Zwei Zivilsoldaten im Westjordanland ermordet
Annans Hoffnungen auf schnelle Krisenlösung schwinden

Die Vermittlungsbemühungen von Uno-Generalsekretär Kofi Annan im Nahost-Konflikt sind heute von einem schweren Zwischenfall zurückgeworfen worden. Im Westjordanland griff eine aufgebrachte Menge vier israelische Reservesoldaten an. Dabei wurden drei der Soldaten getötet, ein weiterer nach Informationen aus israelischen Militärkreisen in einer Polizeiwache festgehalten.

ap/dpa NEW YORK/JERUSALEM. Die Soldaten in Zivil waren nach israelischen Militärangaben in einem Zivilfahrzeug unterwegs und bogen an einer Kreuzung offenbar falsch ab. Ein palästinensischer Fernsehkorrespondent sagte, palästinensische Sicherheitskräfte hätten vergebens versucht, die aufgebrachte Menge zurückzuhalten. Die Menge habe den Raum gestürmt, in dem die Soldaten festgehalten worden seien, und habe zwei von ihnen getötet.

Zuvor hatten sowohl Israel als auch die Palästinenser sich bereit erklärt an einem Treffen ranghoher Sicherheitsvertreter teilzunehmen, erklärte Annans Büro am frühen Donnerstagmorgen. An dem Gespräch sollten auch die USA teilnehmen. Den Vorsitz sollte der Leiter des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, übernehmen. "Der Generalsekretär glaubt, dass dies ein wichtiger Schritt zur Beendigung der Gewalt ist, was hoffentlich zu einer Wiederbelebung des Friedensprozesses führen wird", hieß es in der Erklärung. Das Treffen sollte möglicherweise bereits am Donnerstag stattfinden.

Kämpfe im Westjordanland ohne Unterbrechung

Die Kämpfe im Westjordanland hielten indes auch am Donnerstag weiter an. In Hebron wurde ein israelischer Soldat angeschossen, bei Bethlehem feuerte die israelische Armee nach einem Rundfunkbericht aus Kampfhubschraubern auf bewaffnete Palästinenser. In Howara bei Nablus wurde eine Moschee in Brand gesteckt. Bei den Ausschreitungen der vergangenen zwei Wochen wurden 92 Menschen getötet, überwiegend Palästinenser. Annan hatte am Mittwoch getrennte Gespräche mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat geführt.

Soldaten sollen mit iranischen Diplomaten ausgetauscht werden

Die iranische Regierung sprach sich unterdessen für einen Gefangenenaustausch zur Freilassung der drei von der Hisbollah-Miliz in Südlibanon verschleppten israelischen Soldaten aus. Im Gegenzug für die Entlassung der Soldaten solle Israel vier inhaftierte iranische Diplomaten auf freien Fuß setzen, sagte der iranische Außenminister Kamal Charrasi am Mittwoch in Beirut.

UN verlegt Nachost-Sondersitzung auf kommenden Dienstag

Die UN-Menschenrechtskommission verlegte eine für kommenden Mittwoch geplante Sondersitzung zur Lage im Nahen Osten um einen Tag auf kommenden Dienstag vor. Die auf Antrag der Arabischen Liga einberufene Sitzung werde maximal drei Tage dauern, hieß es in einer Erklärung der Kommission in Genf. Es handelt sich um die fünfte Sondersitzung in der Geschichte des Gremiums.

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