Zwei Tote und 15 Verletzte in Israel
Bombenanschlag in einer Einkaufsstraße

Bei einem Bombenanschlag in einer Einkaufsstraße im israelischen Kfar Saba hat ein vermutlich palästinensischer Selbstmordattentäter der Polizei zufolge einen Menschen mit in den Tod gerissen und 15 verletzt. Zum selben Zeitpunkt überstand Ministerpräsident Ariel Scharon am Montag im Parlament drei Misstrauensanträge.

Reuters JERUSALEM. "Am Tatort liegen zwei Leichen, eine davon ist die des Attentäters", sagte ein Polizist. "Wir schließen die (Parlaments-) Debatte in der bedrückenden Atmosphäre eines neuen Anschlags", sagte Kabinettsminister Danny Naveh den Abgeordneten. Diese stimmten mehrheitlich der Ernennung des früheren Armee-Chefs Schaul Mofas zum Verteidigungsminister zu. Mofas steht für einen harten Kurs gegenüber militanten Palästinenser und wurde im Anschluss an die Debatte vereidigt.

Die Bombe sei in einem Elektronikgeschäft explodiert, teilte die Polizei mit. "Es war der Anschlag eines Selbstmordattentäters", sagte der Polizist im Israel Radio. Die Stadt Kfar Saba liegt im Zentrum Israels rund zehn Kilometer von Tel Aviv entfernt. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. "Ich sah den Rauch von meinem Haus aus, das ganz in der Nähe steht", sagte ein Augenzeuge im israelischen Rundfunk. "Ich lief zu dem Platz, und ich sah die Umgebung des Geschäftes: Dort war viel Rauch, es stank gewaltig, und alle Fensterscheiben waren zu Bruch gegangen."

Vor Einkaufszentren, Restaurants und Cafes kontrollieren üblicherweise israelische Sicherheitskräfte mit Metalldetektoren die Kunden, bevor sie sie einlassen. Trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen kam es wiederholt zu Anschlägen. Zuletzt hatte ein palästinensischer Selbstmordattentäter am 21. Oktober mit einem mit Sprengstoff beladenen Auto einen Bus gerammt. 14 Menschen wurden getötet.

"Dies ist eine erneute Erinnerung daran, dass wir noch immer im Kampf mit dem kriminellen palästinensischen Terror sind", sagte Naveh im Parlament, der Knesset, mit Blick auf den jüngsten Anschlag.

Im Parlament überstand Scharon die Misstrauensanträge der Opposition und kann seine Suche nach neuen Koalitionspartnern fortsetzen. Das Scheitern der Misstrauensanträge war erwartet worden, nachdem die weit rechts stehende Partei Nationalunion-Jisrael Beitenu angekündigt hatte, ihre Fraktion werde sich der Stimme enthalten. Sie führt derzeit Koalitionsverhandlungen mit Scharon. Ihre sieben Abgeordneten könnten Scharon die Mehrheit wieder verschaffen, die er mit dem Austritt der Arbeitspartei aus der Koalition verloren hat. Die Alternative wären vorgezogene Wahlen.

Die Arbeitspartei des zurückgetretenen Verteidigungsministers Binjamin Ben-Elieser hatte die Koalition im Streit um den Staatshaushalt 2003 verlassen. Sie hatte vergeblich durchzusetzen versucht, dass Mittel für soziale Zwecke in Israel umgewidmet werden, die für die jüdischen Siedlungen in den Palästinenser-Gebieten vorgesehen sind.

Scharon hatte Mofas als Nachfolger von Ben-Elieser vorgeschlagen. Mofas hat die israelischen Militäraktionen gegen den seit mehr als zwei Jahren anhaltenden Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung geleitet. Seit Beginn dieser Intifada Ende September 2000 wurden mindestens 1645 Palästinenser und 623 Israelis getötet.

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