Zwei US-Postangestellte offenbar an Milzbrand gestorben
Terrorismusverdacht: Festnahme in Frankfurt

Die Ausbreitung der Milzbrand-Infektionen in den USA wird immer bedrohlicher. In Washington starben zwei Postangestellte mit Verdacht auf Lungenmilzbrand. Die beiden Männer seien am Montag unter "sehr verdächtigen" Umständen ums Leben gekommen, sagte der Chef des neuen Amts für Heimatschutz, Tom Ridge.

dpa WASHINGTON/KARLSRUHE. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wären dies die ersten Todesfälle seit vor über zwei Wochen ein Fotojournalist in Florida nach Empfang eines Briefs mit Anthrax-Sporen ums Leben kam.

Die beiden Postangestellten waren mit starken Atemproblemen ins Krankenhaus gebracht worden und kurz darauf gestorben. Weitere Tests sollen Klarheit über die genaue Todesursache bringen. Nach Angaben der Behörden gibt es zudem einen weiteren bestätigten Milzbrandfall. Ein Kollege des vergangene Woche erkrankten Postmitarbeiters leide ebenfalls an der gefährlichen Lungeninfekton.

Der Bundesgrenzschutz hat am Frankfurter Flughafen einen mutmaßlichen islamistischen Terroristen festgenommen, der schwere Gewalttaten geplant haben soll. Die Bundesanwaltschaft, die die Ermittlungen an sich gezogen hat, teilte am Dienstag mit, der 29 Jahre alte türkische Student Harun Aydin sei ein führendes Mitglied des Kölner Verbandes um den inhaftierten islamistischen Extremisten Metin Kaplan, den selbst ernannten "Kalifen von Köln". Aydin war bereits am vergangenen Mittwoch gefasst worden.

In seinem Gepäck wurden bei einer Kontrolle unter anderem eine Stoffmaske, Tarnkleidung und ein ABC-Schutzanzug sowie Materialien zur Herstellung eines Sprengsatzzünders sichergestellt, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Ferner hatte er eine CD-ROM mit detaillierten Anweisungen für den "Heiligen Krieg" der so genannten Gotteskrieger im Gepäck. Er steht im Verdacht, Mitglied einer kriminellen Vereinigung gewesen zu sein und zu schweren Straftaten wie Mord und Totschlag angeleitet zu haben. Der Generalbundesanwalt beauftragte das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mit den weiteren Ermittlungen.

Die Festnahme vor dem Einstieg in eine Iran-Air-Maschine nach Teheran war nach Angaben des Bundesgrenzschutzes (BGS) "relativ lautlos" abgelaufen. Der BGS hatte demnach einen Hinweis erhalten. Neben einem türkischen Pass trug der Mann auch einen deutschen bei sich.

Ein Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Frankfurt am Main erließ einen Tag nach der Festnahme Haftbefehl gegen den Mann. Dieser sitzt nach Informationen aus Justizkreisen in Darmstadt-Weiterstadt in Untersuchungshaft.

In einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" (Dienstag) hieß es, bei den gefundenen Gegenständen handele es sich um typische Utensilien eines terroristischen "Schläfers". Der Kölner Anwalt des 29-Jährigen, Michael Murat Sertzös, wies die Anschuldigungen zurück. Auf dem Flughafen seien Gepäckstücke seines Mandanten vertauscht worden, sagte er unter Berufung auf Aydin.

"Er hat im Flughafen einen türkischen Landsmann mit Vornamen Mehmet kennen gelernt und ihn wegen seines eigenen Übergepäcks gebeten, das Gepäck gemeinsam aufzugeben." Dabei seien einzelne Gepäckstücke vertauscht und fälschlicherweise ihm zugeordnet worden, sagte Aydin laut seinem Anwalt. Ihm gehörten weder der Kampfanzug noch die Sturmmaske. Er habe auch keinen Abschiedsbrief geschrieben. Zudem sei er im Besitz eines Rückflugtickets gewesen. Aydin sei ein Schwippschwager Kaplans, erläuterte der Anwalt. "Er hat die Schwester des Schwagers des Herrn Kaplan geheiratet."

Aydin war bereits im so genannten Kaplan-Prozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf angeklagt und freigesprochen worden. Die Beweisaufnahme ergab laut Gericht, dass er sich zwar in der Nähe Kaplans aufgehalten habe. Er sei in der radikal-islamistischen Organisation aber eher für untergeordnete Hilfsdienste zuständig gewesen. So habe er als Computer-Fachmann die Verbandszeitung der Kaplan-Organisation gestaltet, dabei habe er keinen Einfluss auf die Inhalte des Blattes gehabt.

Der Verband des "Kalifen von Köln" hat rund 1100 Mitglieder bundesweit, davon 550 in Nordrhein-Westfalen. Die Verfassungsschützer haben den "Kalifatsstaat" in Köln wegen seiner "aggressiven, antisemitischen und demokratiefeindlichen Agitation" schon seit vielen Jahren im Visier. Die radikale Organisation soll Ende der 90er Jahre auch Kontakte zu Osama bin Laden gehabt haben, der als Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September in den USA gilt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%