Zweite Quartal verlief enttäuschend
Hypovereinsbank wird Renditeziel für 2001 verfehlen

Nach einem enttäuschenden zweiten Quartal kann die Hypovereinsbank die für 2001 angepeilte Eigenkapitalrendite nach eigenen Angaben nicht mehr erreichen.

Reuters MÜNCHEN. Die schwache Konjunktur und die schlechte Stimmung an den Börsen werden der Hypovereinsbank AG in diesem Jahr nach eigener Einschätzung das Geschäft verhageln. Die angepeilte Eigenkapitalrendite von zehn bis zwölf Prozent sei angesichts des Ergebniseinbruchs im ersten Halbjahr nicht mehr erreichbar, teilte die zweitgrößte Bank Deutschlands am Donnerstag in München mit. Im zweiten Quartal halbierte sich der Gewinn vor Steuern im Vergleich zum vergangenen Jahr auf 229 (531) Mill. Euro und verfehlte damit die Erwartungen der von Reuters befragten Analysten, die im Schnitt mit 251 Mill. Euro gerechnet hatten. Die Aktien der HypoVereinsbanken lagen dennoch knapp zwei Prozent im Plus, da die Händler die schwachen Quartalszahlen schon erwartet hatten und nun wieder zugriffen.

"Sie werden sich denken können, dass wir mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind", sagte Vorstandssprecher Albrecht Schmidt auf einer Pressekonferenz.Die Eigenkapitalrendite der HVB sank bis Ende Juni auf 7,4 Prozent, im Börsenboom des vergangenen Jahres waren es noch zehn Prozent. Für eine Erholung der Märkte im zweiten Halbjahr gebe es keinerlei Anzeichen, sagte ein Sprecher. Bremsspuren hätten sich beim Einlagen- und Kreditvolumen gezeigt. Dennoch will die Bank den Renditerückgang in Grenzen halten: "Wir arbeiten hart daran, dass die Zahl nahe bei zehn Prozent liegt", so Schmidt. An dem Ziel, bis 2004 rund 15 Prozent Eigenkapitalrendite zu erreichen, halte die Bank fest, bekräftigte er. Wegen zunehmender Insolvenzen in Deutschland sei die Risikovorsorge um 100 Mill. Euro aufgestockt worden, hieß es. Für das gesamte Jahr erwartet die Hypovereinsbank nun Rückstellungsbedarf von 1,6 Mrd. Euro.

Analysten: Marktentwicklung keine Entschuldigung

Analysten rechnen auch bei den anderen Großbanken im zweiten Quartal mit schwachen Ergebnissen. "Wir durchlaufen zurzeit eine für alle Banken schwierige Phase", sagte Schmidt. Die HVB müsse ihren geplanten "Innenausbau" in diesem Jahr daher noch zügiger umsetzen. Die Marktentwicklung dürfe keine Entschuldigung sein. Den größten Rückstand zum Vorjahr hatte im ersten Halbjahr das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden. Die HVB verdiente hier mit 111 (338) Mill. Euro vor Steuern zwei Drittel weniger als noch ein Jahr zuvor. Schmidt bezeichnete den Umbau dieser Sparte als eine der zwei wichtigsten Aufgaben dieses Jahres. Die andere sei die Reduzierung der Kosten. Akquisitionen seien daher 2001 nicht geplant.

"Wir sind dabei, den Konzern auf allen Ebenen schlanker und schlagkräftiger zu machen", sagte Schmidt. Daraus seien ab 2004 rund 1,2 Mrd. Euro an Synergien zu erwarten. Die HVB hatte bereits Pläne zum Abbau von mehr als 5 500 Arbeitsplätzen bekannt gegeben. Bei den Privatkunden soll stärker differenziert werden, woraus allein über 400 Mill. Euro an Einspareffekten kommen sollen. Das "Private Banking" genannte und vom neuen Vorstand Stefan Jentzsch geführte Geschäft mit wohlhabenden Kunden werde in den nächsten Wochen eine neue Beratungsstrategie vorstellen, sagte Schmidt. Das genaue Volumen des Stellenabbaus sei noch offen.

Einen noch tieferen Ergebnissturz verhinderten nur die 370 Mill. Euro, die die Hypovereinsbank Anfang des Jahres mit dem Verkauf des britischen Fondsverwalters Foreign & Colonial (F&C) steuerfrei erlöst hatte. Der Gewinn nach Steuern und nach Fremdanteilen lag in den ersten sechs Monaten bei 599 Mill. Euro und damit um 25 Prozent unter dem Proforma-Vergleichswert von 802 Mill. Euro, der die im Dezember übernommene Bank Austria einschließt. Im zweiten Quartal blieben unter dem Strich 131 Mill. Euro, in den ersten drei Monaten waren es dank F&C noch 468 Mill. Euro.

Verwaltungsaufwand um 57 Prozent gestiegen

Unter anderem durch die Einbeziehung der Bank Austria stieg der Verwaltungsaufwand nach Angaben der HVB bis Ende Juni um 57 Prozent auf 3,83 Mrd. Euro. Dabei verschlechterte sich das Verhältnis von Kosten und Einnahmen (Cost-Income-Ratio) nach den Angaben auf 66,5 von 62,6 Prozent. Bis 2004 soll der Aufwand pro forma gegenüber dem vergangenen Jahr um 15 Prozent sinken.

Trotz der schwachen Ergebnisse stieg der Kurs der HypoVereinsbank-Aktie am Donnerstag bis auf 49,50 Euro, später hatte das Papier mit 48,95 Euro noch 1,87 Prozent Vorsprung. Analyst Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin sagte, die Aktie habe in Erwartung der schwachen Zahlen bereits in den vergangenen Tagen unter Druck gestanden. "Daher sollte man den technisch bedingten Anstieg nicht überbewerten", sagte Analyst Plenk. "Die Zahlen sind grottenschlecht, aber das ist keine Überraschung", sagte sein Kollege Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck. Negativ seien der überraschend starke Anstieg der Risikovorsorge und die hohen Verwaltungskosten.

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