Zweite Empörung über Bush
IOC könnte New York abstrafen

George W. Bush hat dem IOC bereits einmal auf den Schlips getreten - doch, dass der US-Präsident olympische Symbole missbraucht, das geht dem olympischen Komitee dann doch zu weit.

HB ATHEN. Bei den Winterspielen in Salt Lake City nahm sich George W. Bush als erstes Staatsoberhaupt überhaupt das Recht heraus, die traditionelle Eröffnungsformel der Olympischen Charta zu verändern. Zwei Jahre später ist das Internationale Olympische Komitee (IOC) empört darüber, dass das Team des US-Präsidenten die olympischen Symbole zu Wahlkampfzwecken missbraucht. Offiziell hat sich IOC-Präsident Jacques Rogge am Freitag eines Kommentars enthalten und die Affäre zu einer inneramerikanischen Angelegenheit erklärt. Inoffiziell lautet die Beurteilung ganz anders. So sagt ein führender Olympier: "Die Arroganz der Bush-Administration ist nicht zu überbieten. Sie bemächtigt sich der olympischen Symbole. Dafür gibt es eigentlich keine Worte."

Am 9. Februar 2002 hatte Bush der traditionellen Eröffnungsformel ("Ich erkläre die Spiele von Salt Lake City zur Feier der Olympischen Winterspiele für eröffnet.") vorangestellt: "Stellvertretend für eine stolze, entschlossene und dankbare Nation." Diesmal ist ein Wahlspot des Bush-Teams Stein des Anstoßes. Darin werden Begriffe wie "Olympia" und "Olympische Spiele" und das Symbol der Olympischen Ringe instrumentalisiert.

Ein Sprecher kommentiert in dem Spot die Wahlkampfbilder so: "1972 gab es 40 Demokratien in der Welt. Heute sind es 120. Freiheit verbreitet sich in der Welt wie ein Sonnenaufgang. Bei diesen Olympischen Spielen gibt es zwei freie Nationen mehr. Und zwei Terroristenregimes weniger." Unausgesprochen blieb dabei, dass erst die Interventionspolitik des US-Präsidenten für die Teilnahme von Afghanistan und des Irak an den Athen-Spielen gesorgt hat.

"Dies ist eine Angelegenheit für das Nationale Olympische Komitee der USA und nicht des IOC", sagte ein überaus vorsichtiger Rogge und verwies darauf, dass das US-NOK die Wahlkampfleitung von Bush bereits um Beendigung des Missbrauchs gebeten habe. Das IOC ist weltweit Inhaber der olympischen Symbole. In den USA besteht die Sonderregelung, wonach die Regierung dem NOK per Gesetz die alleinige Nutzung zuerkannt hat, und zwar aus kommerziellen Gründen. Somit bedeutet der Wahlkampf-Spot einen Verstoß gegen das Gesetz.

Thomas Bach, der am Sonntag turnusgemäß seine IOC - Vizepräsidentschaft abgibt, mag sich nur "persönlich" zu der Affäre äußern. "Meine Kollegen und ich sehen den Fall sehr kritisch. Das IOC ist politisch neutral und stark darauf bedacht, nicht in politische oder gar innenpolitische Angelegenheiten hineingezogen zu werden. Wir erwarten, dass die Intervention des US-NOK zu einer schnellstmöglichen Einstellung des Spots führt." Der norwegische Vorsitzende der IOC-Marketingkommission, Gerhard Heiberg, sagt: "Olympische Bezeichnungen und Symbole sind in unserem Besitz. Niemand hat uns um Erlaubnis gebeten. Die Kampagne muss so schnell wie möglich gestoppt werden."

Die Auseinandersetzung zwischen der olympischen und der politischen Vormacht ist ein Streit zwischen Ungleichen. Allerdings besitzt das IOC zumindest indirekt ein Strafmittel. Eines seiner Mitglieder sagt zur Vergabe der Olympischen Spiele 2012 im kommenden Juli: "Die Chancen für New York, Ausrichter zu werden, waren ohnehin nicht besonders gut. Nun sind sie gegen Null gesunken."

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