Zweite Reise
Fischer setzt Krisen-Gespräche fort

Bei seiner zweiten Reise in die Krisenregion um Afghanistan innerhalb weniger Tage will Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) in Saudi-Arabien und Iran Gespräche über die politische Zukunft Afghanistans führen.

Reuters BERLIN. Beide Staaten spielen bei den Bemühungen um eine künftige afghanische Regierung und die Stabilität der Allianz gegen den Terror wichtige Rollen. Fischer hatte bereits in der Woche vor seiner am Montag begonnen zweiten Reise mit den Regierungen in Pakistan und Tadschikistan über den Afghanistan-Konflikt gesprochen. Mitte dieser Woche will sich Fischer zudem in Israel und den Palästinensergebieten für eine Wiederbelebung des Nahost-Friedensprozesses einsetzen, der durch die jüngste Gewalteskalation wieder schwer belastet ist.

Die internationale Gemeinschaft sucht gegenwärtig nach einer stabilen Lösung für Afghanistan, nachdem die USA vor zwei Wochen mit ihren Luftangriffen gegen Ziele in dem Land begonnen haben. Sie werfen den regierenden radikal-islamischen Taliban vor, den Moslem-Extremisten Osama bin Laden zu unterstützen, den sie für die Anschläge vom 11. September in New York und Washington verantwortlich machen.

EU fordert "innerafghanische Lösung"

Die Europäische Union (EU) fordert für Afghanistan eine "innerafghanische Lösung", an der die verschiedenen Volksgruppen beteiligt sind und die die Interessen der Nachbarländer berücksichtigen soll. Dabei sollen der ehemalige König Sahir Schah und die Vereinten Nationen (UNO) eine Rolle spielen. Umstritten ist, ob moderate Vertreter der Taliban, wie von Pakistan gefordert, einbezogen werden sollen. Bei ihnen handelt es sich um Paschtunen, die mit 40 Prozent die größte Volksgruppe stellen. Unklar ist auch die künftige Rolle der oppositionellen Nordallianz, die aus ethnischen Minderheiten besteht.

Fischer wollte in der saudiarabischen Hauptstadt Riad zunächst mit Außenminister Saud el Feisal sprechen. Die saudiarabische Führung steht wegen ihrer Unterstützung für die internationale Allianz und wegen der Präsenz von US-Truppen unter innenpolitischem Druck. Die Stabilität des Landes und der gesamten ölreichen arabischen Halbinsel gilt als zentrales Ziel der amerikanischen und westlichen Politik in der Region.

Gute deutsch-iranische Beziehungen könnten helfen

Die iranische Führung, mit der Fischer am Dienstag und Mittwoch sprechen will, hat zwar die Anschläge in den USA verurteilt. Sie lehnt aber auch die amerikanischen Angriffe auf das Nachbarland Afghanistan ab. Die Zusage, notfalls US-Piloten zu helfen, die in Iran abstürzen oder landen müssen, gilt als versöhnliches Signal an die bislang als Erzfeind verteufelten USA. Da Iran und die USA keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, könnte Fischer wegen der traditionell guten deutsch-iranischen Beziehungen eine Brücke zwischen der Allianz und der Führung in Teheran bilden. Iran unterstützt im Afghanistan-Konflikt die Nordallianz und lehnt eine Einbeziehung der Taliban ab. Geplant sind Gespräche mit Irans Außenminister Chamal Harasi, Präsident Mohammad Chatami und Hilfsorganisationen.

Nach einem Zwischenstopp in Paris zum deutsch-französischen Gipfel am Mittwoch will sich Fischer in Israel und in den Palästinenser-Gebiete um eine Fortsetzung des Friedensprozesses bemühen. Bereits seit einiger Zeit versucht er mit ausdrücklicher Zustimmung der USA zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Beim letzten Besuch hatte Fischer Zusagen von Israels Außenminister Schimon Peres und Palästinenser-Präsident Jassir Arafat zu einem Treffen erhalten. Der Friedensprozess wird jedoch schwer belastet durch die anhaltende Gewalt, die sich nach dem tödlichen Attentat auf einen israelischen Minister in der vergangenen Woche wieder verstärkt hat.

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