Zwei verschiedene Wege
Stichwort: Klonen

Klonen ist die Herstellung eines genetisch gleichen Nachkommens von Pflanze, Tier oder Mensch. Der Begriff kommt aus dem Englischen und hat seinen Ursprung im griechischen Wort für "Sprössling" oder "Zweig". Schottischen Wissenschaftlern war es im März 1997 gelungen, das Schaf "Dolly" aus einer Euterzelle zu klonen. Großbritannien will jetzt als erstes Land der Welt auch das Kopieren menschlicher Embryonenzellen im Frühstadium - so genannter Stammzellen - für medizinische Zwecke zulassen.

ap FRANKFURT/MAIN. Es gibt zwei verschiedene Wege des Klonens. Bei dem einen wird ein Embryo zu einem Zeitpunkt, zu dem er erst aus wenigen Zellen besteht, mehrfach geteilt. Das geschieht in einer so frühen Phase der Entwicklung, dass die Einzelzellen sich noch zu einem vollständigen Organismus entwickeln können. Eineiige Zwillinge sind daher eigentlich natürliche Klone. Auch Bakterien, die sich mittels Zellteilung vermehren, sind Klone. Wer Stecklinge in seinem Garten setzt, klont nach einem ähnlichen Prinzip.

Eine Zelle besteht aus zwei Einheiten, dem Zellkern und dem Zell-Leib. Der Kern enthält fast die gesamte genetische Information des Lebewesens, der Leib die Teile der Zelle, die für dessen eigentliche Funktion zuständig sind. So besteht der Zell-Leib einer Muskelzelle überwiegend aus Muskelfasern, der Zell-Leib einer Magenschleimhautzelle produziert Magensäure. Je spezialisierter und reifer eine Zelle ist, desto weniger ist sie in der Lage, sich noch zu teilen.

Die 1998 erstmals isolierten Stammzellen im embryonalen Frühstadium sind im Unterschied zu den Zellen des späteren Fötus' noch nicht auf bestimmte anatomische Funktionen spezialisiert. Nach den Vorstellungen der britischen Regierung soll es der Forschung nunmehr erlaubt sein, menschlichen Embryonen im Alter bis zu 14 Tagen solche Stammzellen zu entnehmen und zu kopieren. Daraus soll dann gesundes Gewebe für Patienten entwickelt werden, die an Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson leiden. Andere Anwendungsmöglichkeiten sind nach wissenschaftlicher Einschätzung Hauttransplantationen für Verbrennungsopfer oder das Einpflanzen von gesunden Zellen in die Bauchspeicheldrüse von Diabetikern.

Kern aus der Zelle

Bei dem zweiten Verfahren des Klonens wird der Kern aus einer Zelle entnommen und in eine unbefruchtete Eizelle eines anderen Tieres eingepflanzt. Die Eizelle wird vorher "entkernt", sie besteht nur noch aus dem Zell-Leib. Aus der zusammengesetzten Zelle entsteht ein vollständiges Lebewesen. Die Idee zu dieser Methode hatte 1938 der deutsche Nobelpreisträger Hans Spemann, aber erst 1986 gelang es dem dänischen Wissenschaftler Stehen Willadsen in Cambridge erstmals, auf diese Weise Schafe zu klonen.

Bisher konnten die Forscher dabei nur embryonale, also unreife Zellkerne verwenden. Bei "Dolly" waren 1997 zum ersten Mal reife Zellkerne eines erwachsenen Tieres verwendet worden. Nach diesem Verfahren gelang es japanischen Wissenschaftlern 1998, drei Generationen von Mäusen zu klonen. Bei einem im US-Staat Oregon geklonten Rhesus-Äffchen wurde dagegen das erste Verfahren, nämlich die künstliche Zellteilung im frühen embryonalen Stadium, angewandt.

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