Zwei weitere Postbeamte an Anthrax gestorben
Lagerstätte für Milzbranderreger im Aralsee soll geräumt werden

Die USA haben sich laut einem Zeitungsbericht verpflichtet, eine Lagerstätte von Milzbrand-Erregern in Zentralasien zu beseitigen.

afp/ap WASHINGTON. Die USA unterzeichneten am Montag gemeinsam mit den usbekischen Behörden ein entsprechendes Abkommen, wie die "New York Times" am Dienstag berichtete. Washington wolle bis zu 6 Mill. $ für die Dekontaminierung der Insel Wosroschdenije im Aral-See in Usbekistan investieren. Die Sowjetunion hatte dort ein riesiges Testgelände für biologische Kampfstoffe unterhalten. 1988 hatte sie zahlreiche Behälter mit Anthrax-Sporen auf dem Gelände vergraben. Die Milzbrand-Erreger auf der Insel stellten eine globale Bedrohung dar, "weil sie nicht nur von Ratten und anderen Tieren ausgegraben werden könnten, sondern auch von Terroristen", sagte der stellvertretende usbekische Außenminister Sodik Safaew der Zeitung.

Nach dem Ende der Sowjetunion hatte das russische Militär die Labors aufgegeben. Seit 1997 überwachten US-Spezialisten das Gelände. Sie fanden heraus, dass in sechs von insgesamt elf Behältern noch lebende Anthrax-Erreger enthalten waren, obwohl die Sowjetsoldaten die Sporen vor mehreren Jahren mit Chemikalien behandelt hatten.

Tödliche Milzbrand-Spur durch Washington

Den gefährlichen Milzbrand-Erregern sind in den USA offenbar schon mehr Menschen zum Opfer gefallen als bisher bekannt. Zwei Postmitarbeiter in Washington starben mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Krankheit, wie am Montagabend mitgeteilt wurde. Bestätigt wurde auch ein zweiter Fall von Lungen-Milzbrand bei der Washingtoner Post. Sorge bereiten den Behörden zudem die für Anthrax typischen Symptome, die neun Patienten im Raum der US-Hauptstadt zeigen. Ob diese bei der Post arbeiteten, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Die Washingtoner Gesundheitsbehörde empfahl vorsorglich für 2 000 Postmitarbeiter die Einnahme von Antibiotika. Zudem wurden die Angestellten des zentralen Brentwood-Postamtes, von denen bereits zwei an Lungen-Milzbrand erkrankt sind, dringend aufgefordert, sich Tests zu unterziehen. "Die Post und unsere Angestellten sind zum Ziel von Terroristen geworden", sagte Postminister John Potter. Die beiden Männer, deren Tod möglicherweise auf Milzbrand zurückzuführen ist, starben am Sonntag und Montag in einem Washingtoner Krankenhaus.

Abgeordnete und Senatoren wollten am Dienstag wieder im Kapitol zusammenkommen, mehrere Büros sollten aber noch geschlossen bleiben. "Das Kapitol ist sicher, und wir haben gute Gründe für die Annahme, dass wir in den nächsten Tagen auch die anderen Büros wieder öffnen können", sagte der demokratische Senator Tom Daschle. An Daschle war der Brief mit Milzbrand-Erregern adressiert gewesen, der im Brentwood-Amt weitergeleitet wurde. Aus Kreisen des Kongresses verlautete unterdessen, die gefährlichen Krankheitserreger seien möglicherweise an drei weiteren Stellen im Kapitol aufgetaucht.

Der Beauftragte für die innere Sicherheit, Tom Ridge, erklärte, die Nation kämpfe im selben Krieg an zwei Fronten: "Es gibt ein Schlachtfeld außerhalb dieses Landes, und es gibt ein Schlachtfeld in diesem Land."

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