Zwei Listen für Aufsichtsrat
Pro Sieben Sat 1 will Genehmigung für Kapitalerhöhung

Die Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 will sich von seinen Aktionären für die nächsten fünf Jahre umfangreiche Kapitalerhöhungen genehmigen lassen, durch die dem TV-Konzern zu derzeitigen Kursen bis zu rund 480 Millionen Euro zufließen könnten.

Reuters FRANKFURT/M. Wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Einladung zur Hauptversammlung hervorgeht, soll die Hauptversammlung einer Erhöhung des Grundkapitals um bis zu 97,24 Millionen Aktien mit einem Nennwert von je einem Euro zustimmen. Zu den Kursen vom Mittwoch bei 4,96 Euro könnte sich der Konzern damit bis zu 480 Millionen Euro besorgen. Das muss aber nicht in einem Schritt geschehen. Denn die Ermächtigung soll für fünf Jahre bis zum 15. Juni 2008 gelten. Eine Erhöhung könne einmalig oder in mehreren Schritten erfolgen, hieß es in der Einladung.

Sprecher: Noch keine konkreten Pläne

Die Genehmigung der Kapitalerhöhung ist nach Angaben aus Finanzkreisen eine Bedingung für die geplante Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den US-Investor Haim Saban. Bisher war in den Kreisen von einer Kapitalerhöhung von zunächst rund 300 Millionen Euro die Rede gewesen. Ein Sprecher von Pro Sieben Sat 1 wollte diese Zahl nicht kommentieren. "Über die Schaffung des genehmigten Kapitals hinaus steht noch nichts fest", sagte er. Die Senderfamilie, die unter dem schwachen Werbemarkt leidet und für das erste Quartal 2003 einen Verlust erwartet, wolle durch den Schritt Flexibilität bei der Finanzierung erhalten.

Die im MDax-gelisteten Pro Sieben Sat 1-Aktien reagierten kaum auf die Ankündigung und notierten am Mittag unverändert bei 4,96 Euro. "Es war bekannt, dass ProSieben sich eine Kapitalerhöhung genehmigen lassen würde", erklärte WestLB-Panmure-Analyst Stefan Weiss die Gelassenheit der Marktteilnehmer. "Der Umfang ist schon ein bisschen größer als erwartet", fügte er hinzu. Aber da ProSiebenSat.1 die Kapitalerhöhung auf fünf Jahre verteilen könne, sei eine Bewertung ohne weitere Details nicht möglich.

Den Aktionären soll der Einladung zufolge bei einer Kapitalerhöhung ein Bezugsrecht in der Höhe ihrer jeweiligen Beteiligung eingeräumt werden. Ausgegeben werden sollen neue Stamm- und Vorzugsaktien entsprechend ihrem jetzigen Verhältnis. Unklar ist noch, ob sich der Großaktionär Axel Springer Verlag an einer Kapitalerhöhung beteiligen würde. Eine Sprecherin des Verlags wollte darüber keine Angaben machen.

Zwei Kandidatenlisten für Aufsichtsrat

Auf der Hauptversammlung am 16. Juni soll auch der Aufsichtsrat zum größten Teil neu besetzt werden. Wegen der bevorstehenden Übernahme der Gesellschaft durch Haim Saban würden acht der neun Aufsichtsräte ihre Mandate niederlegen.

Weil es aber nicht ganz sicher ist, ob die Übernahme bis Mitte Juni schon vollzogen werden kann, wurden zwei Kandidatenlisten veröffentlicht: Wenn der Erwerb durch den US-Medienunternehmer rechtzeitig unter Dach und Fach gebracht wird, soll Saban selbst in das Gremium einziehen, mit ihm unter anderem sein Bruder Arieh Saban, Chefunterhändler Adam Chesnoff, der TV-Entertainer Thomas Gottschalk und für den Springer Verlag der ehemalige ZDF-Intendant Dieter Stolte. Springer-Chef Mathias Döpfner wird sein AR-Mandat als einziger behalten.

Sollte sich das so genannte Closing noch weiter verzögern, werden zunächst unter anderem die Kirch Media-Sanierer Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems, Insolvenzverwalter Michael Jaffe und der frühere RTL-Chef Helmut Thoma in das Gremium einziehen.

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