Zweifel an Angriffsfähigkeit zurückgewiesen
Hitzige US-Diskussion um Angriff auf den Irak

Nachdem die Frage zuletzt fast nur noch von den Europäern gestellt worden war, ist die Diskussion um den Zeitpunkt eines Angriffs auf den Irak in den USA neu entbrannt. "Das Militär ist bereit, jede Mission auszuführen, die die zivile Führung uns zu erfüllen gibt", sagte Marinegeneral Peter Race am Wochenende.

coh/ink WASHINGTON/BERLIN. US-Medien hatten zuvor Militärs zitiert, die von mindestens 200 000 Soldaten ausgingen, die für einen Angriff notwendig seien. Sie betonten die Gefahr von biologischen sowie chemischen Attacken und sprachen von einer langen Vorbereitungsphase. Vor Anfang 2003 sei eine Invasion daher unmöglich.

Auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wischte die Bedenken vom Tisch: Der Aufwand sei keinesfalls so groß, wie von Kritikern angenommen. Bei der zehn Jahre zurückliegenden Invasion "Desert Storm" seien neun Zehntel des Materials nicht genutzt worden, sagte Rumsfeld. General Pace ergänzte jedoch, dass "die Lösung um so eleganter sein könnte, je mehr Zeit man hat".

Rumsfeld betonte wie Präsident George W. Bush in Berlin, dass Amerika keinen Plan für einen Angriff auf dem Tisch liegen habe. Vielmehr würden innerhalb der Regierung die verschiedenen Optionen diskutiert, die auch Diplomatie und verdeckte Aktionen umfassten. In der Vergangenheit hat sich der US-Verteidigungsminister für eine Militäraktion ausgesprochen, um den irakischen Präsidenten Saddam Hussein in seine Schranken zu verweisen. Rumsfeld steht zudem der Entsendung von Waffeninspektoren kritisch gegenüber. Außenminister Colin Powell spricht sich dagegen deutlich für eine erneute Entsendung aus.

"Man kann die Spuren vom CIA überall im Norden des Irak sehen", sagte Vince Cannistraro, ein früherer Chef für Terrorismusbekämpfung beim CIA. "Es gab jede Menge Gespräche mit Oppositionsgruppen." Am Freitag machten kurdische Oppositionsführer in Washington deutlich, dass sie die US-Bemühungen, die irakische Führung zu stürzen, unterstützen.

Scharping lehnt Beteiligung der Bundeswehr ab

Unterdessen betonte Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping in Berlin, eine Beteiligung der Bundeswehr an einer Militäroperation gegen den Irak komme nicht in Betracht. Ein Regierungssprecher betonte gleichzeitig, eine Debatte erübrige sich ohnehin, weil sowohl der US-Präsident als auch der Bundeskanzler "unmissverständlich und eindeutig" erklärt hätten, dass es keine konkreten Einsatzplanungen gebe.

Verteidigungsexperten in Berlin bezweifelten ohnehin, dass Deutschland für die Amerikaner einen substantiellen militärischen Beitrag leisten könnte. Die Einschätzung, dass die Bundeswehr mit mehr als 10 000 im Auslandseinsatz befindlichen Soldaten an der Grenze ihrer Möglichkeit operiert, wird in allen Parteien geteilt. Sehe ein Angriffsszenario zunächst nur Luftschläge gegen den Irak vor, könnten die deutschen ERC-Tornados eingesetzt werden.

Bei Einsätzen am Boden ginge es nur um jene Einheiten, die auch jetzt bereits für die internationale Terrorbekämpfung bereitgestellt wurden - also die Einzelkämpfer der KSK-Spezialkräfte oder Sanitäter. Die in Kuwait stationierten ABC-Abwehrkräfte dürften im Konfliktfall eher für die Versorgung hinter den Linien eingesetzt werden. Scharping betonte aber, dass auf jeden Fall ein neues Bundeswehrmandat nötig sei, sollten deutsche Truppenteile an einem Angriff auf den Irak beteiligt werden.

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