Zweifel an Sicherheit so genannter Agency-Bonds wachsen
Wie solide sind US-Hausfinanzierer?

Hierzulande unbekannt kann in den USA jeder Häuslebauer etwas mit Fannie und Freddie anfangen, denn fast jeder von ihnen landet – meist auf Umwegen – bei einem der beiden Baufinanzierer.

NEW YORK. Schon mal etwas von Fannie und Freddie gehört? Diese beiden Namen gehören zu Amerikas größten Hausfinanzierern - und in Deutschland sind sie fast unbekannt. Dabei handelt es sich um Konzernriesen, bei denen selbst ein Weltkonzern wie die Deutsche Telekom verblasst. So hat Fannie Mae (offizieller Name: Federal National Mortgage Association) laut der Agentur Bloomberg derzeit Anleihen über 580 Mrd. $ ausstehen. Freddie Mac (Federal Home Loan Mortgage Corporation) bringt es auf 517 Mrd. $. Zum Vergleich: Die Telekom bräuchte elf bzw. neun Jahre, um diese Summen umzusetzen.

In den USA kennt jeder Häuslebauer Fannie und Freddie, denn fast jeder von ihnen landet - meist auf Umwegen - bei einem der beiden Baufinanzierer. Das liegt daran, dass US-Geschäftsbanken die Baukredite ihrer Kunden oft an Fannie und Freddie weiterreichen. Diese kaufen diese Forderungen auf und nehmen dafür Geld am Anleihemarkt auf.

Der Trick: Fannie und Freddie können an den Finanzmärkten sehr billig Geld einsammeln. Denn die beiden ehemaligen Staatsunternehmen gelten als besonders solide. Diesen Vorteil geben sie in Form niedriger Zinsen an die Häuslebauer weiter. Die Geschäftsbanken können da nicht mithalten, und verkaufen deshalb ihre Immobilienkredite an Fannie und Freddie. Verdienen tun sie dann an der Gebühr für das "Durchreichen" der Baudarlehen.

So könnten eigentlich alle zufrieden sein: Die Häuslebauer bekommen sehr billige Kredite, die Investoren erhalten (vermeintlich) sichere Anleihen, und Fannie und Freddie verzeichnen ein ziemlich rasantes Wachstum ihres Geschäftsvolumens.

Doch einer betätigte sich kürzlich als Spielverderber: William Poole, Gouverneur der Notenbank von St. Louis, wies am 10. März auf Risiken im Geschäftsmodell von Fannie und Freddie hin. Die Rede drückte die sonst sehr stabilen Aktienkurse der beiden privatisierten Konzerne an einem einzigen Tag um 5 % (Fred-die) bzw. 7 % (Fannie). Auch die Anleihenkurse der beiden Institute fielen.

Poole legte den Finger in zwei of-fene Wunden, die Investoren bereits seit langem ein flaues Gefühl im Magen verursacht. Zum einen äußerte er Zweifel, ob Fannie und Freddie ausreichend kapitalisiert sind, um eine langandauernde Krise an den Finanzmärkten zu meistern. Außerdem kritisierte Poole, dass unklar ist, ob die US-Regierung den beiden Firmen im Notfall hilft oder nicht.

Fannie und Freddie unterlegen ihr Kreditportefeuille mit weniger Eigenkapital als Geschäftsbanken. Das rechtfertigen sie damit, indem sie sich auf das risikoarme Geschäft mit privaten Hausdarlehen konzentrieren. Bislang verzeichnen Fannie und Freddie sehr geringe Ausfallraten. Doch durch das gigantische Volumen ihrer Kreditbücher wäre bereits ein kleiner Anstieg der Ausfallraten gefährlich. Dabei zeigt der US-Häusermarkt nach einem jahrzehntelangen Boom in jüngster Zeit erste Schwächesignale. Verstärkt sich diese Tendenz und die Häuserpreise in den USA geraten ins Rutschen geraten, wäre die Sicherheit vieler Immobilienkredite in Frage gestellt.

Hinzu kommt die unklare Lage bei der so genannten "impliziten Staatsgarantie". Offizielle sind Fannie und Freddie private Konzerne und damit für sich selbst verantwortlich. Doch die einst staatlich gegründeten Institutionen sind eng mit dem Staat verbunden. Das wird schon daran deutlich, dass der US-Präsident einen Teil der Vorstandsmitglieder ernennt. Doch eine staatliche Ausfallgarantie haben Investoren im Ernstfall damit wohl nicht.

All das spricht nicht grundsätzlich gegen Anleihen von Fannie Mae und Freddie Mac. Beide besitzen die Topnote A- der Ratingagentur Moody's für ihre finanzielle Stärke. Dabei beurteilte Moody's die beiden Agencies völlig unabhängig von einer möglichen Absicherung durch den Staat.

Trotzdem: Die heftigen Kursreaktionen zeigen, dass sich immer mehr Anleger fragen, ob die Papiere von Freddie und Fannie eben doch so sicher sind wie Staatsanleihen - und ob der geringe Renditeaufschlag der Bonds das höhere Risiko angemessen widerspiegelt?

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