Zwei Klagen schon in Revision
AWD droht Massenklage

Dem Finanzdienstleister AWD drohen weitere Schadenersatzklagen von Anlegern wegen des bis 1999 vertriebenen Dreiländerfonds.

Reuters HANNOVER. Eine Anwaltskooperation um den früheren Bundesinnenminister Gerhart Baum kündigte einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz des AWD gerichtliche Schritte von mindestens 200 Anlegern an, nachdem eine außergerichtliche Einigung nicht zu Stande gekommen sei. Grund sei eine fehlerhafte Anlageberatung beim Dreiländerfonds, hieß es in der Mitteilung vom Donnerstag.

AWD im Einzelfall zu außergerichtlicher Einigung bereit

Der AWD bezweifelte allerdings die genannte Zahl von potenziellen Klägern, zeigte sich aber gleichzeitig zu außergerichtlichen Einigungen bereit. Doch müsse hierfür jeder Fall einzeln geprüft werden. "Generelle Vergleiche, wie Herr Rechtsanwalt Baum sie fordert, weisen wir zurück", sagte AWD-Sprecher Folkert Mindermann. Der AWD habe in einigen Fällen bereits außergerichtlich Schadensausgleich gezahlt, über dessen Höhe das Unternehmen keine Angaben mache. Die bisherigen Gerichtsurteile seien sehr unterschiedlich ausgefallen, in mehreren Fällen zu Gunsten von AWD. Die Risiken seien im Rahmen der generellen Rückstellungen abgedeckt, sagte Mindermann.

Um den vom AWD und mehreren Dutzend anderen Anbietern vertriebenen Dreiländerfonds gibt es seit mehreren Jahren gerichtliche Auseinandersetzungen mit enttäuschten Anlegern. Der von der Stuttgarter Kapital Consult aufgelegte Immobilienfonds war als Anteilseigner des Musicalveranstalters Stella durch dessen Insolvenz in Schwierigkeiten geraten. Ausschüttungen blieben aus, der Wert der Fonds-Anteile sank erheblich.

In zwei Fällen wurde der AWD vom Oberlandesgericht Celle im vorigen August zu 64 000 ? Schadenersatz verurteilt. Dagegen hatte der AWD Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt, über die noch nicht entschieden ist. In vier Fällen seien Urteile zu Gunsten des AWD bereits rechtskräftig, sagte der AWD-Sprecher, darunter auch ein Urteil des OLG Celle aus der vorigen Woche.

Mittlerweile 400 Klagen anhängig

Als falsch wies AWD die Aussage Baums zurück, es seien mittlerweile 400 Klagen anhängig. Laut Mindermann liegen derzeit 50 Klagen mit einer Schadenssumme von 2,9 Mill. ? vor. Auch die genannte Zahl von 200 neuen Fällen sei gegenüber dem AWD nicht belegt worden. Aus AWD-Kreisen verlautete, Baums Düsseldorfer Partnerkanzlei Reiter habe bisher nur rund 30 Legitimationen vorgelegt.

Auch der AWD schließt Beratungsfehler im Zusammenhang mit dem Dreiländerfonds nicht mehr generell aus. Das OLG Celle kam im vorigen August in zwei Fällen zu dem Schluss, dass die jeweiligen AWD-Berater nicht ausreichend auf die mit der Anlage im Dreiländerfonds verbundenen Risiken hingewiesen hätten und ausschließlich diesen Fonds empfohlen, anstatt für eine Streuung der Anlagen zu sorgen. Der vom OLG zugebilligte Schadenersatz umfasste jedoch nur einen Teil des Anlagevolumens. Ausschüttungen und Steuerersparnisse wurden nicht eingerechnet.

Die im MDax notierte AWD-Aktie legte am Donnerstagnachmittag um mehr als vier Prozent zu auf 10,65 ?. Grund war die Ankündigung über den Rückkauf von gut 75 000 eigenen Aktien. Diese sollen nach AWD-Angaben im Rahmen eines Aktientausches zur vollständigen Übernahme der 2001 erworbenen deutschen Tochter Horbach eingesetzt werden. Mit den AWD-Aktien sollen die restlichen 13 % an Horbach erworben werden. Gekauft werden sollen die AWD-Aktien vom (morgigen) Freitag an. Der Kaufpreis werde nicht mehr als fünf Prozent über dem jeweiligen Eröffnungskurses eines Handelstages liegen, teilte AWD mit.

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