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Zwei Mal Vollmond - Nächte zwischen Wissenschaft und Aberglauben

Hamburg (dpa) - Am Sonnabend ist Vollmond. Es ist bereits der zweite innerhalb eines Monats und damit ein relativ seltenes Ereignis. Viele Menschen klagen bei Vollmond über Schlaflosigkeit, und auf den Polizeirevieren häufen sich die Anrufe der «Mondsüchtigen». Je nach Fülle des Erdtrabanten schlagen die von seiner besonderen Kraft Überzeugten Holz oder greifen zur Haarschere.

Hamburg (dpa) - Am Sonnabend ist Vollmond. Es ist bereits der zweite innerhalb eines Monats und damit ein relativ seltenes Ereignis. Viele Menschen klagen bei Vollmond über Schlaflosigkeit, und auf den Polizeirevieren häufen sich die Anrufe der «Mondsüchtigen». Je nach Fülle des Erdtrabanten schlagen die von seiner besonderen Kraft Überzeugten Holz oder greifen zur Haarschere.

Die Zahl der Geburten, so behauptet der Volksmund, steigt bei vollem Mond an. «Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Vollmond und der Geburtenrate», sagt dagegen Edgar Wunder von der Gesellschaft für Anomalistik. Studien im In- und Ausland hätten einen Einfluss des Vollmondes auf menschliches Verhalten widerlegt. «Auch stimmt es nicht, dass es deshalb Komplikationen während Operationen gibt.» Der Chef der Allgemeinen Chirurgie der Universitätsklinik Hamburg- Eppendorf, Jakob Izbiki, respektiert allerdings den Wunsch seiner Patienten, nicht während Vollmond operiert zu werden. Er betont jedoch: «Ich persönlich halte nichts davon.»

39 Prozent deutschen Bevölkerung glauben, dass der Mond ursächlich ist für Schlafstörungen. «Bei derselben Umfrage haben aber auch 40 Prozent angegeben, an die Glück bringende Wirkung des vierblättrigen Kleeblatts zu glauben», sagt Jürgen Zulley. Der Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Universität Regensburg spricht vom «Placebo-Effekt», wenn «die Betroffenen beruhigt schlecht schlafen können, nur weil der Vollmond scheint». Auch Zulley ist davon überzeugt, dass die Mondphasen keinen Einfluss auf den Menschen haben. Bekannt ist, dass Helligkeit ein Störfaktor für den Schlaf sei. «Aber es braucht 2500 Lux, um einen Menschen beim Schlaf zu stören.» Bei Vollmond wurde nur eine Helligkeit von 0,2 Lux gemessen.

Als die «Mondpioniere» schlechthin gelten Johanna Paungger und Thomas Poppe. In ihrem Kalender mit Bauernregeln aus Tirol beschreibt das Ehepaar die geheimnisvollen Kräfte des Erdtrabanten. «Vom richtigen Zeitpunkt» avancierte zum Kultbuch. Rund 13 Millionen Exemplare, übersetzt in 22 Sprachen, wurden bislang verkauft. Ob fürs Einkochen, Waschen oder für den Zahnarztbesuch: für alles gibt es - laut Mondkalender - den richtigen Zeitpunkt. Quellen weist das Büchlein keine auf. «Wir haben das alles selbst ausprobiert, wir brauchen keine anderen Beweise», sagt Thomas Poppe. Seine Frau ist in Tirol auf einem großen Hof aufgewachsen. Gemäß den Mondphasen wurde der Garten umgegraben, Zäune gebaut und Warzen behandelt.

Es gibt Holzhauer, die verwenden für den Hüttenbau Holz, das bei abnehmendem Mond geschlagen wurde. «Das ist eisenstark und brennt schlecht», behauptet Poppe. Wissenschaftliche Untersuchungen haben keinen Qualitätsunterschied zu normal geschlagenen Bäumen entdeckt. Auf den Polizeirevieren herrscht in Vollmondnächten reger Betrieb: «Da rufen immer Leute an, die ein wenig gestört sind, und erzählen uns Geschichten», berichtet Polizist Jan Habben von der Davidwache in Hamburg-St. Pauli. Einmal wollte sich ein Verwirrter von der Brücke stürzen, weil «der Mann im Mond ihm das gesagt habe». Jan Habben und seine Kollegen haben ihn im Mondschein gerettet.

Der erste Vollmond dieses Monats war am 2. Juli, der nächste tritt 29 Tage später ein, am Samstag exakt um 20.05 Uhr. Den zweiten nennen die Amerikaner «Blue Moon» (Blauer Mond). Er glänzt jedoch ebenfalls gelb oder silbrig, keineswegs bläulich. Es ist dies eine volkstümliche Redensart, die auf die Seltenheit eines doppelten Vollmondes in einem Monat hinweist. «I will marry you, mlady, when the moon is blue», bedeutet sowie wie: Auf die Hochzeit kannst du lange warten, meine Liebe! Der nächste «blaue Mond» ist erst wieder im Juni 2007 zu erwarten.

Ein wirklich blauer Mond ist ebenfalls sehr selten zu sehen. Es gab ihn beispielsweise 1883 nach dem Ausbruch eines indonesischen Vulkans. Seine Asche wirkte in der Luft wie ein Filter und ließ den Mond blau erscheinen.

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