Zwei wichtige Widerstände sind genommen
Charttechniker blasen zum Einstieg

Der Dax entwickelt sich mustergültig - zumindest aus Sicht der Charttechniker. Das Börsenbarometer tritt auf der Stelle, nachdem es zwei wichtige Widerstände überwunden hat. Das bringt Kraft für eine Fortsetzung der Rally, meinen die Experten. Der heutige Verfallstag an der Terminbörse wird Aufschluss über die weitere Richtung geben.

HB DÜSSELDORF. Wenn am Freitag die März-Optionen an der Terminbörse ablaufen, kommt es vermutlich zu heftigen Kursausschlägen. Denn je nach pessimistischer oder optimistischer Einstellung spekulieren Profis auf höhere und niedrigere Indexstände. Welche Seite sich durchsetzt, bestimmt oft das weitere Börsengeschehen. Dort haben sich die Perspektiven erheblich aufgehellt - doch erst seit wenigen Tagen. Weil die Lage also labil ist, sollten Anleger aufpassen, wie sich der Deutsche Aktienindex (Dax) am Freitag entwickelt.

Die Ausgangslage ist gut: Zwei wichtige Widerstände wurden nach oben durchbrochen: Der seit Anfang 2001 bestehende Abwärtstrend und die 200-Tage-Linie; diese zeigt die Durchschnittskurse der vorangegangenen 40 Wochen an. Für die Überwindung hatte der Dax immerhin eineinhalb Jahre gebraucht. Aus charttechnischer Sicht endet damit eine der ausgeprägtesten Talfahrten. Voraussetzung ist allerdings, dass die wichtigen Marken nicht gleich wieder unterboten werden. Solange sich die Aktienmärkte oberhalb ihrer "Abwärtstrendlinien befinden, sind die Gefahren für signifikante Kursrückschläge gering einzuschätzen", meint selbst der für Aktien pessimistische BHF-Stratege Klaus Deppermann.

Der Optimismus überwiegt klar. "Die Tiefststände vom September 2001 sind ein unverrückbares Tief", meint der Cheftechniker von Prudential Financial in New York, Ralph Acampora. Aus der anfänglichen Rally ist seiner Meinung nach eine hochklassige Aufwärtsbewegung geworden.

Dafür spricht, dass neben dem Dax auch der amerikanische S & P-500-Index, der Euro Stoxx und der japanische Nikkei die Abwärtstrends und 200-Tage-Linien nach oben durchbrochen haben. "In allen großen Börsenindizes hat sich das mittelfristige Bild weiter verbessert", meint Achim Matzke von Commerzbank Securities. Er misst der 200-Tage-Linie so hohe Bedeutung bei, weil diese für viele Anleger das Signal für einen Einstieg gibt - vor eineinhalb Jahren animierte sie rechtzeitig zum Ausstieg. Die derzeitige Schwächephase im Dax bewerten Charttechniker als gesund. Dadurch wird die "überkaufte" Situation abgebaut. "Wir sehen nach der kräftigen Rally eine ganz normale Konsolidierung, ohne großen Abgabedruck", bleibt Matzke optimistisch. "Der Dax sollte bis nahe 5 100 Punkte korrigieren", meint Jochen Renz von Sal. Oppenheim.

Nach unten ist das Risiko nach Ansicht der Techniker begrenzt. Denn nach der Überwindung dienen die einstigen Widerstände als Unterstützungszonen. Bei gut 5 160 Punkten verlief am Donnerstag die 200-Tage-Linie, in diesem Bereich liegt auch der mittelfristige Abwärtstrend. Beide Linien fallen täglich um gut drei Zähler.

Bei allem Optimismus bleibt das Potenzial nach oben begrenzt. Während Oppenheim-Spezialist Renz den Dax bis 6 200 Punkte marschieren sieht, rechnet Matzke mittelfristig mit maximal 6 000 Punkten. Doch auch auf dem Weg dorthin gebe es eine Reihe größerer Widerstände. Da wäre zunächst die Zone von 5 450 Punkten. Sie ergibt sich aus den Tiefständen vom Frühjahr vergangenen Jahres. Danach steht dem Dax die 5 600-Punkte-Marke im Weg. Hier verläuft der langfristige Abwärtstrend seit März 2000. Zudem hatte der Dax schon 1999 lange mit der Marke zu kämpfen, ehe er innerhalb weniger Wochen den Höchststand von 8 064,97 Zähler erreichte.

Angesichts des bullischen Szenarios raten Analysten dazu, schwächere Tage zum Einstieg zu nutzen. Matzke empfiehlt Werte, die den Baisse-Trend gerade hinter sich gelassen haben und deshalb "Kaufsignale senden". Dazu gehörten Bayer und Infineon. Dagegen rät er bei der Deutschen Telekom zum Abwarten. "Die T-Aktie bildet gerade ihren Boden." Wie lange so etwas dauern kann, haben Anleger in den vergangenen zwei Jahren gelernt.

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