Zwei-Marken-Strategie wird aufgegeben
Arcor lässt Otelo vom Markt verschwinden

Die Telefongesellschaft Arcor wird künftig nur noch unter dem eigenen Namen Telekommunikationsdienste vermarkten. Die Tochtergesellschaft Otelo wird aufgelöst. Die Mitarbeiter werden in das Arcor-Geschäft integriert, das Netz wird verkauft. Arcor hofft dadurch, 90 Millionen Euro pro Jahr zu sparen.

dri BERLIN. Die zweitgrößte deutsche Festnetztelefongesellschaft Arcor AG&Co, Eschborn, wird das Tochterunternehmen Otelo auflösen und den 1,3 Millionen Otelo-Kunden künftig unter dem Namen "Arcor" Telekommunikationsdienste anbieten. Arcor-Chef Harald Stöber erwartet dadurch, ab dem Geschäftsjahr 2002 jährlich Kosten in Höhe von 90 Mill. Euro zu sparen. Er bestätigte damit gestern auf der Internationalen Funkausstellung entsprechende Zeitungsberichte.

"Die Zeiten, in denen sich ein Telekom-Unternehmen eine Zwei-Marken-Politik leisten kann", sind vorbei", sagte Stöber. Jährlich seien allein 40 Mill. Euro investiert worden, um die Marke Otelo zu erhalten. Weitere Kosten entstünden durch den Betrieb von zwei Netzen. Inzwischen gebe es auch nicht mehr verschiedene Zielgruppen bei Arcor und Otelo. Der Preisdruck in der Branche habe dazu geführt, dass die Preise einheitlich so niedrig seien, dass man sich nicht mit einer Billigmarke differenzieren könne.

Arcor hat Otelo vor zwei Jahren von den Energiekonzernen RWE und Veba übernommen. Stöber wollte Arcor mehr in Richtung gut zahlender Geschäftskunden ausrichten und Otelo auf weniger telefonierende Privatkunden. "Ich hatte geglaubt, dass solch eine Strategie vier bis fünf Jahre Sinn machen könnte", so Stöber. Der Markt habe sich aber anders entwickelt.

Otelo-Mitarbeiter werden übernommen

Dass künftig das ganze Unternehmen auf die Marke "Arcor" und nicht auf "Otelo" ausgerichtet werde, habe allein betriebswirtschaftliche Gründe. Bei gleich großer Kundenzahl sei Arcor für Geschäftskunden- und Datendienste besser aufgestellt. Zudem sei der Otelo-Umsatz im ersten Halbjahr um 47 Mill. Euro zurückgegangen. Das Wachstum bei Arcor habe dies nicht kompensieren können, so dass der gesamte Umsatz im ersten Halbjahr 2001 um 9 Mill. Euro auf 793 Mill. Euro gesunken sei, sagte Stöber. Auch für das Gesamtjahr rechnet er mit leicht rückläufigen Umsätzen.

Durch die Kostenersparnis erwartet Stöber, die Gewinnzone wie geplant im Jahr 2003 erreichen zu können. "Mit zwei Marken wäre das nicht möglich gewesen", sagte er. Einen Börsengang strebe das Unternehmen weiterhin an. "Allerdings glaube ich nicht, dass vor dem Ende des Jahres 2002 irgend eine Arbeit daran sinnvoll wäre", sagte er mit Blick auf die Lage an den Finanzmärkten.

Die Otelo-Mitarbeiter werden laut Stöber alle zum 1. Januar von Arcor übernommen, die Standorte Essen und Köln bleiben erhalten. Die Integration des Otelo-Vertriebs soll Arcor-Privatkunden-Vorstand Klaus Thiemann leiten, Otelo-Vertriebsgeschäftsführer Siegfried Römer verlässt das Unternehmen.

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