Zweifel an Ernsthaftigkeit des Kartellverfahrens: Stopp bei Gas-Fusion kann auch Tankstellenmarkt ändern

Zweifel an Ernsthaftigkeit des Kartellverfahrens
Stopp bei Gas-Fusion kann auch Tankstellenmarkt ändern

Durch das Nein des Kartellamtes zur Übernahme der Ruhrgas AG durch den Energieriesen Eon ist nun auch der Tankstellen-Deal zwischen Eon und BP wieder in Frage gestellt.

ap BONN. Den hatte das Kartellamt im Dezember zwar unter Auflagen genehmigt. Sollte die Politik Eon aber auch die angestrebte Ministererlaubnis für die Ruhrgas-Übernahme verweigern, könnte eine neue Situation entstehen.

Deren Nutznießer wäre unter Umständen Shell. Zugleich mit der Erlaubnis für die BP/Aral-Fusion hatte das Kartellamt die Übernahme von DEA durch Shell gestattet. Dabei gibt es aber eine Nachbesserungsklausel, wie Kartellamtspräsident Ulf Böge am Montag in Bonn erläuterte: Sollte das Geschäft zwischen BP und Aral platzen, müssten Shell und DEA weniger Tankstellen als bisher angeordnet verkaufen, weil der Konzentrationseffekt auf dem deutschen Markt dann geringer wäre.

Böge lehnte es bei der Verkündung der schon am Wochenende bekannt gewordenen Entscheidung über die Ruhrgas-Fusion ab darüber zu spekulieren, ob Eon seinen Antrag bei den Wettbewerbshütern wirklich ernsthaft betrieben oder von vorneherein auf eine Ministererlaubnis spekuliert hat. Immerhin merkte er an, dass die Bemühungen des Energieriesen, die Freigabe der Fusion durch eventuelle Auflagen zu erreichen, "wenig ausgeprägt" und die entsprechenden Angebote "von untergeordneter Bedeutung" gewesen seien.

Dass Eon zusammen mit Ruhrgas seine ohnehin schon marktbeherrschende Stellung ausbauen würde, belegte Böge mit Zahlen. Ruhrgas sei schon jetzt das größte deutsche Ferngasunternehmen und besitze zudem als einziges überragenden Zugang zu allen in Frage kommenden Gasquellen in Norwegen, Russland, den Niederlanden, Großbritannien und in Deutschland selbst. Ruhrgas verfüge außerdem über das ausgeprägteste Fernleitungsnetz. Beim Zusammenschluss mit Eon müssten dessen zahlreiche regionalen Gasunternehmen nicht mehr mit einem potenziellen Wettbewerb rechnen.

Erdgas möglicher Ersatz für Kernenergie

Eon sei aber auch im Strommarkt bestimmend. Die eigene Aussage des Konzerns, 40 Milliarden Euro in der Kriegskasse zu haben, "kann als Indiz für Finanzkraft und überragende Marktstellung dienen", meinte Böge. Zusammen mit Ruhrgas erhalte der Konzern zusätzliche Möglichkeiten, das attraktive und zukunftsträchtige Geschäft mit Erdgas zur Stromerzeugung zu dominieren.

Letzteres war für Eon nach den Worten von Vorstandschef Ulrich Hartmann ein wichtiger Grund, im vergangenen Juli das Tauschgeschäft mit BP zu vereinbaren. BP soll von Eon die Aral-Tankstellen übernehmen und sollte im Gegenzug die über die Gelsenberg AG gehaltenen Ruhrgas-Aktien abgeben. Hartmann sagte damals, der Gasmarkt biete in Deutschland und international sehr interessante Wachstumsperspektiven. Gas werde in der Stromerzeugung künftig die Kohle und eventuell auch die Kernenergie ersetzen. In künftigen Energiekonzepten wie der Brennstoffzelle könne Gas eine neue Rolle spielen.

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