Zweifel an Strategie des Unternehmens
Fondsgesellschaften kritisieren Telekom

Die beiden Fondsgesellschaften Union Investment und DWS haben im Vorfeld der Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG, Bonn, am kommenden Dienstag sowohl die Entwicklung des Aktienkurs als auch die Strategie des Unternehmens kritisiert.

vwd FRANKFURT. Union Investment werde sich bei der Entlastung des Vorstands der Stimme enthalten, kündigte Analyst und Sprecher Rolf Drees am Donnerstag im Gespräch mit vwd an.

"Die Performance der Aktie ist sowohl kurz- als auch langfristig deutlich unterdurchschnittlich", erklärte Drees. Im vergangenen Jahr hatte die T-Aktie um 38 Prozent nachgegeben, gegenüber 19,8 Prozent beim Dax. Die Underperformance sei aber auch langfristig in den vergangenen drei und fünf Jahren zu konstatieren. Die Strategie des Telekom-Managements sei offenbar größen- und nicht gewinnorientiert; bisher habe Ron Sommer nicht erkennen lassen, welche Renditeziele in den einzelnen Segmenten bestünden. "Nicht die EBITDA-Zahlen, sondern der Gewinn nach Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist für uns maßgeblich", sagte der Union-Analyst weiter.

In diesem Zusammenhang kritisierte er auch die Informationspolitik des Unternehmens, die nicht erkennen lasse, wie die neu erworbenen Tochtergesellschaften, wie etwa VoiceStream und debis, in die Gesamtstrategie des Unternehmens integriert werden sollten. Nach eigenen Angaben hält Union Investment in ihren Fonds 40 Mio Telekom-Aktien mit einem Wert von 480 Mio EUR. Vor dem Hintergrund der erwirtschafteten Verluste sei zudem die Dividendenkontinuität bei der Deutschen Telekom unverständlich. "Die Telekom finanziert die Dividende auf Pump und zehrt damit an der Substanz des Unternehmens", kritisierte Drees. Er erneuerte die Kritik der Fondsgesellschaft am Aktien-Optionsprogramm des Managements, das "schwerwiegende Mängel" aufweise. Das Programm, das Union Investment auf der HV der Telekom 2001 bereits abgelehnt habe, greife bereits bei einer Kurssteigerung der T-Aktie von 20 Prozent in den kommenden zehn Jahren und sei damit wegen des mangelnden Ehrgeizes "absolut ungenügend".

Auch Klaus Martini, Leiter europäische Aktien bei der DWS, kündigte kritische Fragen auf der HV der Deutschen Telekom an. "Die Probleme der Telekom resultieren aus der Gesamtstrategie der vergangenen Jahre und weniger aus Problemen in einzelnen Geschäftsfeldern", betonte Martini. Ende der 90-er Jahre sei das Potenzial der Telekombranche vollkommen überschätzt worden. Insgesamt überzeuge ihn die so genannte Vier-Säulen-Strategie des Unternehmens nicht. So sei bislang unklar, wie der Bonner Konzern auf die anstehende Liberalisierung der Ortsnetzgespräche reagieren werde. Auch wenn der Bereich T-Mobile derzeit der Wachstumsträger des Konzerns sei, stellten sich hinsichtlich der Zukunft von UMTS nach wie grundsätzliche Fragen nach Inhalten und Nutzerprofilen.

Er bezweifele zudem, dass die US-Mobilfunktochter VoiceStream die nötige kritische Masse entwickeln werde, um auf dem konsolidierenden US-Mobilfunkmarkt zu bestehen. Gut positioniert sei das Unternehmen mit den Tochtergesellschaften T-Online und T-Systems. "Telekommunikationunternehmen dürften zukünftig als Versorger eingestuft werden, womit die Aktien nicht mehr für Anleger mit Orientierung auf Wachstumswerte interessant sind", prognostizierte Martini. Dann allerdings sei fraglich, ob die Aktien für Investoren mit Fokus auf Substanzwerte attraktiv sei. Derzeit halte die DWS weniger als ein Prozent des Grundkapitals der Telekom in ihren Fonds, was weniger als bei der HV im vergangenen Jahr sei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%