Zwei misslungene Fusionsversuche reichen
EMI setzt jetzt auf den Alleingang

EMI-Chairman Eric Nicoli ist optimistisch, dass das drittgrößte Musikunternehmen auch allein gut über die Runden kommen kann. Doch Investmentbanken senken nach dem Scheitern der Gespräche ihre Einstufungen.

HANDELSBLATT fmd LONDON. Die EMI Group Plc hat auch nach zwei misslungenen Fusionsversuchen keinen Anlass, Trübsal zu blasen. Das ist zumindest die Ansicht von Chairman Eric Nicoli. "Unsere Perspektiven sind gut, auch wenn die Branche weiterhin durch harten Wettbewerb geprägt sein wird", so Nicoli bei der Präsentation des Ergebnisses für das abgelaufene Jahr. In diesem Jahr wird nur mit einem geringen Branchenwachstum gerechnet. Erst im Jahr 2003, so der EMI-Chef, werde der Markt wieder deutlich anziehen.

Anfang Mai beendeten EMI und die Bertelsmann Music Group (BMG) ihre monatelangen Verhandlungen über eine Fusion, die Universal Music von Platz eins im weltweiten Musikgeschäft verdrängt hätte. Begründet wurde die Entscheidung mit wahrscheinlichen Auflagen, die die Brüsseler Wettbewerbshüter verhängt hätten.

Zweite Schlappe innerhalb von 16 Monaten

Das war bereits die zweite Schlappe für EMI innerhalb von nur 16 Monaten. Ebenfalls aus kartellrechtlichen Gründen scheiterte die 20 Mrd. $ schwere Fusion mit der US-Gesellschaft Warner Music, die EMI mit Kosten von 43 Mill. Pfund (umgerechnet rund 137 Mill. DM) belastete. Jetzt sieht Patrick Kirby, Analyst bei der Deutschen Bank, nur noch Chancen, auf Basis eines Gemeinschaftsunternehmens Kosten zu sparen. Im internetbasierten Musikvertrieb bleibt EMI Partner von BMG und AOL Time Warner. Alle drei Unternehmen setzen auf die Online-Dienste Musicnet und Napster.

Herabgestuft von "Strong Buy" auf "Buy"

Nach Beendigung der Gespräche mit BMG hat die Investmentbank UBS Warburg ihre Empfehlung für EMI von "Strong Buy" (starker Kauf) auf "Buy" (Kauf) herabgestuft. Entsprechend wurde das Kursziel von 650 Pence auf 525 Pence gesenkt. Ähnlich verfuhr Morgan Stanley Dean Witter, die ihr Kursziel von 581Pence auf 502 Pence herunterschraubten. Am Dienstag stieg die EMI-Aktie im Handelsverlauf um über 3% auf 455 Pence.

Aus eigener Kraft konnte EMI, das drittgrößte Musikunternehmen der Welt, seinen globalen Marktanteil im abgelaufenen Geschäftsjahr um 1,6 Prozentpunkte auf 14,1% ausbauen. Überdurchschnittlich hat dazu das Geschäft in den USA beigetragen, wo EMI erklärtermaßen weiteren Nachholbedarf hat. Hier hat das britische Unternehmen seinen Marktanteil von 9 % auf 10,8 % ausgebaut. Maßgeblich ist dies auf den phänomenalen Erfolg der Beatles-CD zurückzuführen, einer Sammlung von Hits der Band. EMI konnte sich vom fünften auf den vierten Rang im Musikmarkt der USA verbessern.

Raum für Verbesserung

"Dennoch bleibt hier Raum für Verbesserung", urteilt Nicoli. Die Voraussetzungen dafür wurden geschaffen. So konnte EMI kürzlich die Starsängerin Mariah Carey für eine Gage 17 Mill. Pfund verpflichten. Ziel von EMI ist es, in den USA bis zum Jahr 2003 auf einen Marktanteil von 15 % zu kommen. Mit den Musikern Spice Girls, Rolling Stones, Janet Jackson und den Beatles verfügt EMI über umsatzstarke Rechte.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte EMI den Umsatz um 12 % auf 2,67 Mrd. Pfund steigern. Der Betriebsgewinn legte noch stärker um 14,4% auf 333 Mill. Pfund zu. Zwar gehört EMI nach Ansicht Nicolis zu den effizientesten und profitabelsten Unternehmen der Branche, doch weiteres Sparpotenzial soll ausgeschöpft werden.

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