Zwei Verdächtige festgenommen
Bestürzung nach Brandanschlag auf Synagoge

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sprach von einem "antisemitischen Anschlag der schlimmsten Art".

ap DÜSSELDORF. Bei einem Brandanschlag auf die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf ist in der Nacht zum Dienstag geringer Sachschaden entstanden. Menschen wurden nicht verletzt. Zwei Jugendliche wurden nach Polizeiangaben am frühen Morgen vorläufig festgenommen. Die Tat hat Bestürzung ausgelöst. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sprach im MDR von einem "antisemitischen Anschlag der schlimmsten Art" und stellte die Frage, "ob es richtig ist, dass Juden in Deutschland leben, ob es richtig war, hier wieder jüdische Gemeinden aufzubauen".

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, sagte nach eigenen Angaben in einem Telefonat mit Spiegel, das Geschehen rufe "schreckliche Erinnerungen an das dunkelste Kapitel deutscher Vergangenheit wach". Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt sagte in Dresden, man müsse in Ost- und Westdeutschland noch viel dafür tun, "dass Toleranz, Achtung und Menschlichkeit das Handeln eines jeden von uns bestimmen".

Nach Polizeiangaben waren am Montag gegen 23.45 Uhr ein bis drei Brandsätze gegen die gläserne Eingangstür des von einem zwei Meter hohen Zaun abgeschirmten Bethauses an der Zietenstraße geworfen worden. Vorher hatten der oder die Täter offenbar versucht, die Tür mit einem dagegen geworfenen Ziegelstein zu zertrümmern. Die Brandsatz-Flaschen zerschellten, ihr Inhalt verbrannte auf dem Boden. Eine auf dem Heimweg befindliche 31-jährige Frau aus der Nachbarschaft sah laut Polizeibericht das Feuer, kletterte über den Zaun und trat die Flammen aus.

Die Polizei leitete eine Großfahndung nach den Tätern ein. Zeitweise seien bis zu 100 Beamte im Einsatz gewesen, hieß es. Zahlreiche Personen wurden befragt beziehungsweise überprüft. Die Ermittlungen wurden vom Staatsschutz übernommen. Die kurz nach dem Anschlag in der Nähe des Tatortes Festgenommenen sind 15 und 16 Jahre alt. Sie haben nach Polizeiangaben nichts mit der rechtsextremistischen Szene zu tun, sind aber wegen anderer Straftaten registriert, die von einem Polizeisprecher als "dummes Zeug" bezeichnet wurden.

Nach widersprüchlichen Aussagen sollen zwei bis vier Personen vom Tatort geflüchtet sein. Einer der Männer soll etwa 30 Jahre alt sein und dunkle Kleidung getragen haben. Die Polizei war um 23.48 Uhr von einem Passanten alarmiert worden. Kurz darauf trafen Einsatzkräfte an der Synagoge ein. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Tat aus rechtsextremistischen Kreisen heraus verübt worden sei, hieß es.

Der stellvertretende Präsident des Zentralrats der Juden und CDU-Politiker Michel Friedman sagte im Sender berlin aktuell 93,6, der Vorgang zeige, dass der Antisemitismus in Deutschland "immer enthemmter, brutaler und gewalttätiger" werde und dass sich zehn Jahre nach der Wiedervereinigung die Antisemiten und die Neonazis in der Tat vereinigt haben". Es zeige sich, dass Rechtsextremismus und Antisemitismus kein Sommerlochthema gewesen seien. "Sie begleiten uns in den Herbst."





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