Zweites TV-Duell: McCain vs. Obama
Frostige Begegnung auf den letzten Metern

Die zweite Fernsehdebatte der US-Präsidentschaftskandidaten verläuft höflich unfreundlich. Ein Funke wollte dabei nicht recht überspringen, denn gleich zu Beginn mussten sich die Bewerber mit dem Schwarzbrot der Finanzkrise befassen. Das Klima zwischen den beiden hat sich verschlechtert – auch persönliche Attacken waren kein Tabu.

WASHINGTON. Barack Obama reichte ein Unentschieden, John McCain aber hätte einen Sieg benötigt. Denn seit Beginn der Finanzkrise verliert der republikanische Senator in den Umfragen an Boden. Doch eine Aufholjagd legte McCain gestern Abbend bei der zweiten Fernsehdebatte mit seinem demokratischen Rivalen nicht hin. McCain schlug sich gut, aber nicht brillant. Und Barack Obama machte keine Fehler, sondern präsentierte sich zumeist präzise und klar in seinen Aussagen. Ein "game changer", eine Debatte, die dem Rennen um das Weiße Haus eine entscheidende Wendung hätte geben können, war die Begegnung der beiden Kandidaten nicht.

Dabei war der Rahmen des Duells anders angelegt als bisher. Nicht frontal mit dem Moderator setzten sich Obama und McCain an der Belmont Universität in Nashville, Tennessee auseinander. Sondern nachgestellt wurde eine Diskussionssituation in einer Stadthalle. Unzählige Male hatten sich die beiden Bewerber in ihren Wahlkämpfen solchen Situationen, so genannten "Townhall meetings" stellen müssen. Und eigentlich war dieses Format mehr nach dem Geschmack des 72-Jährigen Senators aus Arizona als nach jenem von Obama

.

McCain besitzt die Fähigkeit, im direkten Kontakt mit den Menschen eine Verbindung herzustellen. Diese Eigenschaft war es, die ihn etwa in den Vorwahlen in New Hampshire den Sieg bescherte und überraschend innerhalb des republikanischen Lagers nach oben katapultierte. McCain beherrscht die einfache Sprache und er erreicht die Herzen der Wähler. Doch am gestrigen Abend wollte der Funke nicht recht überspringen.

Das lag aber vielleicht auch daran, dass sich die beiden Bewerber gleich zu Beginn über lange Zeit mit dem Schwarzbrot der Finanzkrise befassen mussten. Als der Zuschauer Allen danach fragte, wie es denn nun in den USA ökonomisch weitergehen werde, machten sich Obama und McCain sofort an die Ursachenforschung für die Krise. Zwar hatten beide nicht viele neue Erkenntnisse zu präsentieren.

Doch nach elfminütigen noch weitgehend harmonischem Plausch stellte McCain auf Angriff um: Seine erste Attacke richtet sich gegen Obamas vermeintliche Verbindung zu den beiden bankrotten Kreditgebern Fannie Mac und Freddie Mae. Diese Institute mussten vor wenigen Wochen vom Staat übernommen werden, um sie so vor dem Kollaps zu retten. Wie schon in vielen Wahlkampfreden zog McCain auch hier eine Linie zwischen Obamas Beratern und den Pleitefirmen. Der unfreundliche Ton war damit gesetzt - und dabei blieb es.

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