Zwei neue Dopingfälle
Lobinger präsentiert nackte Tatsachen

Der extravagante deutsche Stabhochspringer ist immer für eine Schlagzeile gut - so auch beim Weltfinale der Leichtathleten in Monte Carlo. Nach seinem Siegsprung legte er eine Striptease-Einlage hin.

HB MONTE CARLO. Von den zwölf deutschen Assen kassierte bei der WM-Revanche nur der Stabhochspringer vom ASV Köln 30 000 Dollar Siegprämie. Den zweiten Platz und 20 000 Dollar sicherte sich am Wochenende im schmucken Stade Louis II Speerwerferin Steffi Nerius (Leverkusen), ihr Kollege Boris Henry (Saarbrücken) bestätigte seinen dritten WM-Platz.

Insgesamt wurden an den zwei Wettkampftagen über drei Mill. Dollar an Prämien verteilt, das DLV-Dutzend nahm von der Mini-WM genau 100 000 Dollar mit. Mit nicht einmal 20 000 Zuschauern an den zwei Tagen und nur zwei Weltjahresbestleistungen durch Gail Devers (USA) mit 12,45 Sekunden im Hürdensprint sowie Hindernisläufer Saif Saeed Shaheen (Katar) in 7:57,38 Minuten blieb die Gala deutlich unter den Erwartungen.

Nach seinem perfekten Höhenflug über 5,91 m, der zum Sieg vor seinem Freund Okkert Brits (Südafrika/5,86 m) reichte, ließ Lobinger die Hose runter - aus Freude oder Frust: Sein zweiter Versuch über 5,86 m war ungültig, weil er die Latte mit der Hand zurückgedrückt hatte. Die 5,91 m nahm der WM-Fünfte auf Anhieb - und flippte dann aus. "Ich habe in diesem Jahr schon so viel schlucken müssen, da darf man schon mal explodieren", meinte Lobinger.

Zu "Welt-Leichtathleten des Jahres" 2003 kürten sich Südafrikas Hochsprung-Weltmeisterin Hestrie Cloete und Marokkos Mittelstreckenkönig Hicham El Guerrouj praktisch selbst. Denn bei der Premiere des "World Athletics Final" wurde die Sportlerwahl erstmals nach der komplizierten Punktwertung der IAAF entschieden. Das Bonus- System versteht dagegen jeder: Die Sieger sind jeweils um 100 000 Dollar reicher. Einen Beigeschmack hatte der Hattrick von El Guerrouj, der schon 2001 und 2002 Welt-Leichtathlet war: Der Marokkaner trat in Monaco nicht an und begründete dies mit einer Erkältung.

Die unter Dopingverdacht stehende, aber nicht gesperrte Doppel- Weltmeisterin Kelli White (USA) gewann die 200 m (22,32 Sekunden) locker und wurde am Sonntag über 100 m in 11,08 nur Vierte. Im Gegensatz zu ihren beiden WM-Goldmedaillen kann ihr die 37 000 Dollar Prämie keiner mehr nehmen. Kurios endete die WM-Revanche im 100-m- Lauf der Männer: Weltmeister Kim Collins (St. Kitts & Nevis) fand sich in 10,13 Sekunden nur auf Rang sechs wieder, während der WM- Sechste Bernard Williams (USA/10,04) triumphierte.

Unschlagbar bleibt in diesem Jahr Maria Mutola: In 1:59,59 Minuten gewann die 800-m-Weltmeisterin aus Mosambik ihr 18. Saisonrennen in Serie. Schon der Start hätte der 30-Jährigen indes gereicht, um die eine Million Dollar aus dem Golden-League-Jackpot endgültig auf ihr Konto zu buchen. "Ich bin so glücklich, die Saison mit einem weiteren Sieg zu beenden", sagte die Afrikanerin.

Zwei neue Dopingfälle und eine undichte Stelle im Pariser Kontroll-Labor haben die IAAF total verärgert. Die französische Sportzeitung "L'Equipe" hatte die WM-Fälle zwei und drei am Samstag enthüllt: Nach Sprinterin Kelli White (USA) sollen auch die A-Proben von Frankreichs 1500-m-Rekordmann Fouad Chouki und US-Hürdensprinter Chris Phillips positiv gewesen sein. "Wir sind total enttäuscht vom französischen Verband, den Fall in diesem Stadium bekannt zu machen", protestierte IAAF-Sprecher Nick Davies. Dies zeuge "von mangelndem Respekt gegenüber dem Athleten und dem Sport".

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