Zweites Gold für Britta Steffen
„Das war ein absolutes Kopfding“

Sie sei „ein Sensibelchen“, sagt Britta Steffen über sich. Alle anderen sprachen vom „ Nervenbündel“. Dann erschwamm die Berlinerin über 100 Meter Freistil Gold. Und nur zwei Tage später ließ sie von jedem Drucks befreit den zweiten Olympiasieg folgen. Es zeigt einmal mehr: Steffens Probleme waren stets mentaler Natur. Dass sie diese überwundet hat, hängt mit Franziska van Almsick zusammen.

BERLIN. Nicht dass es ihr niemand zugetraut hätte. Schon vor Olympia wurde sie als Gold-Hoffnug gehandelt – wenn sie den Gegner im Kopf besiegen könne. Und es scheint, als sei ihr das nun für alle Ewigkeit gelungen. Nach den 100 Metern seien ihr „alle Steine von den Schultern gefallen“. Weshalb es nur folgerichtig wirkt, dass Steffen, die keineswegs als Sprintspezialistin gilt, am Sonntag unbeschwert das zweite Gold über 50-Meter-Freistil in 24,06 Sekunden gewann.

Damit tritt sie in die Badelatschen des Schwimmers Michael Groß, der 1984 in Los Angeles Doppel-Gold holte. Und natürlich folgt sie in der Ahnenreihe direkt auf Franziska van Almsick, der es trotz aller medialen Überhöhung nie gelang, eine olympische Gold-Medaille zu gewinnen. Man kann nur ahnen, wie ihr Schatten auf Steffen zu Karriere-Beginn gelastet haben muss, damals, nach dem Vorlauf in der 4 x 200-Meter-Freistil-Staffel in Sydney 2000, die später Bronze gewann und dem vierten Platz über 4 x 200-Meter-Freistil. Steffen fiel in ein Formtief, das keinen Beckengrund zu kennen schien. Und plötzlich wandte sich der Schatten an sie: Was willst du mit deinem Talent anfangen, soll van Almsick gefragt und Steffen überzeugt haben, von Potsdam nach Berlin zur SG Neukölln zu wechseln.

Nun trainierten beide unter Trainer Norbert Warnatzsch. Steffen fand zu alter Form zurück. Aber dem Schatten van Almsicks zu entschwimmen, gelang ihr nicht. Während diese ihre Karriere 2004 in Athen mit zwei weiteren Bronzemedaillen beendete, konnte Steffen keines des selbstgesteckten Ziele erreichen. Tief entäuscht gab sie das Schwimmen auf und begann ihr Wirtschaftsingenieur-Studium.

Erst im August 2005 begann sie wieder zu trainieren. Bei der Europmeisterschaft in Budapest im folgenden Jahr schwamm sie in der 4 x 100-Meter-Freistilstaffel mit 52,66 Sekunden so schnell, wie keine Frau zuvor über diese Distanz. Sie triumphierte mit dem Weltrekord über die 100 Meter, war beim Gold über 4 x 200-Meter-Freistil dabei und egalisiserte mit ihrem Sieg über 50 Meter den deutschen Rekord. Die Fachwelt rieb sich über diese Leistungsexplosion nach der langen Pause verwundert die Augen. Dopinggerüchte, die nie bestätigt wurden, machten die Runde. Auch wenn ihr Talent stets außer Frage stand. Waren Steffens Probleme doch stets mentaler Natur.

Seite 1:

„Das war ein absolutes Kopfding“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%