Zwei ungeklärte Todesfälle
Weiterer Lungenmilzbrand-Fall in USA

Mit dem zweiten bestätigten Fall von Lungenmilzbrand in einem Washingtoner Postamt hat die Bioterrorismus-Bedrohung in den USA am Montag eine neue Dimension erreicht. Der Tod von zwei weiteren Beschäftigten des Brentwood-Amtes wird wegen verdächtiger Umstände untersucht, teilte der Chef der Washingtoner Gesundheitsbehörde, Ivan Walks, mit.

ap WASHINGTON. Ermittelt werde zudem in neun weiteren Fällen. Walks sprach von einer alarmierenden Wende. "Jeder, der in den vergangenen elf Tagen im hinteren Bereich dieses Postamts gearbeitet hat, muss sofort herkommen und sich vorbeugend behandeln und untersuchen lassen", sagte er mit Nachdruck. Postsprecherin Deborah Willwhite sagte, in dem Brentwood-Postamt arbeiteten rund 2000 Beschäftigte. Sie appellierte an Journalisten, den Familien der unter verdächtigen Umständen gestorbenen Brentwood-Mitarbeiter Zeit zum Trauern zu lassen. Das Amt bleibe bis auf weiteres geschlossen.

Der Zustand des am Wochenende mit Lungenmilzbrand diagnostizierten Postangestellten stabilisierte sich unterdessen. Das sagte Postminister John Potter am Montag im Sender NBC. Das Kapitol in Washington wurde wieder geöffnet, die Bürogebäude von Senat und Repräsentantenhaus blieben aber weiter geschlossen. Die US-Post schloss die beiden Zweigstellen, in denen der an Lungenmilzbrand Erkrankte gearbeitet hatte. Potter kündigte an, die Sicherheit in den Postverteilzentren werde erhöht. Noch sei unklar, wie der erkrankte Postmitarbeiter in den Kontakt mit den Milzbrand gekommen sei und wieso sich bei ihm die gefährliche Form des Lungenmilzbrands entwickelt habe. Früher sei das Einatmen von Milzbranderregern in 80 Prozent der Fälle tödlich gewesen, erklärte der Leiter der Bundesgesundheitsbehörde, David Satcher. "Aber das war damals. Heute haben wir andere Möglichkeiten", sagte er im Sender CNN. "Es ist nicht hoffnungslos."

Bei den Postangestellten handelt es sich um den zehnten bestätigten Fall einer Milzbrand-Erkrankung und den vierten mit dem gefährlichen Lungenmilzbrand, an dem bereits ein Fotojournalist in Florida starb. Die anderen sechs infizierten sich über die Haut und leiden damit an einer weniger gefährlichen und leichter behandelbaren Form der Krankheit.

In New York wurde am Montag das Büro von Gouverneur George Patakis nach fünf Tagen wieder geöffnet, das nach einem ersten positiven Milzbrand-Test geschlossen wurden. Alle folgenden Milzbrand-Tests fielen negativ aus.

Unterdessen tauchte auch auf den Bahamas ein offenbar mit Milzbrand-Erregern verseuchter Brief auf. Erste Tests seien positiv ausgefallen, erklärten die Behörden des Karibikstaates am Sonntag. Weitere Untersuchungen der US-Gesundheitsbehörde CDC stünden noch aus. Das Schreiben, aus dem weißes Pulver rieselte, wurde den Angaben zufolge am Dienstag in einem Postamt in Nassau entdeckt. Es sei mit einer inländischen Briefmarke frankiert gewesen. Die Postmitarbeiter wurden vorsichtshalber mit Antibiotika behandelt.

Ermittlungen nach Sprühflug über Mississippi-Booten

Die US-Bundespolizei FBI hat unterdessen Ermittlungen aufgenommen, nachdem ein Flugzeug zwei Boote auf dem Mississippi mit einer noch nicht bekannten Substanz besprüht hatte. Die Besatzung eines Schleppers wurde den Behörden zufolge vorsorglich mit Antibiotika gegen Milzbrand-Infektionen behandelt. Nach den Touristen auf einem zweiten Boot wurde noch gesucht. Die Behörden vermuten allerdings, dass es sich bei der verteilten Substanz um ein für Menschen ungefährliches Entlaubungsmittel für Baumwollpflanzen handelt. Von dem Flugzeug fehlt bislang jede Spur.

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