Zwei Piloten aus NRW unter den Opfern
119 Tote nach Flugzeugkollision in Mailand

Der Zusammenstoß eines startenden Passagierflugzeugs mit einem fehlgeleiteten deutschen Privatjet hat am Montag auf dem Flughafen Mailand Linate 119 Menschen in den Tod gerissen. Nach Angaben der italienischen Flugsicherheit geriet die deutsche Cessna 525 A mit 4 Insassen aus ungeklärter Ursache in dichtem Nebel auf die Piste, auf der die skandinavische Linienmaschine der Gesellschaft SAS mit 110 Menschen gerade volle Startgeschwindigkeit erreicht hatte und abheben wollte.

MALAND/BERLIN. Italienische und deutsche Behörden schlossen einen Terroranschlag aus. Fluglotsen in Mailand erklärten, das Bodenradar zur Verfolgung von Starts und Landungen sei schon seit einem Jahr ausgefallen. Dies könne bei der extrem schlechten Sicht zu der Tragödie beigetragen haben. Italienische Behörden sprachen von menschlichem Versagen. Die Staatsanwaltschaft eröffnete Ermittlungen wegen Fahrlässigigkeit.

Die zweistrahlige SAS-Maschine vom Typ MD 87 (Boeing/McDonnell Douglas) raste den Angaben zufolge nach dem Zusammenprall in einen Hangar für Gepäckabfertigung und explodierte. Nach zuletzt unbestätigten Informationen starben in dem Flammeninferno auch vier oder fünf Flughafenarbeiter. Alle der insgesamt 114 Insassen der beiden Maschinen starben. "Wegen extrem schlechter Sicht erkannten die Piloten die Gefahr zu spät und konnten eine Kollision nicht verhindern", sagte ein Sprecher der Flugsicherheit .

Warum die Cessna auf die falsche Landebahn geriet, war zunächst unklar. Unbestätigten Berichten zufolge habe der Pilot dem Tower einen falschen Standort angegeben, daraufhin habe die SAS-Maschine Freigabe für ihren Start erhalten.

"Die SAS-Maschine hatte auf volle Geschwindigkeit beschleunigt, der vordere Teil des Flugzeug hatte bereits von der Startbahn abgehoben", sagte ein Sprecher der italienischen Flugsicherheit. Für die Piloten war es jedoch zu spät, um einen Zusammenprall zu verhindern. Das SAS-Flugzeug kam nach Angaben der Behörden durch den Aufprall von der Startbahn ab, drehte sich zur Seite und prallte in den Hangar. "Dort brach die Maschine in 3 Teile", sagte ein Augenzeuge. "Ich hörte 3 schwere Explosionen, dann gingen das Flugzeug und der Hangar in Flammen auf."

Bilder von dem Unglück

An Bord der SAS-Maschine, die auf dem Weg nach Kopenhagen war, befanden sich 48 Italiener, 56 Menschen anderer Nationalitäten und 6 Besatzungsmitglieder; ob Deutsche darunter waren, wurde zunächst nicht bekannt. Der deutsche Geschäftsjet, der zuvor angeblich aus Köln gekommen war und in Richtung Paris starten wollte, wurde nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin von 2 Piloten aus NRW geflogen. Mit ihnen starben 2 Italiener.

"Ich sah brennende Arbeiter aus dem Hangar rennen», sagte ein Augenzeuge. Wegen des dichten Nebels konnten keine Rettungshubschrauber starten und landen. "Es waren noch Stunden nach dem Unglück Hilfeschreie von Überlebenden in den Trümmern zu hören», berichtete das italienische Fernsehen. Über 60 Leichen wurden vorübergehend in ein nahe gelegenes Gebäude gebracht.

Die Fluglinie SAS, die von Dänemark, Norwegen und Schweden gemeinsam betrieben wird, war im Sommer wegen einer ungewöhnlichen Häufung von Beinahe-Unglücken in Schlagzeilen geraten. SAS wies am Montag in Stockholm alle Vorwürfe von Sicherheitsmängeln vehement zurück. Drei Flugzeuge mit Spezialisten wurden nach Italien geschickt. Die Experten sollten die Ursache der Kollision klären und sich um die Angehörigen kümmern. Auf dem Kopenhagener Flugplatz Kastrup wurde ein Krisenzentrum für Betroffene eingerichtet. Angehörigen sollte auch der sofortige Flug nach Mailand ermöglicht werden.

Es war das bisher schwerste Unglück auf dem Flughafen Linate, der sieben Kilometer östlich von Mailand liegt und wegen häufigen Nebels berüchtigt ist. Linate gilt als Ausweichflughafen Mailands, der Hauptflughafen der Stadt ist Malpensa.

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