Zweifel bei Analysten
Amgen will Immunex übernehmen

Der Biotech-Riese Amgen will sich den Konkurrenten Immunex für 18 Milliarden Dollar einverleiben. Die spektakuläre Übernahme wäre die bisher größte Fusion zwischen zwei Biotech-Unternehmen und die vierte innerhalb von zwei Wochen. Analysten halten diesmal den Preis aber für zu hoch.

HB NEW YORK. Das Biotech-Unternehmen Amgen verhandelt nach Medienberichten mit seinem Konkurrenten Immunex über eine Übernahme. Amgen, mit Sitz in Thousand Oaks, Kalifornien, will demnach 18 Mrd. $ für Immunex zahlen. Die Übernahme könnten die beiden Unternehmen schon am heutigen Montag bekannt geben. Es wäre die mit Abstand größte Übernahme in der Biotech-Industrie. Der Pharmakonzern American Home Products (AHP), der 41 % an Immunex hält, ist nach den Medienberichten zum Verkauf bereit. Lowell Weiner, Sprecher von AHP, gibt auf anfrage nur ausweichende Antworten: Man kommentiere keine Marktspekulationen, heißt es.

Amgen, das 31 $ bis 32 $ pro Immunex-Aktie zahlen will, davon 15 % in Cash, bekäme durch den Kauf Zugriff auf das erfolgreiche Rheuma-Medikament Enbrel. Die Nachfrage danach ist so hoch, dass Wartelisten für das Mittel bestehen, da Immunex, Seattle, mit der Produktion nicht mehr nachkommt. Marktbeobachter rechnen damit, dass das Medikament schnell einen Jahresumsatz von 1 Mrd. $ und damit den Status eines sogenannten "Blockbusters" erreichen wird. Für Amgen wäre das der dritte Blockbuster neben dem Anämie-Produkt "Epogen" und "Neupogen" gegen Komplikationen während einer Chemotherapie.

Immunex hatte jedoch in jüngster Zeit auch einige Rückschläge: Ein Asthma-Mittel ist bei den klinischen Tests durchgefallen. Und auch die erweiterte Anwendung von Enbrel gegen kongestives Herzversagen wurde nicht genehmigt. Derzeit versucht Immunex, Enbrel auch gegen Schuppenflechte patentieren zu lassen.

Aktienkurse gaben deutlich nach

Die Investoren haben die jüngsten Übernahmepläne nicht gerade begeistert aufgenommen. Die Aktienkurse der beiden Unternehmen gaben am Freitag deutlich nach. 18 Mrd. $ sind nach Meinung einiger Analysten zu hoch. "Es wird bis 2005 dauern, bis sich die Investition für Amgen lohnt", rechnet Eric Schmidt, Biotech-Analyst des Investmenthauses SG Cowen vor. Zudem wirft die Übernahme Fragen über die Situation bei Amgen auf, meint Schmidt: "Bisher sah es so aus, als könnte Amgen sehr gut aus eigener Kraft wachsen. Jetzt fragt man sich: Warum brauchen die Immunex? Gibt es vielleicht doch Probleme?"

Auch Matthew Geller, Analyst bei CIBC World Markets war zunächst kritisch: "Mein erster Gedanke war, dass ich besorgt über den Verwässerungseffekt bei Amgen war", sagt er. Doch er räumt ein, dass es auch Synergie-Effekte zwischen den Unternehmen geben kann. "Beide konzentrieren sich auf Krebs- und Autoimmun-Krankheiten", erklärt er.

Geller geht davon aus, dass AHP einer Übernahme zustimmen würde. Das Unternehmen mit Sitz in Madison, New Jersey, hatte seinen Anteil an Immunex im vierten Quartal des vergangenen Jahres bereits von 54 % auf 41 % gesenkt. Die Beteiligung an dem Enbrel-Medikament würde durch eine Übernahme durch Amgen nicht berührt.

Die Übernahme wäre die vierte Fusion unter Biotech-Unternehmen innerhalb von zwei Wochen: Zuvor hatte Millenium Pharmaceuticals angekündigt, COR Therapeutics für 2 Mrd. $ in Aktien zu kaufen. MedImmune gab bekannt, dass es Aviron für 1,5 Mrd. $ übernimmt, und Cephalon wird Group Lafon für 450 Mill. $ kaufen.

Einen Trend zu einer schnelleren Konsolidierung will Analyst Schmidt darin jedoch nicht erkennen. "Das ist eher Zufall. Die Branche konsoldiert schon seit Jahren in einem stabilen Tempo", sagt er.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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