Zweifel am Vorgehen des SEK
Diskussion um Polizeieinsatz in Erfurt wird schärfer

Die Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizisten bezeichnete am Mittwoch den Bericht des Innenministeriums als "Idiotentest" für Öffentlichkeit und Angehörige.

dpa HALLE/ERFURT. Die Diskussion um den Polizeieinsatz beim Erfurter Schulmassaker wird schärfer. Die Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizisten bezeichnete am Mittwoch den Bericht des Innenministeriums als "Idiotentest" für Öffentlichkeit und Angehörige. Sprecher Thomas Wüppesahl bezweifelte im Nachrichtenradio MDR Info Angaben, wonach vier der Opfer auch bei einem schnelleren Vordringen der Rettungskräfte nicht überlebt hätten. Das Magazin "Stern" zitierte Vorwürfe, wonach die Polizei das Gutenberg-Gymnasium zu langsam durchsucht hätte. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wies dies zurück.

Ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums hatte am 26. April innerhalb von zehn Minuten 16 Menschen erschossen. GdP-Bundesvorsitzender Konrad Freiberg sagte, die Polizei habe nach den geltenden Richtlinien für Geiselnahmen richtig gehandelt. Es gebe zwar seit dem Schulmassaker in Littleton (USA) ein Umdenken, wonach Spezialeinheiten schneller zum Täter vordringen sollten. "Wir wollen aber aus solchen Fällen vernünftig lernen und sollten nicht den Verstand verlieren", sagte Freiberg. Auch der GdP-Vorsitzende im Bundesgrenzschutz, Josef Scheuring, warnte vor schnellen Schuldzuweisungen.

Die Polizei hatte ihr Vorgehen damit begründet, dass Zeugen von einem zweiten Täter sprachen. Die ersten SEK-Beamten hatten die Schule von etwa zwölf Uhr an durchsucht. Der Polizei war da bereits bekannt, dass ein Lehrer einen mutmaßlichen Täter in einem Zimmer eingeschlossen hatte. Dort wurde dieser eine Stunde später tot gefunden. Zweieinhalb Stunden später hatten das SEK alle Zimmer durchkämmt und die letzten Schüler herausgebracht. Laut "Stern" berichteten Augenzeugen, dass zwei niedergeschossene Lehrer noch mindestens eine Stunde lebten. Im Bericht des Ministeriums heißt es, nach den Obduktionsberichten hätten alle Opfer auch bei sofortiger Versorgung keine Überlebenschance gehabt.

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