Zweite Geisel nach Deutschland zurückgekehrt
Geiselnehmer lernte in überfallener Sparkasse

Einer der Geiselgangster von Wrestedt kannte sich in der überfallenen Bank bestens aus: Der Räuber war Auszubildender in der Sparkasse. Anfang 2001 sei er nach einer achtmonatigen Lehre wegen Unregelmäßigkeiten entlassen worden.

dpa BERLIN/LÜNEBURG/KIEW. "Ich habe ihn rausgeschmissen", sagte der Filialleiter am Donnerstag der dpa. Nach dem unblutigen Ende des Geiseldramas mit einer halsbrecherischen Verfolgungsfahrt durch drei Länder am Mittwoch kümmerten sich die Behörden um eine rasche Heimkehr der beiden Geiseln. Die drei Täter sollten nach Angaben aus der Ukraine noch am Donnerstag ausgeliefert werden.



Indes ist auch die zweite Geisel zurück in Deutschland. Ein Polizeisprecher in Lüneburg bestätigte, dass die Maschine mit der 25 Jahre alten Bankangestellten an Bord am Abend planmäßig in Hamburg landen wird. Die Frau war zuvor von Kiew nach Frankfurt geflogen. Die 25-Jährige, die nach der 22-stündigen Odyssee mit den drei Bankräubern in der Ukraine freigelassen worden war, wird von ihrem Verlobten begleitet.

Eine 39-jährige Bankangestellte war bereits in der Nacht aus Warschau im niedersächsischen Uelzen eingetroffen und wurde am Nachmittag von Fahndern vernommen.

Die Geiselgangster hatten am Dienstag die Sparkasse in Wrestedt überfallen und waren mit ihren beiden Geiseln und einer Beute von rund 200 000 Euro geflohen. Erst nach rund 1 600 Kilometern durch Deutschland, Polen und die Ukraine konnten sie am Mittwoch gestoppt werden.

Gegen die mutmaßlichen Bankräuber aus Lüneburg werde Anklage wegen schwerer räuberischer Erpressung und Geiselnahme erhoben, sagte Oberstaatsanwalt Manfred Warnecke. Den ehemaligen Aussiedlern drohe eine Haftstrafe von mindestens zehn Jahren. Die drei Geiselnehmer waren nach Angaben der Polizei "auf keinen Fall Profis". Deutsche Kriminalbeamte sind in der westukrainischen Stadt zur Vorbereitung des Rücktransports, sagte Polizeisprecherin Ljudmila Chmurowskaja in Rowno der dpa. Welcher der drei Gangster früher in der Bank arbeitete, blieb zunächst unklar.

Die Täter sind nach Polizeiangaben 23, 25 und 26 Jahre alt. Alle drei seien Aussiedler, zwei von ihnen aus Kasachstan. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnungen in Lüneburg sei Beweismaterial sichergestellt worden. Zunächst hatte es geheißen, sie wohnten in Hamburg. Die Geiselnahme sei eine "Fortsetzung von Improvisation" gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Mit den beiden Frauen in ihrer Gewalt hätten sich die Täter den Fluchtweg sichern wollen.

"Wenn die Beamten nicht so früh am Tatort gewesen wären, hätte es mit Sicherheit gar keine Geiselnahme gegeben", sagte der Polizeisprecher. Der Einsatz werde routinemäßig auf Fehler untersucht. "Der Einsatz wird überprüft, so wie wir alle Einsätze überprüfen, um eventuelle Schwachstellen zu finden", sagte Einsatzleiter Hans Reime.



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