Zweifel an der Leistung wachsen
Yams, Gene oder Doping?

Usain Bolt läuft auch über 200 Meter Weltrekord - Doch die Zweifel an der Leistung der jamaikanischen Sprinter wachsen. Der deutsche Sprinter Tobias Unger kann sich die Triumphe der jamaikanischen Sprinter nicht anders erklären, als mit Betrug.

PEKING. Dieses Mal beeilt sich Usain Bolt. Er läuft die 200 Meter bis ins Ziel durch, nicht im Trab, wie über die 100 Meter, sondern im Höchsttempo. Noch hält Michael Johnson den Weltrekord. Als er im Ziel ist, schaut er als erstes auf die Zeit. Dann reckt er die Faust. Geschafft, neuer Weltrekord. Die Uhr steht bei 19,31 Sekunden.

Kurz darauf die Korrektur: Der offizielle Weltrekord liegt nun bei 19,30 Sekunden. "Fabelzeit" heißt das im Jargon. Was wohl Tobias Unger dazu sagen würde? Nimmt man seine Aussage von gestern Morgen wäre wohl auch dieser Lauf eine "Riesenverarschung". Unger ist Deutscher Meister über die 100 Meter, im Halbfinale war Schluss. Dort lief er gegen Bolt. Dort hat er ihn beobachtet. "Der kam in Badehose und Joggingschuhen, hat seine Spikes angezogen und ist dann die 100 Meter in 9,92 Sekunden gejoggt." Unger kann sich die Triumphe der jamaikanischen Sprinter nicht anders erklären, als mit Betrug. "Die springen auf ihrer Insel rum, wie sie wollen, denen passiert gar nichts."

Gemeint ist nicht nur Bolt, auch sein Kollege Asafa Powell. Und Jamaikas Frauen. Shelly-Ann Fraser, Sherone Simpson und Kerron Stewart räumten über 100 Meter alle drei Medaillen ab. Und gestern lief Melaine Walker auch noch olympischen Rekord über 400 Meter Hürden.

Auch wenn Unger seine Bestzeit von 10,16 Sekunden in Peking deutlich verfehlt hat und deshalb womöglich Frust in den Anschuldigungen mitschwingt, so trifft er mit seinen Mutmaßungen auf fruchtbaren Boden. Schon im Vorfeld der Spiele wurde gemunkelt, dass es auf der Karibikinsel nicht mit rechten Dingen zugeht. Wer die Jamaikaner nach einer Erklärung fragt, warum sie plötzlich die schnellsten Sprinter der Welt produzieren, der erhält zumindest keine überzeugende Antwort. Für Wellesley Bolt, Vater von Usain Bolt, kann es nur am "Yams" liegen, der jamaikanischen Süßkartoffel, deren Saft seinen Sohn so schnell gemacht habe. Bertland Cameron, einer seiner Trainer und früher selbst Sprinter, erklärte gestern: "Das liegt am guten Essen, am guten Wasser und am gesunden Schlaf."

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