Zweistellige Zuwachsraten beim Export gehören der Vergangenheit an
US-Konjunktur zieht Asien aus dem Tief

Trotz erster Anzeichen für eine Stabilisierung der Konjunktur steht der Aufschwung im asiatisch-pazifischen Raum auf wackeligen Beinen. Unsicherheiten über die die Entwicklung der Weltwirtschaft und Nachlässigkeiten bei Strukturrefromen belasten die Wachstumsperspektiven Asiens.

cr DÜSSELDORF. Der Taifun zieht ab. Nach Jahren konjunktureller Turbulenzen kann Asien wieder auf Schönwetter hoffen. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) rechnet in ihrem neuesten Outlook für die Jahre 2002 und 2003 jedenfalls mit soliden Wachstumsraten von 4,8 und 5,8 %. Mit ähnlichen Werten kalkuliert die Investmentbank Goldman Sachs. Sie schätzt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2002 in Asien auf 4,7 bis 5,5 %.

Bedingt durch die weltweite Wirtschaftsschwäche war die Nachfrage in vielen ADB-Mitgliedsländern im Jahr 2001 stark zurück gegangen. Die Wachstumsraten fielen im Durchschnitt um nahezu 50 % auf 3,7 % zurück. Allein aus den USA gingen im vergangenen Jahr 6,8 % weniger Aufträge ein. Im Jahr zuvor hatte vor allem der Bedarf nach Computer- und Kommunikationstechnologie den Export der Tigerstaaten und ihrer Nachbarn in die USA um mehr als 21 % hochgetrieben. Die Erholung in den Vereinigten Staaten, begleitet von etwas rosigeren Aussichten im Euro-Raum und in Japan, begünstigt nun die Wende in Asien. Immerhin fließen mehr als 50 % der asiatischen Exporte in die Märkte der Triade.

Allerdings dämpft der noch relativ bescheidene Aufschwung und die nur verhalten zunehmende Nachfrage nach Elektronikartikeln in den großen Märkten die Wachstumsaussichten. Zweistellige Zuwachsraten im Export gehören daher vorerst der Vergangenheit an. Erst wenn die Kapazitätsüberhänge in den USA, Europa und Japan abgebaut sind und die Investitionsneigung wieder zunehmen sollte, dürften die Bestellungen das Exportwachstum Asiens stärker stimulieren. Das aber wird nach Auffassung der ADB im Jahr 2002 nicht der Fall sein. Durchschnittlich dürfte sich das Export-Plus daher bei 6 % einpendeln.

Gemeinsam mit einer von Goldman Sachs als "Überraschung" empfundenen starken Binnennachfrage ist der Export mithin Asiens wichtigster konjunktureller Antriebsfaktor. Stabilisierend machen sich auch die makroökonomischen Impulse bemerkbar. Vor allem China hat umfangreiche kreditfinanzierte staatliche Konjunkturprogramme auf den Weg gebracht, um ein Wachstum von rund 7 % in diesem Jahr zu sichern. Jetzt kehrt allmählich privates Investitionskapital zurück. Die Risikozuschläge für asiatische Anleihen fallen, wenn auch mit unterschiedlicher Tendenz. Investoren betrachten die Wachstumsländer kritischer: In Staaten mit kurzfristigen Verbindlichkeiten, flexiblen Wechselkursen und Leistungsbilanzüberschüssen fließt mehr ausländisches Kapital.

Auch wenn sich das Konjunkturklima im asiatisch-pazifischen Raum allmählich freundlicher präsentiert, bleiben etliche Risiken doch virulent. Nicht alle asiatischen Staaten haben aus der Finanzkrise von 1997 die richtigen Schlüsse gezogen und Strukturreformen energisch genug vorangetrieben. "In Südostasien liegt ein Risiko darin, dass das Reformtempo erschlafft. Darunter leiden wirtschaftliche Effizienz und Ressourcenverteilung", bemängelt die ADB. Faule Kredite belasteten die Fähigkeit, ein ausgewogenes Wachstum aus eigener Kraft langfristig zu sichern. Sie mahnt mehr Wettbewerb und weitere Strukturreformen bei Unternehmen und im Finanzsektor an.

Das scheint den ADB-Autoren umso wichtiger, als "wachsende Unsicherheiten über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Voraussagen erheblich erschwert haben". Einen Risikofaktor sehen die Analysten in ihren Annahmen über die Exportnachfrage. Aus zwei Gründen könnte sie hinter den Erwartungen zurückfallen: erstens, wenn die weltweite Investitionsneigung weiter schwächelt und mit der Ausweitung des Handels nicht Schritt hält und zweitens, wenn die USA ihr exorbitantes Leistungsbilanzdefizit korrigieren. Sollten die Vereinigten Staaten ihre Konsumnachfrage künstlich drosseln, wären alle Prognosen ebenso Makulatur wie im Fall einer zunehmenden Inflation.

Dafür sehen die Outlook-Autoren zwei potenzielle Anlässe: Weitet sich die Krise im Mittleren Osten dramatisch aus, hätte das unmittelbare Folgen für die Ölpreise - mit schwerwiegenden Folgen für Produktionskosten in Asien. Der zweite Grund ist eher hausgemacht: In manchen Ländern haben sich die makroökonomischen Stimuli noch nicht in einer erhöhten Nachfrage niedergeschlagen. Sollte das in einem aggressiven Schub geschehen, könnte eine neue Teuerungswelle die Notenbanken zu einer Politik des knappen Geldes veranlassen.

Sollte die US-Notenbank Fed die Zinsen wieder erhöhen, muss Asien aber nicht gleich in eine neue Schwächephase trudeln. Nach Ansicht von Goldman Sachs kann sich die Region durch flexible Wechselkurse, große Liquiditätsüberhänge und niedrige Zinssätze bis zu einem gewissen Grad vom US-Zinstrend abkoppeln.

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