Zweimal an Mindesbeteiligung gescheitert
Geringes Interesse an Montenegros Präsidentenwahl

Nach Angaben unabhängiger Wahlbeobachtergruppen hatten bis frühen zum Nachmittag lediglich etwas mehr als 20 Prozent der 450 000 Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben.

HB/dpa PODGORICA. Die Präsidentenwahl in Montenegro vom Sonntag ist trotz des Scheiterns zweier früherer Wahlgänge an der Mindestbeteiligung auf relativ geringes Wählerinteresse gestoßen.

Als aussichtsreichster Kandidat unter drei Bewerbern galt nach Meinungsumfragen Parlamentspräsident Filip Vujanovic. Er wird von der regierenden Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS) und deren Koalitionspartner, der Sozialdemokratischen Partei (SDP), unterstützt. Bei der Wahl im Februar hatte er 81 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten. Die pro-serbische Opposition hatte sich über einen eigenen Kandidaten nicht einigen können, legte aber ihren Wählern nahe, ihre Stimmen Miodrag Zivkovic, dem Chef und Kandidaten des Liberalen Bundes (LS) zu geben. Als Unabhängiger bewarb sich Dragan Hajdukovic, der als fast chancenlos galt.

Die Wahlgänge im Dezember vergangenen Jahres und im Februar waren an der nicht erreichten Mindestbeteiligung von 50 Prozent gescheitert. Diese Klausel wurde inzwischen abgeschafft. Gewählt ist derjenige Kandidat, der die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen bekommen hat. Sollte dies keinem der Bewerber gelingen, müssen sich in zwei Wochen die beiden erfolgreichsten Kandidaten erneut den Wählern stellen.

Vujanovic äußerte sich bereits nach seiner Stimmabgabe in der Hauptstadt Podgorica zuversichtlich über einen Sieg schon im ersten Wahlgang. Danach werde er das Land in Richtung Europa führen und innerhalb von drei Jahren ein Referendum über die Unabhängigkeit ausschreiben, sagte er vor Journalisten. Vujanovic war langjähriger montenegrinischer Regierungschef. Sein Amt hatte er nach den Parlamentswahlen im Oktober vergangenen Jahres dem damaligen Präsidenten Milo Djukanovic überlassen. Beide Politiker streben die Unabhängigkeit der früheren jugoslawischen Teilrepublik Montenegro an und sehen die unter direktem EU-Druck Anfang dieses Jahres entstandene lose Staatengemeinschaft mit Serbien nur als Übergang zur völligen Selbstständigkeit an.

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