bundesaufsichtsamt für das Wertpapierwesen (BAWe) eine Untersuchung auf möglichen Insiderhandel angekündigt. Am Montag stürzte das Papier, das in den Hochzeiten der Interneteuphorie bei 80 Euro notiert hatte, auf ein neues Rekordtief von unter 0,40 Euro.

Als Hauptgrund für das Scheitern von Kabel New Media sehen Experten die zu schnelle Expansion des Unternehmen in den vergangen zwei Jahren. "Mit rund einem Dutzend Übernahmen hat Unternehmenslenker Peter Kabel versucht ein Netzwerk der Entrepreneure zu schaffen", sagt Analyst Peter Barkow von HSBC Trinkaus. In dem Netzwerk sollten die einzelnen Unternehmen möglichst selbstständig unterschiedliche Bereiche rund um den Internetauftritt und E-Business-Projekte von Unternehmen anbieten. Dieses Modell des "One-stop-shopping" sieht Barkow als gescheitert an. Trotz einer Umstrukturierung ist es Kabel New Media nicht gelungen das operative Geschäft profitabel zu machen.

Allerdings steht Kabel New Media mit seinen Problemen in der Branche nicht alleine da. "Auch die Berliner Multimedia-Agentur Pixelpark könnte auf sich alleine gestellt derzeit nicht überleben", sagt Barkow. Doch der Mehrheitseigner Bertelsmann AG schießt halt immer Kapital nach.

Zudem gehört Kabel New Media nicht zu den Unternehmen, die zum Zeitpunkt ihres Börsengangs "unwahrscheinlich hohe Erlöse erzielt haben", so Barkow. So spülte der Gang an den Neuen Markt im Juni 1999 lediglich 23,4 Mill. Euro in die Kassen. Durch das Steigen der Aktienkurse konnten zwar die nachfolgenden Übernahmen in Form von eigenen Aktien bezahlt werden, doch der laufenden Kapitalbedarf der übernommenen Unternehmen belastete die Barreserven von Kabel New Media. Zuletzt bescherte die Insolvenz des Sportrechtevermarkters ISL noch einen Forderungsausfall in Millionenhöhe.

In einer am Nachmittag veröffentlichten Mitteilung will der Vorstand von Kabel New Media, der keine weitere Stellungnahme abgeben wollte, noch nicht alle Hoffnung begraben: Ziel sei es, "eine Lösung mit Erhalt von Arbeitsplätzen und Kundenbeziehungen darzustellen sowie die Erhaltung des gesunden Kerngeschäfts voranzutreiben". Zu den Kunden von Kabel New Media gehören Großkonzerne wie BMW, Karstadt, Dresdner Bank Lufthansa, ProSieben, McDonalds und der Pharmakonzern Roche.

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